Lieben Internet - moderne Romantik

Moderne Romantik? Sieht so aus, dass man sich die Finger auf WhatsApp wundschreibt und alle zwei Sekunden seine Mails checkt. Nun hat der US-Comedian Aziz Ansari einen Ratgeber geschrieben, der Singles weiterhilft. Vom ersten Wisch bei Tinder bis hin zum ersten Kuss – Ansari verrät, wie es Liebe wird.

Die Liebe im Internet finden

Singles aus aller Welt warten auf dich 

Dank des Internets fühlen wir uns mit der ganzen Welt verbunden. Manchmal vergessen wir deshalb darauf zu achten, was direkt vor unserer Nase passiert. Unserer Oma wäre der smarte Mittdreißiger, der gerade gegenüber eingezogen ist, sicher aufgefallen. Ihre Generation musste noch ohne Online-Dating auskommen und suchte sich die Partner deswegen bevorzugt in der Nachbarschaft – auch in Großstädten. Der Vorteil: ähnliches soziales Umfeld und viele Punkte, um anzuknüpfen.

In seinem Buch zitiert Aziz Ansari den Soziologen John Ellsworth Jr. Der schrieb 1948: „Die Menschen gehen so weit wie nötig, um einen Partner zu finden. Aber keinen Schritt weiter.“ Seit Omas Zeiten ist unser Einzugsgebiet jedoch größer geworden. Die meisten Frauen haben eine 24 Stunden am Tag geöffnete Single-Bar namens Tinder oder eDarling in der Handtasche: ihr Smartphone. Damit können sie einen potenziellen Partner aus einer anderen Stadt kennenlernen, während sie in der Jogginghose zu Hause auf dem Sofa sitzen.

Die Folge: Reizüberflutung. Chatten, Mailen, Texten, Swipen – das macht eine zeitlang Spaß. Aber wenn sich die Bekanntschaften nicht weiterentwickeln, wird es ermüdend. „Die Möglichkeiten beim Online-Dating sind scheinbar endlos, und sich da durchzuarbeiten, ist fast, als hätte man einen zweiten Job“, schreibt Aziz Ansari. Während seiner Recherche für „Modern Romance" traf er in einer seiner Fokusgruppen jedoch auf einen jungen Mann, der ein völlig anderes Verhältnis zum Daten hatte. Ohne Online-Kontakte, ganz entspannt. Sein Geheimrezept: Man muss nur möglichst viele Freunde aus unterschiedlichen Umfeldern haben – Job, Sportverein, Chor, Buchclub –, die sich an verschiedenen Orten treffen. Mit den einen verabredet man sich vielleicht zu einer morgendlichen Diskussionsveranstaltung, mit anderen abends zum Bowlen und mit wieder anderen am Wochenende zum Freiwilligendienst in der örtlichen Bibliothek. Eben an all den Orten, wo man fast automatisch neue Leute kennenlernt. Dann klappt es auch ohne Swipen. Nur vom Sofa muss man runter.

Ruf jetzt an

Wir Deutschen verschicken schätzungsweise 73,8 Millionen SMS pro Tag. Wir nutzen auch Messenger-Dienste wie WhatsApp und iMessage und schicken uns Facebooknachrichten. Aber wir telefonieren kaum noch – was zur Folge hat, dass besonders jüngere Männer sich kaum noch zu einem Anruf aufraffen können, schreibt Aziz Ansari. Die Psychologin Sherry Turkle („Reclaiming Conversation“, Penguin Press), eine Expertin im Umgang mit neuen Medien, ist ähnlicher Ansicht. Sie glaubt, dass junge Erwachsene so daran gewöhnt sind, zeitverzögert und mit räumlichem Abstand zu kommunizieren, dass ihnen spontane Gespräche zunehmend schwerfallen.

Klar, das Schreiben hat Vorteile. Man kann sich dem anderen vorsichtig nähern – und die Konversation jederzeit abbrechen, ohne sich groß erklären zu müssen. Dass das manchmal das Beste ist, beweisen Sammlungen von Horror-Anmachen wie denen auf straightwhiteboystexting.tumblr.com: „Deine Haare sind toll. Stehst du auf Analsex?“ schreibt da jemand, der offenbar gar keine Zeit verlieren will.

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