Böse Gefühle Frauen hassen und lästern mehr

Es ist so unerklärlich wie die Liebe: Manche Menschen, Lieder oder Looks finden wir von der ersten Sekunde an zum Abgewöhnen. Sabine Reichel über die Frage, warum jeder wen und was anderes hasst.

Frauen lästern

Wie individuell und persönlich Hass auf den ersten Blick ist, zeigen leidenschaftliche Auflistungen, die aufgeregt von jeder einzelnen Freundin übertrumpft werden. Diese starken Gefühle sind völlig irrational, wenn es um Geschmack und Vorlieben geht. Und das ist ja der Sinn. Es ist lustig zu sehen, wer wen hasst. Jemand, der es wagt, Harrison Ford zu hassen (ich, mit großer Leidenschaft) oder George Clooney und Johnny Depp (ich liebe beide), der ist eigentlich reif für einen kurzen Besuch in der Psychiatrie wegen Realitätsverlust, findet die eine. Eine andere Freundin hat sich dafür Katja Riemann, Karl Lagerfeld und Carla Bruni auf ihre Hassliste geschrieben, bei mir sind es Veronica Ferres, Claudia Roth und Sandra Maischberger. Aber die Personen wechseln auch immer wieder. Jahrelange Hassobjekte waren für mich Calista Flockhart aus „Ally McBeal“ sowie Céline Dion und das „Titanic“-Lied. Heute sind mir beide egal. Ich mochte einst Madonna sehr, die „neue“, völlig verbotoxte Madonna erzeugt nur Gruseln.

Aber es bleibt nicht bei Personen. Es gibt ganze TV-Serien, bestimmte Kleidungsstücke, ja sogar Phrasen, bei denen irgendetwas mit einem durchgeht. Ich hasse „Cindy aus Marzahn“ und „Die Kochprofis“. Wirklich. Ich kenne sogar jemanden, der die Mainzelmännchen aus tiefstem Herzen hasst. Bei mir provozieren Männer mit braun gefärbtem Haar und grauen Koteletten Mordgelüste. Und ich habe mich beinahe mit einer Freundin in die Haare gekriegt, weil sie eine ungesunde Leidenschaft für Hängerchen über Skinny Jeans entwickelt hat und damit wie ein verunglückter Teenie aussieht.

Oft ist es auch so, dass der aufflackernde Hass auf bestimmte Menschen ganz einfach nur an Dinge erinnert, die leider sehr unangenehme Rollen in unserem Leben gespielt haben. War es nicht die gemeine Petze Doris Kretschmann aus der 7. Klasse, an die uns Paris Hilton erinnert? Auch Neid kreiert einen gewissen Hass. Zu reiche Menschen, die dafür nicht mal hart arbeiten müssen, wie Tom Cruise, seine Katie Holmes und die überdrehte Göre Suri schüren das Hasspotenzial. Und doch: Erstaunlicherweise scheint es Leute zu geben, die jeder liebt – Helen Mirren, Meryl Streep, die Queen, Tierbabys, die Beatles, und – die Welt ist ein Mysterium – scheinbar auch Günther Jauch – den ich wirklich hasse!

SO IST DASS ...
Evolutionsbiologen haben schon lange herausgefunden, dass Lästern und Klatsch soziale Beziehungen stärken, Vertrauen schaffen und Stress abbauen. Laut Studien dauern 64 Prozent der Telefonate mit Freundinnen länger als 30 Minuten. Bei Männern sind es nur 32 Prozent. Wir wussten es: Frauen hassen und lästern mehr.

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