Sex mit einem vergebenen Mann Ist ein vergebener Mann tabu?

Er hat eine Frau. Aber ist das unser Problem? Wir haben uns doch nur verliebt. Und fragen uns dann doch: Kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren und Sex mit einem vergebenen Mann haben? Und wie kriege ich ihn ganz zu mir? Ein paar Gedanken zum Thema Moral in der Liebe und welche Fehler eine Geliebte nie machen sollte.

Frauen kämpfen um einen Mann

Meine Zeit als die Nummer zwei dauerte genau drei Tage. An einem Montag küssten wir uns zum ersten Mal. Dann gingen wir auseinander. Ich in meine kuschelige Etagenwohnung, er nach Hause zu seiner Frau in seine gemütliche Ehe. Am Donnerstag in der gleichen Woche rief er an und sagte: "Ich habe ihr alles erzählt. Ab heute läuft unsere Zeit." Boom.

Der Mann, der vergeben war, als wir uns trafen, den heiratete ich sieben Jahre später. Und ganz ehrlich, ich fragte mich nie, ob das in Ordnung war. Ob man das darf – einer anderen den Mann wegnehmen? Ich rechtfertigte das vor mir, wie wir Frauen das gern tun: "Es war die große Liebe." Wir legitimieren damit ein Verhalten, das eigentlich unserer Moral widerspricht – denn die ist ziemlich konservativ: In einer forsa-Umfrage exklusiv für PETRA sagten 87 Prozent der Frauen zwischen 25 und 40, sie würden sich nicht auf einen Mann einlassen, der vergeben sei.

Ich habe mich gegen diese Regel verliebt. Ich hätte heute wahrscheinlich weder einen Ehemann noch ein Kind, wenn ich nach der Moral gefragt hätte. Manchmal trifft die Liebe uns anders, als wir uns das wünschen. Er ist vergeben, und wir überhören schlicht, was der Verstand dem Herzen entgegenbrüllt. "Das ist doch der Mann deiner Freundin. Willst du ewig Geliebte sein? Nimm die Beine in die Hand und geh." Wir wissen, dass wir keine Ehebrecherinnen sein wollen und er kein Schuft sein soll, der Frau und Kinder sitzen lässt. So einen Mann könnten wir ja gar nicht lieben. Am Ende passiert uns noch das Gleiche. Vielleicht werden wir auch verlassen, wenn in ein paar Jahren die nächste Süße seinen Weg kreuzt. So denken wir, doch die Liebe läuft anders.

Warum werden wir zur Affäre?

Wie sonst wäre das Leben all der Frauen zu erklären, die Geliebte sind, heimliche Affären haben oder versehentliche One-Night-Stands mit Männern, die nicht zu ihnen gehören. Klar, es gibt diese Handvoll Frauen, die so leben wollen, ohne Schuldgefühle. Selbst autonom sein und ungebunden, aber doch mal jemanden haben für Sex. Da stellt ein gebundener Mann wenigstens keine lebensverändernden Ansprüche. Hey, wir sind Frauen und ein bisschen verbotene Liebe mögen wir ja.

Gefühle machen auch mal einen Umweg. Es sind genau diese Umwege, die unserem Leben Emotionen geben, Höhenflüge und Tiefpunkte – und nicht nur Tage, Wochen und Jahre. Wir brauchen das, dieses kleine Drama und die Schwämerei in unserem Alltag. Die größten Bauchschmerzen bereitet uns laut PETRA Umfrage da noch die Tatsache, dass er Kinder haben könnte. Aber dass wir seine Freundin gut kennen oder sogar genau wissen, dass er sich niemals aus seiner Ehe verabschieden wird, stört gerade mal jede Zehnte unter uns.

Verrat ist überall und fasziniert auch irgendwie. Dann kleben wir wie Kleister an Zeitschriften, die en détail beschreiben, wie die Sabia den Rafael erobert hat oder die Angelina den Brad. Der war noch mit Jennifer Aniston verheiratet, als sein Tête-à-Tête mit Angelina Jolie begann. Angelina stritt noch nach dem Liebes-Outing den Sex ab: "Mit einem verheirateten Mann intim zu sein, könnte ich mir nie verzeihen. Ich fände keinen Mann attraktiv, der seine Frau betrügt.", sagte sie damals in einem Interview. Hat sie wirklich nicht mit Brad Pitt geschlafen, bis er sich trennte?

