Liebe Die Liebesverstärker

Wir haben etwas für Sie, nach dem Sie schon lange gesucht haben: Ein paar handfeste Strategien, mit denen Sie glücklich werden und bleiben. Hier kommen Love-Booster für Frischverliebte und frische Ideen für Langzeitliebende. Von Friederike Schön.

Tipps die Liebe stark zu machen

Die Liebesverstärker

Warten Sie, halt! Fangen wir doch erst mal bei den absoluten Beziehungskil­lern an, die jeder von uns kennt. Sie heißen:


VERACHTUNG, SCHARFE KRITIK, VERTEIDIGUNG, RÜCKZUG.

Genervtes Augenrollen, herablassende Kritik, ein zynisch­ironischer Ton, die „Musst du gerade sagen“ ­Taktik und verschränkte Arme als Zeichen dafür, dass man soeben die Chinesische Mauer zwischen sich und dem Partner errichtet hat, das alles unterhöhlt die Beziehung. Meist schleichend. Gott­man hat errechnet, dass Paare in diesem Streit­ Modus im Schnitt nach 5,6 Jahren auseinandergehen. Man kann es nicht oft genug sagen: Nicht jeder schlechte Moment schlägt als Soll auf dem Liebeskonto zu Buche (sie­he dazu auch der Liebes-­Booster „Hu­mor“). Aber nehmen Sie sich vor den Killern in Acht, sie lauern überall!


DIE COFFEE-TABLE-STRATEGIE.

Erfunden wurde sie von dem ameri­kanischen Psychologen Andrew G. Marshall, der bei seinen Paarthera­pien eine spannende Beobachtung machte: Gerade die Paare, bei denen es um Untreue ging, verließen seine Praxis besonders glücklich. Was war passiert? Nach ihren Affären trau­ten sie sich, alles auf den Tisch zu le­gen, was sie nie zu sagen wagten. Er litt darunter, dass sie mehr verdien­te. Sie hasste seine Mutter ... Diese hei­ßen Eisen in Ruhe anzufassen, wirk­te so befreiend, dass sie sich danach erleichtert wieder annäherten. John M. Gottman hat Fragetechniken ent­wickelt und in seinen Büchern nie­dergeschrieben (zum Beispiel „Die Vermessung der Liebe“, 381 Seiten, Klett­Cotta, 21,95 €), die auch ohne Af­färe funktionieren und dabei helfen, Tabus so anzupacken, dass dabei nicht Ihr englisches Teeservice zerbricht.


LASSEN SIE ALTE KAMELLEN RUHEN, DENN SIE WIRKEN TOXISCH.

Um bei dem Bild zu bleiben: Alte Bonbons vom vorvorletzten Fa­schingszug würden Sie doch auch wegwerfen, anstatt dafür eine Kera­mikfüllung zu riskieren. Langzeit­paare neigen dazu, bei jedem Konflikt alte Probleme/ähnliche Situationen hervorzukramen, als Munition sozu­sagen. Er hat im Jahr 2010 Ihren Jah­restag gründlich verbaselt – und das bekommt er auch jetzt noch regelmä­ßig aufs Brot geschmiert. Manche Ver­letzung sitzt tiefer, das stimmt. Aber verabschieden Sie sich dennoch da­von. Jedes Problemchen sollte indivi­duell betrachtet und separat gelöst werden. Lassen Sie den alten Ballast hinter sich, er beschwert nur unnötig und hält verjährte Schuldgefühle am Köcheln – wie Gift.


GLÜCKLICHE PAARE LASSEN PROBLEME UNGELÖST RUHEN.

John M. Gottman stellte fest, dass es in vielen Beziehungen Konflikte gibt, die sich nicht lösen lassen. Lange Zeit dachte man, jede Unstimmigkeit müsse so lange beackert werden, bis sie sich in Luft auflöst. Ein Irrtum, wie Gottman herausfand. Erfolgrei­che Paare bereinigen sie ganz anders: Sie ignorieren sie einfach. Es kann Einstellungen, Weltanschauungen und Geschmacksfragen betreffen. Sich immer wieder in Diskussionen darüber zu verstricken, bringt nichts. Es einfach so stehen zu lassen, schon eher. Wenn dagegen jeder versucht, seinen Standpunkt durchzudrücken, und sei es nur die Frage, wer den Ab­wasch macht, geht die Liebe flöten. Besser: Einen Partner wählen, dessen Macken man nicht nur erduldet, son­dern die man vielleicht sogar liebens­wert findet. Sie machen den anderen schließlich einzigartig – und zu der liebenswerten Person, die er ist.


ERWARTUNGEN RUNTERBRECHEN UND GEMEINSAMKEITEN FINDEN.

Seien wir nicht naiv: Na klar haben wir in einer Beziehung Er­wartungen und Träume. Aber wir nei­gen sehr schnell dazu, nach zwei safti­gen Streits alles infrage zu stellen und den Liebsten über Bord zu werfen, viel­leicht kommt ja noch einer, der besser passt. Abwasch, Urlaub, Heirat, Kin­der? Gottman nennt sein Gegenmittel etwas nebulös „die gemeinsame geis­tige Landkarte“. Man entwirft eine Karte und zeichnet, malt und schreibt da Dinge hinein, die einem wichtig sind. Oder die man unbedingt ma­chen will. Es geht darum, gemeinsa­me Punkte abzustecken und herauszu­ finden, wohin die grobe Marschrich­tung geht. Das Wirgefühl zu stärken. Und darüber lässt sich nicht streiten, oder?

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