Muttersein – der stressigste Job der Welt Muttersein ist ein unbezahlter Rund-um-die-Uhr-Job

Wir hatten alle ein Leben vor dem Kind – mit Urlaubsgeld und einem Feierabend. Jetzt schuften wir 24 Stunden ohne Lärmschutz bei mieser Bezahlung. Wäre Muttersein ein Job, wir würden kündigen – oder? Julia Heilmann, Autorin des Buches „Kinderkacke“, zieht Resümee.

Stress

Statt sich den gelegentlichen Frust mit dem Kleingemüse einzugestehen und offen darüber zu sprechen, schweigen die meisten Mütter das Thema einfach tot. Jede kennt so eine Supermama, die immer lächelt, alles meistert, völlig glücklich ist und super aussieht dabei. Schwächen gibt keine gerne zu. Wie oft habe ich schon gedacht: Will eine meinen Mama-Job? Ich gebe ihn ab und ziehe weit weg, irgendwo ans Meer. Und eigentlich weiß ich: Die Mama von Lasse denkt das auch gelegentlich. Oder die von Luise.

Ich habe mich geoutet und mit meinem Mann ein Buch darüber geschrieben, wie anstrengend das Leben mit Kindern sein kann. „Kinderkacke“ heißt es. Und alles, was am Muttersein nervt, steht drin. Dass ich oft vor der „Tagesschau“ einschlafe und beim Gedanken an Sex laut aufschreien könnte. Wie sauer ich bin, wenn mein Mann sich morgens noch mal umdreht, während ich für die Jungs das Müsli zusammenrühre. Sonntags gegen Viertel nach sechs. Dass mein Chef mich vergessen hat und ich mich in Runden mit berufstätigen Freundinnen einfach nur minderwertig fühle. Meine Beichte hat wehgetan. Aber sie war auch befreiend. Unser „ehrliches Elternbuch“ stand ein halbes Jahr lang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Doch für einige unserer Leser bin ich einfach eine Totalversagerin. „Ihr Pappnasen hättet euch besser einen Goldfisch angeschafft“, schrieb mir jemand. Frauen hätten doch immer Kinder bekommen, großgezogen und nie gejammert. Wir „Mütter von heute“ aber seien doch bloß „verweichlicht und weichgespült“, meinte ein anderer. Es gibt aber auch viele, die mir nach einer Lesung danken. „Ich konnte hier über Sachen lachen, über die ich zu Hause einfach nur heule“, gesteht eine Frau. Und eine andere sagt: „Ich dachte immer, ich müsse alles im Griff haben, aber das geht doch sowieso nicht.“

Seien wir ehrlich: Muttersein ist ein unbezahlter Rund-um-die-Uhr-Job, bei dem man es mit einem Haufen störrischer Esel zu tun hat. Meine antworten auf eine höfliche Frage meistens mit „Nein!“ Täglich verwüsten sie die Wohnung, und am liebsten blamieren sie mich vor meiner Schwiegermutter. Elternratgeber mahnen dann: Entschieden reagieren, doch niemals mit Wut. Klingt schön. Aber bin ich Iron Woman? Oder Zen-Buddhistin? Beim zehnten „Scheißmama!“ platzt mir der Kragen. Neulich habe ich der vorlauten Bande ein Sofakissen hinterhergeschmissen. Pädagogisch nicht sehr wertvoll.

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