So funktionieren Männer - Der Sex gibt den Ton an

Das würde die große Lovestory von Brangelina gut erklären. Denn: "Frauen können einen vergebenen Mann eh nur ernsthaft für sich interessieren, wenn seine Beziehung brüchig ist. Will eine Frau diesen Mann ganz für sich, muss sie mit dem Sex warten, bis er sich trennt. Der Sex ist der Preis", sagt Autor und Coach Thomas Lojek ("Gebrauchsanleitung Mann").

In seinen Seminaren sitzen Frauen, die ihre Rolle als Geliebte satt haben und denen Lojek unermüdlich die elementaren Muster erklärt, nach denen Männer funktionieren. Grundsätzlich gilt: Männer kommen durch eine Affäre nicht in den gleichen Gewissenskonflikt wie Frauen. "Wenn ein Mann eine zweite Frau haben kann, nimmt er sie. Das ist für ihn kein Widerspruch zur Liebe.

Im männlichen Verständnis sind zwei Frauen besser als eine oder gar keine", sagt Lojek. Der Mann richtet sich ein. Er weiß, welche Qualitäten er in seiner Ehe schätzt und wie diese durch die Geliebte ergänzt werden. Ganz klar auch die Argumentation, die Männer heranziehen, um sich nicht zu trennen: "Männer brauchen das Gefühl, die Lage unter Kontrolle zu haben. Darum sitzen sie lieber ein kontrolliertes Unglück – die miese Ehe – aus, bevor sie eine neue Beziehung wagen. Von der wissen sie nämlich gar nicht, ob sie am Ende hält, was sie am Anfang verspricht", sagt Lojek.

Was, wenn man bereits Geliebte ist?

Was tun, liebe Geliebte? "Die Leidenschaft anheizen, ohne alles zu geben. Passion und Verlangen treiben den Mann. Und die Aussicht, etwas zu bekommen, was er in seiner aktuellen Beziehung nicht hat.", erklärt Lojek. So unromantisch das auch klingt. "Vor dem Sex ist die Frau eine Versuchung, nach dem Sex ein Problem.", bringt Thomas Lojek es auf den Punkt. Also erst saubere Verhältnisse, dann Sex. Was aber, wenn wir schon seit Jahren heimlich mit ihm ins Bett gehen? Ganz ehrlich: Die Männer, die sich dann aus dem sicheren Rahmen wagen und sich für die Geliebte entscheiden, sind so rar wie limitierte Auflagen von Designer-Handtaschen. Aber es gibt sie. Und wir hoffen immer, ein so seltenes Exemplar zu ergattern.

Die Liebe ist eine Wundertüte. Manchmal verliebt man sich einfach. Aber wir merken, wann uns die heimlichen Küsse und die gestohlenen Stunden in Bars nerven. Ich gebe zu, ich habe Glück gehabt, denn in der Rolle als Geliebte hätte ich mir nicht gefallen. Ich hätte sie wohl auch nicht lange gespielt. Aber das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Am Ende zählt: Wenn die Tage nach Einsamkeit schmecken und die Nächte nach Sehnsucht – spätestens dann müssen wir für uns selbst entscheiden, wenn er es nicht kann. Und das Tolle an uns Frauen ist ja: Haben wir das erkannt, brauchen wir nicht mal drei Tage. Dann sind wir in zwei Sekunden wieder ganz bei uns.

Warum haben wir Lust auf Sex mit einem vergebenen Mann?

