Probleme in der Partnerschaft "Wenn es keine Probleme gibt, suche ich mir eben welche"

Zuerst ist immer alles rosarot. Doch sobald die erste Verknalltheit verflogen ist, fangen wir an zu sticheln und zu meckern. Und sind ausgerechnet zu dem Menschen gemein, den wir am meisten lieben. Ungewollt gewollt – und immer wieder. Zwei Paare über ihr Streitverhalten …

Pärchen

Dr. David Burns, US-Paar-Therapeut und Verhaltens-Psychologe von der Stanford Universität, nennt das, was da manchmal mit uns durchgeht, die „Freude an der Feindseligkeit“. Eine zutiefst tierische Seite der menschlichen Natur, die wir normalerweise unterdrücken. Aber mitunter streben wir doch nacheiner Hackordnung – und zwar nicht nur mit Menschen, die wir nicht leiden können, sondern auch in der Liebe. Burns Theorie: Die hitzigen Streits, in denen Paare ihren Frust aneinander abarbeiten – und dabei Kleinigkeiten zu Riesenballons aufblasen – entstehen nicht, weil wir Konflikte nicht lösen können. Sondern weil wir sie nicht lösen wollen! Der Grund: Unser Ego tritt in Konkurrenz zu unserem Harmonie-Bedürfnis. „Wir genießen es, uns anderen überlegen zu fühlen“, sagt Burns. Das heißt im Klartext: Indem wir den Menschen, den wir lieben, mies behandeln, werten wir unser Selbstwertgefühl auf. Und das ist ganz schön fies – auch wenn es uns hinterher oft schrecklich leid tut.

"Wenn es keine Probleme gibt, suche ich mir eben welche"

Als Partner hat man leider das Pech, für den anderen die bequemste Frust-Abladestelle zu sein. Ärgert mich mein Chef, sollte ich mich besser zusammenreißen, solange ich noch im Büro sitze. Kaum zu Hause, muss dann leider mein Schatz dran glauben. Weil ich genau weiß, dass er die Beziehung bestimmt nicht kündigen wird. Nicht mal dann, wenn ich ihn als rücksichtsloses Ego-Monster beschimpfe, weil er seine ranzigen Jogging-Schuhe im Flur stehen lässt.

Ist man erst mal richtig in Fahrt, fällt es eben schwer, sich zu bremsen. Aber: Auch wenn der Liebste uns viel verzeiht – auf Dauer ist es unfair, seine Gutmütigkeit so zu strapazieren. Deshalb sollte, wer an sich arbeiten möchte, überlegen, was das emotionale Feuer so schürt. „Wenn wir uns von unserem Partner kritisiert oder angegriffen fühlen, schießen uns Gedanken durch den Kopf, die in diesem Moment total richtig erscheinen, tatsächlich aber voller Denkfehler sind“, sagt Burns. Was dazu führt, dass wir ungerecht werden. Natürlich ist es schmerzhaft, wenn uns jemand zwingt, die eigenen Fehler zu betrachten. Insbesondere, wenn es unser Partner ist. Aber lohnt es wirklich, sich deswegen zu zoffen? Schließlich macht es die Situation nicht besser, wenn wir beginnen zu mauern oder seine Fehler aufzählen – nur um von der eigenen Blöße abzulenken. Zumal sowieso derjenige siegt, der an diesem Tag die bessere Kabbel-Kondition besitzt.

Autor: Tina Röhlich

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