Job Das Geheimnis des weiblichen Erfolgs

Wir sind die besseren Teamplayer und Networker, Multi-Tasker – und in vielen anderen Dingen den Männern überlegen. Warum sitzen wir dann so selten in Führungspositionen? Weil wir unsere Potenziale nicht richtig nutzen. Ein persönlicher Trainingsplan für den Sprint an die Spitze.

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Karrieremäßig haben wir alle irgendwie den Dornröschen-Komplex: Wir warten, dass uns endlich jemand wachküsst. Einer, der merkt, was wirklich in uns steckt. Du kennst das doch: Du sitzt in der Konferenz, hast Ideen, Vorschläge, kluge Gedanken – und sagst kein einziges Wort. Während der Kollege neben dir mit nervtötender Langatmigkeit die Argumente seiner Vorredner noch einmal herunterbetet. Oder: Du hast ein Projekt super abgeschlossen. Hebst du nun stolz den Finger und rufst laut „Ich war’s“? Nein,  du sagst sittsam zurückhaltend: „Eigentlich war’s gar nicht so schwierig“. Drittes Beispiel: Dir hat gerade ein Kollege eine tolle Idee geklaut, und was tust du? Nimmst du dir den Kerl zur Brust? Nein, du seufst tief, beklagst dich bei deiner besten Freundin und wartest darauf, dass deine Spitzenqualitäten beim nächsten Mal bemerkt werden. Sorry, aber das wird vermutlich nie geschehen. Wir müssen uns schon selber wachküssen. Und das sollten wir möglichst bald tun. Denn: „Den Frauen gehört die Zukunft. Sie haben alle Eigenschaften, die nötig sind, um Spitze zu sein“, meint die Frankfurter Business-Trainerin Claudia Enkelmann. „Sie müssen nur ins Rampenlicht treten und rufen: ,Hey, ich will mitspielen‘, statt sich selbst dauernd zu sabotieren.“

Tatsächlich: Obwohl wir heutzutage eigentlich überall mitmischen, Fußballweltmeisterschaften gewinnen, Baukräne lenken und Trekking-Touren leiten – an der Spitze von Unternehmen sind Frauen selten zu finden. Deutschland ist, was Managerinnen angeht, sogar das Schlusslicht in Europa. Nur 3,7 Prozent besetzen Top- Positionen in der Wirtschaft.

Selbst in traditionellen Macho-Ländern wie Griechenland oder Italien sind mehr Frauen in Führungsjobs. Anderes Beispiel: Hauptabteilungsleiterstellen – sie sind in Deutschland nur zu 2,1 Prozent von Frauen besetzt. Oder Verkaufsleiter im Supermarkt, Abteilungsleiter einer Behörde: schlappe elf Prozent. Kein Vergleich zu den USA, wo der Frauenanteil im Management inzwischen auf 46 Prozent gestiegen ist.

Woran liegt das nur? Die amerikanische Business-Trainerin Carol Gallagher meint, dass Frauen zu perfektionistisch sind und überall Expertinnen sein wollen (siehe unser Interview unten). Erfolgs-Autorin Claudia Enkelmann macht dafür auch ein besonders fieses, kleines Haustier verantwortlich, das jede Frau bei sich trägt: „Es heißt Kritikmonster und springt uns sofort an, wenn irgendetwas schief läuft.“ Stürzt der PC ab, denkt jede Frau: „Was habe ich jetzt falsch gemacht?“ Jeder Mann würde sagen: „Das blöde Ding, wo ist der Techniker?“ Dabei könnten wir es so leicht haben. Schließlich hat uns die Natur reichlich mit Eigenschaften ausgestattet, die Erfolg garantieren: mit typisch weiblichen Eigenschaften, die Männer einfach nicht in dem Maße besitzen.

DIE SECHS POWER-TALENTE, DIE FRAUEN UNSCHLAGBAR MACHEN:

1] FRAUEN INTERESSIEREN SICH FÜR MENSCHEN

Egal, ob die Kollegin sich getrennt hat, der Chef seit kurzem schlecht gelaunt ist, der Lieferant neulich eine leichte Fahne hatte – Frauen registrieren einfach alles. „Sie sind ein lebendiges Frühwarnsystem, wenn’s um Atmosphärisches und um die Stimmung im Betrieb geht“, meint Sabine Asgodom, Bestseller-Autorin und leidenschaftliche Coaching-Frau. Und: Frauen können sich gut in andere Menschen hineinversetzen. Sie möchten, dass es ihren Mitarbeitern, Kunden und Kollegen gut geht. Und das motiviert alle! Beziehungsmanagement nennt man das heute. Frauen konnten es schon immer, aber heute ist das eine unverzichtbare Qualifikation.

