Report Marlene, Merle und Nina über ihre Lieblingskleider

Na klar stehen wir auf die Luxusteile von Prada, Chanel oder Louis Vuitton. Doch nicht mal sie würden wir gegen dieses eine tauschen: das Kleid, an dem kein Label, sondern eine unvergessliche Erinnerung hängt. Sieben Frauen über den wahren Wert ihres Lieblingsstücks.

Frau im Brautkleid

MARLENE (29 Jahre, Wirtschaftsfachwirtin)

Eine tröstende, luftig leichte Sommerliebe

„Trägerlos, beige mit großen grünen und orangefarbenen Blumen, schmaler Gürtel, luftig leicht, chic und mädchenhaft zugleich – so sah meine Begleitung durch die schlimmste Trennung meines Lebens aus. Vergangenen Sommer verließ mich mein Freund nach drei Jahren für eine andere Frau. Auf einmal saß ich alleine da in unserem großen Haus. Doch meine Familie und mein engster Bekanntenkreis fingen mich auf, sorgten dafür, dass ich mich nicht verkroch und vereinsamte. Beim Shopping- Bummel mit Freundinnen verliebte ich mich in dieses beschwingte Blümchenkleid. Ich trug es gleich auf der nächsten Party – und fühlte mich nach Monaten endlich wieder gut. Das Kleid hatte mir meine Lebensfreude zurückgegeben. Gerade war ich in Portugal im Urlaub, mit meinem Lieblingsstück im Gepäck. Ich hatte es an, als ich in einer Strandbar jemanden kennenlernte. Wir treffen uns in vier Wochen wieder. Mal sehen, ob es mir noch mal Glück bringt...“

 

MERLE (33 Jahre, Werbekauffrau und Sängerin)

Der lilafarbene Stoff, aus dem die Freiheit ist

„Knapp 40 Euro hat das wichtigste Kleid gekostet, das ich je besaß. Dunkellila mit Pünktchen, figurbetont, 50er-Jahre-Stil. Leider ist es aus Polyester, und daher trage ich es nur noch selten. Aber darauf kommt es nicht an, denn es steht für ein Lebensgefühl und eine besondere Geschichte, die sich vor zwei Jahren ereignete. Ich war mit meiner damaligen Band vor dem Aus, und auch privat lief es nicht gut. Kurz vor einem unserer letzten Gigs rief mich eine Clubbekanntschaft an, die ich leider aus den Augen verloren hatte. Wir spürten sofort wieder, dass wir auf einer Wellenlänge lagen, und verabredeten uns fürs Wochenende. Ich war euphorisch, in mir löste sich ein Knoten. Ich wusste, dass ich neue Wege gehen, mich von meiner Band trennen und neu verlieben konnte. Die Leichtigkeit, die ich an dem Abend fühlte, werde ich nie vergessen. Als ich auf die Bühne ging, gab ich noch mal alles. Ich flog förmlich, und mein bezauberndes Outfit flog mit. Die Band hat sich danach aufgelöst. Mit dem Mann bin ich noch heute zusammen. Und mein Kleid der Freiheit hat auf ewig einen Ehrenplatz in meinem Schrank.“

 

NINA (30 Jahre, Physiotherapeutin)

Wenn aus den Kleinen große Stars werden...

„Mein Lieblingskleid aus Sandkastentagen habe ich noch immer. Damals hatte die Patentante meiner Zwillingsschwester jeder von uns etwas Hübsches zur Taufe unseres Bruders genäht. Zuckersüß sahen wir darin aus, fanden die Verwandten. Das denken auch meine Schwester und ich, wenn wir uns die Fotos von früher angucken. Ihr Kleid war blau mit weißen Enten, meins weiß mit blauen Enten. Früher hatte es noch einen weißen Rüschenkragen und weiße lange Puffärmel. Nur nicht bekleckern, war die Devise. Schließlich handelte es sich um mein feines Prinzessinnenkleid. Noch heute ziehe ich Kleider nur zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten an. Und wenn ich mal ein Kind habe, darf es natürlich auch das Entchenkleid tragen. Denn man fühlt sich ganz groß darin und steht bei jeder Familienfeier im Mittelpunkt.“