Psychologie Aussprache, Stimmlage und Lautstärke

Brauchen wir Frauen eigentlich ein Mikrofon vor der Nase, damit man uns zuhört? Denn die Schaumschläger und Wortabschneider lauern überall. Und was machen wir? Lieb lächeln und am Ende noch klatschen, wenn die Blender das Lob vom Chef kassieren? Ab sofort nicht mehr, denn hier erklärt uns eine Sprechtrainerin, wie wir so reden, dass alle zuhören.

Frau mit Mikrofon

Bei Laufstegmodels sind es die Beine, in fast jedem anderen Job jedoch ist Lippenperformance gefragt! Darin müssen wir richtig gut sein. Was aber ist so schwer daran, sich Gehör zu verschaffen? „Reden kann jeder, überzeugend reden hingegen können nur sehr wenige“, sagt Isabel García („Ich rede. Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht“, Audio-CD, Sessel Books, 13,97 Euro). Die Wahrheit ist: Reden ist unglaublich kompliziert. Studien haben gezeigt: Wir überzeugen andere nur zu kläglichen sieben Prozent mit dem, was wir sagen. Und zu stolzen 93 Prozent dadurch, wie wir etwas sagen.

Für uns Frauen ist das gelinde gesagt eine erschütternde Nachricht. Da produzieren wir 20.000 Wörter am Tag, ein Mann in der gleichen Zeit nur 7000 – und er kommt trotzdem damit durch. Wir reden so furchtbar gern – und können es so schlecht. Es scheint, als seien wir wie ein Hochleistungsmotor, der viel Sprit frisst, aber nach wenigen Kilometern in einer Einöde liegen bleibt. Erschwerend hinzukommt: 55 Prozent einer Botschaft, die wir rüberbringen wollen, versanden in unserer Mimik, unserer Körperhaltung und Gestik. Und weitere 38 Prozent landen auf dem Konto unserer Aussprache, Stimmlage und Lautstärke. Eine verzwickte Lage, die jeder An-die-Wand-Quatscher schamlos ausnutzen kann. Erst recht im Job, wo wir täglich versuchen, uns so anschmiegsam und geschmeidig wie eine Katze jeder Gesprächssituation anzupassen.

Was wir sagen, zählt nur zu 7 %. 93 % überzeugen wir mit dem WIE

Isabel García weiß, wie man es besser macht. „Wer sich an ein paar einfache Regeln hält, redet überzeugend, er entwickelt mehr Präsenz und wird über kurz oder lang seinen Spaß daran haben, andere spielend um den Finger zu wickeln“, verspricht die Kommunikationsexpertin. Genau das wollen wir. Und darum mal los mit den Grundregeln. Das Wichtigste: Wer gut redet, wird gern gehört. Und das kennen Sie auch: Im Meeting kommt Ihre Kollegin mal wieder nicht auf den Punkt. Sie verliert nicht nur ihr Satzende aus den Augen, sondern auch ihre Zuhörer. „Auf den Punkt sprechen ist die Basis, auf der erfolgreiches Reden aufbaut“, erklärt die Expertin. Als professionelle Rednerin weiß sie, dass lange Wortschlangen Gift sind für aufmerksames Zuhören. Gerade in schwierigen Gesprächssituationen wirkt es Wunder, möglichst in kurzen, prägnanten Sätzen zu sprechen. Eine andere Kommunikationsfalle: Gerade wir Frauen neigen dazu, am Satzende mit der Stimme nach oben zu gehen. Mit unserer Stimme setzen wir damit keinen Punkt, sondern ein Fragezeichen. Dumm gelaufen, so machen wir unbewusst aus jeder Aussage eine Frage.

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