Gekündigt und was nun? Ist wirklich jeder ersetzbar?

Sagen Sie mal, Frau Leitner, wie meinen Sie das genau? Die Karriere- Beraterin behauptet, dass eine Kündigung halb so wild ist und sogar neue Kräfte freisetzt. Wir fragten mal nach, wie man das im Ernstfall schafft.

Karriere-Tipps bei einer Kündigung

Das klingt so einfach. Trotzdem ist jeder Mitarbeiter ersetzbar, oder?
Nein, das stimmt nicht. Ob Sie austauschbar sind oder nicht, hängt davon ab, welchen konkreten Nutzen Sie Ihrem Unternehmen bringen. Damit Ihr Chef auch erkennt, was Sie wert sind, müssen Sie Ihre Vorzüge zur Sprache bringen. 

Wie mache ich das?
Sie müssen ihm sagen, ob Sie zum Beispiel neue Kunden gewinnen konnten oder den Firmenumsatz gesteigert haben. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Chef von selbst sieht, wie viele Überstunden Sie machen oder wie kompetent Sie sind. Versuchen Sie, sich kontinuierlich weiterzubilden und sich Spezialwissen anzueignen, das Sie im Kollegenkreis einzigartig macht. Sie können auch eigene Projektideen vorschlagen oder zum Chef gehen und ihm sagen, dass Sie gern mehr Verantwortung übernehmen möchten. Wenn Sie wichtige Projekte betreuen, wird man nicht so leicht auf Sie verzichten können. 

Je öfter man hört, dass irgendwo Leute entlassen werden, desto öfter sorgt man sich um den eigenen Job. Kann ich mich vor Existenzängsten schützen?
Wer Höhenangst hat, sollte Klettern gehen! Sich mit dem Ernstfall zu konfrontieren, ist in der Psychotherapie ein bewährtes Mittel. Stellen Sie sich den „Worst Case“, also den schlimmsten Fall, konkret vor, und fragen Sie sich: „Was würde ich tun, wenn mir morgen gekündigt wird?“. Spielen Sie diese Situation in allen Einzelheiten durch. Wie genau würden Sie reagieren? Was würden die Freunde sagen? Müssten Sie vielleicht Ihre Wohnung aufgeben? Wichtig ist, dabei eine aktive Rolle einzunehmen und sich Handlungsoptionen zurechtzulegen. Nach einer Theorie des Psychologen Martin Seligman führt vor allem das Gefühl, einer Situation ohnmächtig ausgeliefert zu sein, zu Ängsten und Depressionen. Wer dagegen überzeugt ist, aus eigener Kraft Auswege finden zu können, fühlt sich stärker und verliert die Angst. 

Viele Wirtschaftsexperten sehen die nahe Zukunft pessimistisch. Wie kann ich optimistisch bleiben?
Auch wenn Sie mit Ihrem Job zufrieden sind, sollten Sie sich eine Alternative überlegen, zum Beispiel eine Selbstständigkeit. Sie können auch nach Job-Angeboten suchen, am besten auf dem inoffiziellen Stellenmarkt, indem Sie Freunde und Bekannte fragen, ob sie von freien Jobs wissen. Sie werden schnell feststellen, dass es trotz der Krise interessante Alternativen für Sie gäbe. Und ein guter „Plan B“ macht Sie nicht nur unabhängiger von Ihrem jetzigen Arbeitgeber, sondern steigert auch Ihren Marktwert: Jemand, der weiß, dass er auch eine andere Stelle finden würde, tritt selbstbewusster auf und wird oft als kompetenter wahrgenommen. Natürlich sollten Sie jetzt nicht aus heiterem Himmel zu Ihrem Chef gehen und ihm sagen: „Ich schaue mich gerade nach einem anderen Job um.“ Wichtig ist, sich klar zu machen, dass Sie dank guter Qualifikation und Ihrer Erfahrung auch in turbulenten Zeiten gelassen in die Zukunft blicken können. 

Autor: Isa Hoffinger

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