Nun stellt sich die Frage, warum wir überhaupt Sex mit einem vergebenen Mann haben. Ganz so pauschal können wir die Frage jedoch nicht beantworten, schließlich ticken wir alle etwas unterschiedlich. Es macht vor allem einen großen Unterschied, ob wir uns bewusst für eine Affäre mit einem vergebenen Mann entscheiden oder ob wir Sex mit einem vergebenen Mann haben, ohne dass wir wussten, dass dieser in festen Händen ist.
Wer sich bewusst dafür entscheidet Sex mit einem vergebenen Mann zu haben, muss damit rechnen, Schuldgefühle zu bekommen, schließlich wird er seine Frau betrügen. Es gibt aber auch einige Frauen, die sich bewusst für eine Affäre mit einem vergebenen Mann entscheiden. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Zum einen geht es dabei einfach nur um Sex. Es gibt keine Beziehungsprobleme keinen Alltagstrott oder sonstiges. Der Sex bleibt jung, frisch und aufregend. Das liegt sicherlich auch daran, dass er heimlich passiert. In der Mittagspause, schnell nach Feierabend oder für ein bis zwei Stunden im Hotel – Sex mit einem vergebenen Mann wird sicherlich nicht langweilig eintönig.
Des Weiteren sind Frauen, die diesen Weg gehen, dem Mann keine Rechenschaft schuldig. Sie bestimmen ihr (Sex-)leben selber und sind völlig frei. Sie müssen sich keinen Kopf darum machen, warum er sich nicht meldet und kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihnen nicht nach Kontakt ist.

Sollten wir die Affäre mit einem vergebenen Mann lieber beenden?

Auch wenn es gerade noch so viel Spaß macht, sollten wir die Affäre mit einem vergebenen Mann auf kurz oder lang lieber beenden. Es gibt kaum Dreiecksbeziehungen, die auf Dauer gut gehen. Jedenfalls nicht, wenn eine Person nicht Bescheid weiß. Eigentlich sollte es nur Sex sein, doch auf einmal haben wir uns in den Mann der Begierde verliebt. Und nun? In den wenigsten Fällen wird der Mann seine Partnerin verlassen. Vor allem dann nicht, wenn er verheiratet ist und Kinder hat. Vielleicht wird er sagen, dass er es vorhat. Doch sich wirklich trennen, tun sich nur wenige Männer. Sollte er es doch tun, kommt das nächste Problem auf uns zu. Können wir ihm jemals zu 100 Prozent vertrauen? Schließlich waren wir auch eine heimliche Affäre und wer sagt uns, dass er uns nicht betrügen wird? Kann unser Partner sich wirklich auf Monogamie einlassen? Trennen wir uns nicht und lassen es einfach weiterlaufen, müssen wir damit rechnen, dass wir entweder erwischt werden, großen Liebeskummer bekommen, er auch uns betrügen wird, wir keine Augen für die wirklich wahre Liebe haben oder uns immer nur als die zweite Wahl fühlen. 

Wird er seine Frau doch für uns verlassen?

Natürlich kann auch die Affäre ein Happy End haben – die Chancen sind jedoch relativ gering. Ob und wann sich ein verheirateter Mann gegen seine Frau und seine Familie entscheiden wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielt zum Beispiel die Ausgangsposition eine wichtige Rolle. Aus welchem Motiv hat der Mann die Affäre mit uns angefangen? Ist er in einer Ehe gefangen, in der sich beide Ehepartner nicht mehr leiden können, sie sich nicht mehr lieben und auch der Sex keine Rolle mehr spielt, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass er seine Familie für uns verlassen wird. Vielleicht braucht er nur den einen wichtigen Grund – uns. Viele Männer handeln aus Bequemlichkeit und trennen sich erst, wenn sie eine neue Partnerin haben. Schließlich steht eine Menge Stress und Ärger bevor. Eine Scheidung ist kein einfacher Prozess und endet häufig im Rosenkrieg. 
Nun stellt sich die Frage, woran wir erkennen können, ob er seine Partnerin für uns verlassen wird. Es gibt ein paar Anzeichen die daraufhin deuten. Sucht er bereits nach Wohnungen für unsere gemeinsame Zukunft oder hat er bereits mit einem Scheidungsanwalt gesprochen, stehen die Zeichen ganz gut, dass er sich trennen wird und das das Betrügen ein Ende hat. Ein weiteres Anzeichen dafür ist, wenn er immer mehr persönliche Dinge bei uns lässt und sich immer mehr in unseren Alltag integriert. 

Datum: 06.12.2019

Autor: Stefanie Lindenberger