Männer "Maskulisten", fühlen sich als Opfer der Emanzipation Macht der Mann ansich überhaupt noch Sinn

Der moderne Mann schreit auf. Warum? Weil der Kerl von heute ein Opfer der Emanzipation ist, den Frauen mal eben rechts überholt haben. So sehen es zumindest die „Maskulisten“, eine Gruppierung, die gegen die Diskriminierung des Mannes kämpft. Ah ja ...

Die neuen Männer: Maskulisten

Das starke Geschlecht verkörpert beide Seiten der Medaille

Außerdem ist das vermeintlich starke Geschlecht nicht nur an der Spitze, sondern auch am unteren Ende unserer Gesellschaft deutlich überrepräsentiert. Will heißen: Ob Manager, Vorstandsvorsitzender, Obdachloser oder Hilfsarbeiter – all diese Personen sind vorzugsweise Männer. Das ist natürlich nicht schön. Also für die Männer. Vor allem die am unteren Ende. Genauso wie die Tatsache, dass sich viele Frauen nahezu ungestraft über männliche Eigenarten auslassen dürfen. Als ich neulich zusammen mit einer Kollegin lautstark den prallen Bizeps eines Praktikanten bewundert habe, fand ich das irgendwie so „Sex and the City“-mäßig lässig und witzig. Dass er sich von uns ähnlich belästigt fühlen könnte, wie wenn mir ein männlicher Vorgesetzter Komplimente für mein Dekolleté machen würde, habe ich nicht ansatzweise in Betracht gezogen. Irgendwie dürfen Frauen das, oder?

Aber damit ist jetzt Schluss! Denn am Rande der Emanzipation formiert sich eine immer größer werdende Strömung, die gegen die Diskriminierung von Männern kämpft. Sie nennen sich Maskulisten und verfolgen hauptsächlich ein Ziel: den Mann aus seinem Schattendasein zu befreien, zu dem er von den Frauen in den letzten Jahrzehnten zunehmend verdammt wurde. Männergruppen wie der Verein MANNdat weisen auf ihrer Homepage und in Interviews regelmäßig darauf hin, in wie vielen Bereichen das einst starke Geschlecht mittlerweile im Abseits steht. Dabei sind die mangelnde Förderung von Jungen durch die Bildungspolitik oder die einseitige Darstellung von häuslicher Gewalt zu Lasten der Männer nur zwei Beispiele. Von der rechtlichen Schlechterstellung von Vätern und geschiedenen Männern ganz zu schweigen. Im Buchhandel stehen derzeit Neuerscheinungen im Regal mit Titeln wie „Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?“ (Huber, 24,95 Euro) oder „Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann“ (Pantheon, 12,99 Euro). Und worum geht es in diesen Werken? Wäre man böse, würde man sagen, es handle sich um Warmduscher-Gejammer von Männern, die mit starken Frauen einfach nicht klarkommen. Für die Autoren selbst sind es längst überfällige Gedanken und Theorien, die dem Mann von heute helfen sollen, sein modernes Leben zu leben. So erfährt er hier, dass auch Männer karrierefrei leben, mal krank sein und sich sexuell entfalten dürfen. Gut, das sehe ich auch so, ich frage mich nur: Mann, wo ist dein Problem? Tu es einfach!

"Wer mir die Frauen erklären kann, tut mir Leid"

Nachdenklich gemacht hat mich allerdings ein Vorwurf. Der, dass wir Frauen uns mit unserer Emanzipation nur die Rosinen herauspicken. Die Maskulinisten sagen, wir wollten gar keine Gleichberechtigung, sondern Bevorzugung. Das Argument hat es natürlich in sich. Sich immer nur die saftigsten Kuchenstücke auszusuchen und die Krümel zu ignorieren wäre ganz schön fies. Aber machen wir das wirklich? Wenn diese Maskulisten kritisieren, dass wir uns gern (und unemanzpiert) ins Restaurant einladen und die Tür aufhalten lassen, dann müssen alle Männer im Gegenzug auch endlich anfangen, wirklich im Haushalt mitzu- helfen und sich gleichberechtigt an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Dieses ewige „Das ist eben ein wichti- ges Meeting, Schatz!“ oder „Lass mir meine Ruhe, mein Job war heute so stressig“ nervt nämlich mindestens genauso wie verweichlichtes Gefühls- Gejammer! Ich verstehe ja, ihr sucht den Mittelweg zwischen weich und hart. Versucht den Spagat, uns Frauen einerseits nah zu sein, aber anderer- seits kein offenes Buch zu werden. Der österreichische Schriftsteller Gabriel Barylli hat dazu etwas Kluges gesagt: „Wer mir die Frauen erklären kann, tut mir leid ... Diese Restfremdheit ist das, was uns antreibt. Das Geheimnisvolle zwischen Mann und Frau ist, dass sie einander eben nicht verstehen. Die Kunst der Liebe besteht darin, den anderen zu ahnen, ohne zu wissen, wie er wirklich ist.“ Danke dafür.

YVONNE ADAMEK

Schlagworte: