Beste Freundin Freunde seit der Schulzeit

Für den Partner oder die Karriere ziehen wir notfalls bis ans Ende der Welt - und die beste Freundin? Bleibt zurück und übt sich darin, aus der Distanz nah zu bleiben.

Freundinnen

Maike und ich kennen uns seit der Schulzeit. Damals haben wir zusammen gefeiert und geschwärmt, gelacht und geheult, gezeltet und gejobbt, fürs Abi gebüffelt und selbiges schließlich gründlich begossen. Im Studium trennten sich erstmals unsere Wege, wenn auch nur innerhalb Norddeutschlands. Abends noch mal eben rumkommen, kurz in den Arm nehmen, den Alltag teilen – das war trotzdem vorbei. Unsere Verbundenheit zum Glück aber nicht. Wenn die Uni es zuließ, besuchten wir uns über das Wochenende und erkundeten die Stadt der anderen. Lernten hinzugewonnene Lieblingscafés, Lover und neue Lebenswelten kennen. Und: neue Nahfreunde – solche, die sehr wohl spontan mit Maike kochen konnten, mit meiner Freundin auf der Couch abhingen und die Clubs eroberten.

Nicht selten war ich insgeheim eifersüchtig: darauf, dass diese Fremden plötzlich in alles eingeweiht wurden, schneller von einem Flirt erfuhren und mich beim gemütlichen Brunch ersetzten. Nur, weil sie jetzt näher dran waren. Dabei traf ich mich ja ganz genauso mit Kommilitonen, netten Kolleginnen, Sportfreundinnen. Und ich begann zu begreifen, dass eben beides seinen Wert hat: die Abschnittsfreund- und -bekanntschaften für einen erfüllten Alltag; und die tiefere Verbundenheit mit der Fernfreundin. „Nichts hält eine Fernfreundschaft besser zusammen als eine gemeinsame Vergangenheit“, sagt Peter Wendl. „Wer eine prägende Zeit miteinander verbracht hat, braucht die örtliche Nähe auf Dauer nicht zwingend.“

Vorausgesetzt, man verliert sich nicht in Erinnerungen, sondern schafft hin und wieder auch neue, einander verbindende Ereignisse. Zum Beispiel, indem man ein bis zwei Mal im Jahr etwas gemeinsam unternimmt – inklusive Übernachtung, damit nicht nur Zeit für schnellen Small Talk bleibt, sondern für richtig gute Gespräche, gemeinsam geleerte Weinflaschen und durchgequatschte Nächte.

Schlagworte: