Partnerschaft Ich stellte ihn zur Rede

Zehn Jahre war Cornelia, 38, mit David glücklich. Im Leben und im Bett. Bis sie entdeckte, dass er eine Affäre hat – und eigentlich schon immer anders liebte.

Mann schwul

Fand ich nie gut. Aber ich konnte nicht damit aufhören. Immer wieder und wieder und wieder. Als die Kinder dann endlich im Bett lagen, war ich auf einen Schlag still. Ich saß neben David auf der Couch, der mir eine Anekdote über einen Kunden erzählte, und hatte das Gefühl, gleich in einen hysterischen Lachkrampf auszubrechen. Wie absurd! Ein Paar, das sich wie jedes andere auch über seinen Tag austauscht. Was sollte ich erzählen? „Na ja, bei mir war das Übliche: einkaufen, aufräumen, kochen, mit den Kindern spielen – ach ja, und ich habe herausgefunden, dass du es mit Kerlen treibst!“ Tja, so ungefähr habe ich es tatsächlich gesagt. Er starrte mich an. Völlig entsetzt. Stritt alles ab, wurde wütend, sarkastisch, dann stumm. Ehrlich, es wäre so leicht gewesen, ihm zu glauben. Es dabei bewenden zu lassen, das Ganze schnell zu vergessen – denn solange es nicht ausgesprochen wurde, war es nicht real.

Doch ich blieb hartnäckig. Und plötzlich knickte David ein: Kleinlaut gab er zu, seit einem Jahr eine Affäre zu haben. Mit einem Studenten. „Aber mach dir keine Sorgen, er bedeutet mir nichts. Es ist nur Sex“, versuchte er zu beteuern. Was ich tat? Na, ich bin total ausgeflippt. Habe geschrien, geweint, nach ihm geschlagen. Bis mein Kopf leer war. Er nahm mich in den Arm und versicherte, dass er mich und unsere Töchter über alles liebe. Er sei doch nicht schwul! Höchstens bisexuell! Tagelang flehte er mich an, ihm noch eine Chance zu geben. Und ich wurde weich … Ich musste an unseren Urlaub auf Mallorca denken, wo er mir damals den Antrag machte. Wie aufgeregt und verliebt wir am Tag unserer Hochzeit im Sommer 1997 gewesen waren. Wie glücklich über die Geburt unserer Mädchen, beide absolute Wunschkinder. War das alles Lüge? Hatte er mich nur benutzt? Ich konnte es nicht glauben. Wollte es auch nicht. Denn es hätte bedeutet, zehn Jahre Beziehung endgültig als pure Illusion zu entlarven.

Also ging ich mit ihm zur Eheberatung. Hörte mir geduldig an, dass im Grunde alles meine Schuld sei, weil ich so fordernd sei. Verbrachte mit ihm ein Wochenende im Hotel, um die Leidenschaft zwischen uns neu zu entfachen. Ich schlief dort auch mit ihm. Es war nicht mal schlecht, aber mittendrin setzte das Kopfkino ein: Begehrt er mich überhaupt? Dachte er jetzt vielleicht gerade an „den anderen“? Wo hatte er ihn überall berührt? Was hatte ich nur falsch gemacht? In mir wogten Schmerz und Ekel, doch ich riss mich zusammen. Zu Hause dann setzten wir unsere Ehe fort, als sei nie etwas passiert. Ich erzählte keinem Menschen ein Sterbenswörtchen, nicht einmal meiner besten Freundin. Ich wollte David schützen.

Autor: Julia Anderton

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