Talk About Sind One-Night-Stands die Lösung?

Männer können nicht ohne, heißt es. Aber was geht in uns Frauen vor, wenn im Bett Flaute herrscht? Können wir die Lust einfach parken? Warum nehmen wir uns nicht, wonach wir uns sehnen — und wie kriegen wir die guten Gefühle, die uns so fehlen?

Frau ohne Sex

Wir zweifeln, verkrampfen – und nichts geht mehr. Dabei könnte rein theoretisch alles so einfach sein. Wir müssten uns nur unsere High Heels und die beste Freundin schnappen und auf die Pirsch gehen. One-Night-Stands sind schließlich auch für Frauen ein probates Mittel, es einfach mal wieder zu tun, und durchaus okay, bis einem irgendwann der Mann über den Weg läuft, mit dem man gerne das Frühstücksbrötchen teilt. Tatsächlich aber würden nur 27 Prozent der Frauen mit einem Fremden nach einem gemeinsamen Abend ins Bett gehen – egal, wie groß das Verlangen ist. Kann es sein, dass wir 2.0-Frauen doch konservativer sind, als wir zugeben? Oder sind wir uns einfach zu schade für den unpersönlichen Fast- Food-Sex? „Ein bisschen von beidem“, meint Ann-Marlene Henning. „Es geht nicht darum, dass Frauen sich nicht trauen, jemanden aufzureißen. Die Krux ist vielmehr: Sie finden meist keine Erfüllung darin. Bevor nicht der Richtige kommt, bei dem Gefühle im Spiel sind, verzichten sie lieber ganz auf Sex.“ Ganz im Gegensatz zu den Männern.

Sind Männer wirklich anders?

„Mindestens jeder zweite Mann greift zwischen ernsten Beziehungen auf One-Night-Stands zurück“, sagt Ann-Marlene Henning. Da ist es wieder, das alte Klischee. Wir trennen vielleicht den Müll besser als er, aber Sex und Gefühle gehören zusammen – ob man will oder nicht. Es müssen ja nicht sofort die Hochzeitsglocken läuten, aber so eine winzige Hoffnung von „Vielleicht ist das der Richtige“ sollte schon mitschwingen. Sonst geht nichts. „Frauen haben bei One-Night-Stands oft das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Sie vergessen dabei, dass sie den Mann ja selbst benutzen“, erklärt Ann-Marlene Henning. Mag sein, aber das gestehen wir uns nicht ein. Benutzen will man Smartphones, aber nicht den Menschen, mit dem man Liebe macht. Hier zählen Vertrauen, Respekt und Nähe, das süße Geflecht von Begehren und Geborgenheit. Eine schnelle Nacht mit viel Alkohol kann diese Sehnsucht nicht befriedigen. Da kann es schon einmal passieren, dass sich am nächsten Morgen das Bett so leer anfühlt wie wir uns selbst. Sogar, wenn der Mann noch darin liegt.

Entspannt Euch, Mädels...

Also lieber Stoppelbeine und James Franco, bis wir nach zehn Jahren vergessen haben, wie man Sex buchstabiert? Nein. Als Allererstes muss der verkrampft suchende Ausdruck aus dem Gesicht verschwinden. Klingt schwierig, ist es aber nicht. Die Expertin rät: „Kümmern Sie sich um Ihren Oxytocin-Haushalt. Den können Sie nämlich steuern.“ Denn das kleine Glücklichmacher-Hormon schwirrt auch bei anderen sozialen Kontakten durch den Körper. Manchmal reicht schon ein Kuschelabend mit dem besten Freund oder eine liebevolle Umarmung von Papa, um wieder ein bisschen Farbe ins Gesicht zu zaubern. „Ein Baby auf den Arm zu nehmen oder ein Tier zu streicheln wirkt ebenfalls wie eine Oxytocin-Spritze“, sagt die Expertin. „Außerdem ist es wichtig, dass Frauen ihren Körper spüren. Wenn der Sex fehlt, sinkt das eigene Körperempfinden. Tanzen, Yoga, heiße Bäder und tägliches Eincremen können helfen.“ Logisch, ein bisschen Kuscheln und ein Klecks Bodylotion wird kaum die heißeste Nacht unseres Lebens ersetzen. Aber es entspannt und macht glücklich. Wenn wir dann zusätzlich Energie in Dinge stecken, die uns am Herzen liegen – ein Hobby oder ein spannendes Projekt im Job – werden wir feststellen, dass die Lebensqualität nicht an der Intensität des Liebeslebens hängt – auch wenn es einem absurderweise manchmal so vorkommt. Klar ist Sex wichtig. Auch uns Frauen. Es ist kein akzeptabler Zustand, wenn er fehlt. Graue Haare, ein zu runder Po? Da würden wir auch etwas tun. Ganz abgesehen davon, dass sich die Situation nicht bessert, wenn man sich ihr ergibt – oder wenn man verzweifelt und mit einem imaginären „Ich hab es dringend nötig“-Schild auf der Lauer liegt.

Schneller kann man einen Mann nicht verscheuchen, denn das Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert nicht nur in der Marktwirtschaft. Je dringender wir etwas wollen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, es zu bekommen. Und war es nicht immer so, dass sich Wünsche erfüllen, wenn man nicht damit rechnet? Sophie Fontanel schreibt über ihren ersten Mann nach zehn Jahren: „Er ist mir zugeflogen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um mit ihm zu fliegen.“ Genau. Wir sollten Gelegenheiten nutzen. Erzwingen lassen sie sich nicht. Und wenn es passiert, dürfen wir uns fallen lassen. Und fliegen.