Männer »Frauen sind der Grund, dass Männer sich waschen, oder?

In den letzten Jahren hatten sie es nicht leicht. Zu machohaft, zu soft – also, was denn nun? Jetzt präsentiert sich der neue Mann. Gefühlig und beinhart, gepflegt, aber nicht glatt. Christiane Stella Bongertz nimmt die Entwicklung unter die Lupe

Mann, bist du jetzt gut!

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Früher lief die Welt noch in anderen Bahnen. Nehmen wir Ralf. Bis Mitte der Neunziger lebte der zusammen mit einem illegal abmontierten Stopp-Schild und zahllosen Mikroorganismen in einträchtiger WG unterm Dach. Das als „Bad“ bezeichnete fensterlose Abstellräumchen besaß ein Miniwaschbecken mit fließend Wasser (kalt). Ralf war damitzufrieden. Er duschte nach dem Fußball- Training (2 x pro Woche) oder nach Bedarf (selten) bei seinen Eltern zwei Stockwerke tiefer. Der Kosmetik-Vorrat beschränkte sich auf ein Stück unkernige Rosen-Seife, vermutlich ein Geschenk seiner Mutter.
Bei Markus sah das schon anders aus. Der verwendete sein wöchentliches Handtuch für Dusche, Sauna sowie als Unterlage im Fitness-Studio. Aber, hey, er duschte. Täglich. Und sein Duftwässerchen „Davidoff“ verströmte den Wohlgeruch von Meer und Zitronen. Im Jahr 2009 hat der Durchschnittsmann statistisch gesehen vier Parfums zur Auswahl. Die stehen neben Antipickel-Gel, Peeling, Mitesser-Strips, der Rasierer-Kollektion und der Haar-Styling-Batterie. Das Stil-Büchlein „Wallpaper“ nennt diesen Trend zur männlichen Selbst-Gestaltung „Manscaping“ – in Anlehnung an das englische „landscape“. Jeder Mann eine Landschaft – wie poetisch. Eine halbe Stunde braucht der neue Mann im Schnitt täglich im Bad für Körper- und GesichtsPflege. Ohne Rasur, duschen, baden! Frauen brauchen nur 26 Minuten. (Quelle: Gemeinschafts- Studie von BCN, VKE und „Playboy“)

Der neue Mann benutzt jeden Tag ein frisches Handtuch. Ach, was: zwei. Die wirft er nach Abrieb feucht aufs Bett. Falls sie nicht über dem Badewannenrand mit dem Duschvorhang um die Wette schimmeln. Denn: Männer verbringen inzwischen zwar mehr Zeit im Badezimmer als Frauen. Aber sie tun dort andere Dinge. Putzen gehört nicht dazu. Vielleicht sollte man Reinigungsmitteln einfach markantere Namen geben wie „Warp 40“ oder – noch besser – das Saubermachen als Spiel gestalten. „The Germinator“, ein High-Tech-Feudel mit Display an der Stange. Jede getötete Bakterie ein Punkt. Motivationshilfe: Männer, die im Haushalt helfen, haben mehr und besseren Sex, weil die Partnerinnen sich respektierter fühlen. (Quelle: Riverside-Universität Kalifornien)
Auch wenn Männer sich anno 2009 noch nicht für die Raumpflege des Bades verantwortlich fühlen – ihre Zähne sind inzwischen vorbildlich geputzt. Es handelt sich aber hierbei um simple Aufrüstung.

»Frauen sind der Grund, dass Männer sich waschen, oder?« Gavin Rossdale, Ehemann von Gwen

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