Psychologie, Life, Alkohol, Frauen Alkohol ist mit bestimmten Bildern verknüpft

Manche denken gleich „Droge“, aber ich hab’ doch nur einen harmlosen Prosecco geschlürft! PETRA-Redakteurin Wiebke Borcholte über das spezielle Verhältnis zwischen Frauen und Alkohol

Frauen und Alkohol

Alkohol ist mit bestimmten Bildern verknüpft

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir einem Ideal von „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ hinterherträumen. Man stelle sich vor: Eine Frau steht auf einer Party. Ein attraktiver Kerl kommt vorbei und fragt: „Kann ich dir was zu trinken bringen?“ Die Frau antwortet: „Einen grünen Tee, bitte.“ Geht gar nicht. Denn diese Antwort ist ungefähr so cool, als wäre ihr in dem Moment der Knopf von der zu engen Hose abgeplatzt – und der Charmefaktor der Frau sinkt auf das Niveau eines feuchten Teebeutels. Denn wir verknüpfen Alkohol mit bestimmten Bildern, und schon im Wort „nüchtern“ klingt etwas so sachlich Trockenes mit, dass man sofort einen lustigen bunten Drink darauf schütten und „Shake it, Baby!“ rufen möchte.

Natürlich schlummert in jeder von uns eine Femme Fatale, die ihre langen Wimpern senkt, sich einmal durch das Haar streicht, das Champagnerglas an die blutroten Lippen setzt und dann hinter sich wirft. Oder eine klassische Strandszene: Surfer-Girl klopft sich den Sand von der golden gebräunten Haut – und nimmt einen Schluck eiskaltes Bier aus der Flasche, während die Sonne rot wie eine Cocktailkirsche im Meer versinkt. Aber so romantisch verklärt muss es gar nicht sein. Ich möchte einfach nur mit meinen Freundinnen zusammen sitzen, ein Gläschen trinken und Spaß haben. Erstaunlich, wie fest die Kombination aus „Spaß“ und „angeschickert sein“ in meinem, Hirn verankert ist.

Obwohl ich weiß, dass stets auch der Alkohol mitkichert. Um zu wissen, dass Ethanol, so der chemische Name, gefährlich ist, muss man nicht Amy Winehouse ansehen. Erst galt sie als geniale Schnapsdrossel – doch inzwischen fragen sich alle, wie lange sie durchhält. Dabei kann es fast jeden treffen: 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig, 2,7 Millionen trinken so viel, dass sie als stark gefährdet gelten. 40.000 Alkohol-Tote werden jedes Jahr in Deutschland gezählt, Folgewirkungen wie Verkehrsunfälle noch nicht mitgerechnet. Eine andere Zahl besagt, dass 10 Millionen zumindest ein „problematisches Trinkverhalten“ haben. Wobei ich mich frage, was „problematisch“ bedeuten soll.