Psyche Entscheiden Sie sich!

Der Sprachkurs, ein halber Pullover und fünf angefangene Sportarten: Viele von uns sind am besten darin, eine Sache anzufangen. Aber wie zum Teufel bringt man sie zu Ende – oder muss man das gar nicht?

Durchhalten

Die Entscheidung: Soll ich nicht doch lieber …

Herrlich, alles so schön bunt hier. In unserem modernen Leben können wir jederzeit frei zwischen zahllosen Optionen wählen – vom Beruf bis zur Marmelade. Kleiner Nachteil: Irgendwann weiß man nicht mehr, wofür man sich nun entscheiden soll. Gucci oder Prada? Gärtnern oder Schneidern? Bio oder billig? Spaghetti pomodore oder Tomate-Mozzarella? Demonstrieren gehen oder Kochen lernen? Mallorca oder Schweden? Und wie es mit zwei Alternativen so ist – wählt man die eine, entscheidet man sich gegen die andere. Das lähmt manche von uns bis zur Entscheidungsstarre, andere hingegen legen sich einfach monatlich ein neues Hobby und eine andere Stilrichtung zu und ärgern sich über ihre Inkonsequenz. Da hilft nur eins: Ab aufs Sofa mit einem Tee und sich überlegen, was man wirklich möchte. Manchmal besteht das Ergebnis auch darin, dass es super ist, mal wieder mit einem Tee auf dem Sofa zu sitzen.

Was für eine sensationell bescheuerte Idee mit dem Multitasking. Wer hat sich die bloß ausgedacht? Irgendwann waren Frauen der Meinung, sie müssten alles gleichzeitig tun. Telefonieren, kochen, wickeln, klar, alles kein Problem, eigentlich steckt in jeder von uns eine Krake mit acht Armen und zwei Gehirnen. Fast richtig. Und schade, dass dieser Über-Anspruch auch andere Nachteile hat. Dr. Ilona Bürgel: „Wir sind kaum noch in der Lage, uns zu konzentrieren, sind nicht mehr fokussiert und springen mit unserer Aufmerksamkeit.“ Hand aufs Herz, wer von uns ist noch in der Lage, einen kurzen Text durchzulesen, ohne an den Einkauf oder das Fernsehprogramm zu denken? Die Lösung klingt hinterhältig einfach: Atmen und eins nach dem anderen tun. Den Yogakurs noch einmal besuchen. Wirklich probieren, eine Minute lang nur „Yoga, Yoga, Yoga“ zu denken. Ob Sie danach erleuchtet über dem Boden schweben, wissen wir nicht, aber immerhin hilft es dabei, sich einen langen Atem anzutrainieren.

Autor: Wiebke Brauer

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