2] FRAUEN SIND DIE GEBORENEN MANAGERINNEN

Sie laden gern Gäste ein, kreieren ausgefallene Sushi oder ein Antipasti-Büfett. Kalkulieren die Zutaten, die Kosten, machen eine To-do-Liste und plaudern freundlich mit den ersten Ankömmlingen, während sie rasch im Kopf überschlagen, um wie viel Uhr sie den Ofen für die Nachspeise vorheizen müssen... Das nennt man Erfahrung bei der Einteilung von Ressourcen und Energien. Jede Familienmanagerin, früher Hausfrau genannt, bringt dazu Kenntnisse mit, die sich durchaus mit Abschlüssen von Business-Schools messen können.

3] FRAUENKNÜPFENGERNKONTAKTE

„Networking“ heißt das auf Neudeutsch. Wir plaudern, machen es uns gemütlich. Und wollen nicht wie Männer so schnell wie möglich erfahren, welche Position der andere hat oder wie machtvoll er ist. Wir wollen uns vor allem austauschen. Deshalb funktionieren weibliche Netzwerke auch ganz anders als männliche: Männer achten darauf, wie nützlich jemand ist und zücken nach drei Minuten ihre Visitenkarte. Frauen reden über Inhalte oder einfach, um sich kennen zu lernen.

4] FRAUEN ARBEITEN GERN IM TEAM

Denn sie lieben Beziehungen und Zusammenarbeit. Während Männer Einzelkämpfer sind. Oder sich eine Lobby schaffen. Das tun Frauen meistens nicht. Sie wollen von allen gelobt und gemocht werden, vom Rezeptionisten über den Praktikanten bis zum Chef. Sie wollen sich mit allen gut verstehen und Vollgas auf allen Ebenen geben. Eine Studie zeigt: Während Männer 60 Prozent ihrer Arbeitszeit damit verbringen, ihren Status zu verbessern, interessiert das Frauen gar nicht. Neuer Firmenwagen? Überflüssig. Büro mit Rundumverglasung? Unwichtig! Für Frauen ist ein gutes Betriebsklima ausschlaggebend – und dass sie es im Job mit kompetenten Leuten zu tun haben.

5] FRAUEN KÖNNEN VIELE DINGE GLEICHZEITIG TUN

Post durchsehen, Kaffee trinken und dabei die aufgeregte Freundin am Telefon beruhigen? „Multi-Tasking“ heißt diese typisch weibliche Erfolgseigenschaft. Unverzichtbar in einer Wirtschaft, die immer komplexer wird.

6] FRAUEN HABEN MUT ZUR VERÄNDERUNG

Sie wollen sogar Verbesserungen. Sind Sie nicht auch neulich vom High-Heel-Look auf Retro-Sneakers umgestiegen? Sehen Sie nicht, was in Ihrer Freundin noch alles drin steckt und würden es am liebsten hervorholen? Verändern, Fördern und Verbessern liegt Frauen im Blut. Männer dagegen lassen lieber alles, wie es ist. Und zwar so lange, wie es funktioniert. Deshalb sind es auch eher Frauen, die Partnerschaften beenden, obwohl beide merken, dass es nicht mehr richtig läuft. Leben Sie Ihre Veränderungslust deshalb auch im Betrieb aus! Chefs finden das klasse. „Es wird wirklich Zeit, dass Frauen merken, wie genial sie auf die Veränderungen vorbereitet sind, die wir heute im Geschäftsleben erleben“, sagt Claudia Enkelmann. Denn Härte, Aggressivität und unbedingter Siegeswille haben ausgedient. Gefragt sind stattdessen Visionen, Flexibilität und Beziehungsfähigkeit. Männer sind deswegen trotzdem kein Auslaufmodell – ein wenig können wir uns schon von ihnen abgucken. Denn:

• Männer probieren gern aus, wer der Stärkere ist. Pokern um Gehalt, kämpfen für ihr Image. Und sie sind nicht gleich beleidigt, wenn sie mal verlieren. Das gehört für sie zum Spiel.

• Männer haben keine Scheu, ihre Talente und Fähigkeiten zur Schau zu stellen. Oder Herausforderungen anzunehmen. Deshalb: „Suchen Sie sich jemanden, der diese Spielregeln des Business aus dem Effeff beherrscht“, rät Claudia Enkelmann. Am besten eine erfahrene Mentorin. Die küsst Sie vielleicht nicht wach, aber sie kann Ihnen Mut machen, damit Sie endlich lernen, an sich zu glauben.

COACHE DICH SELBST: DREI SCHRITTE ZUM ERFOLG

Neben deinem weiblichen Power-Potenzial besitzt du auch viele persönliche Fähigkeiten. Und so kannst du diese entdecken und fördern:

SCHRITT 1: MACH DIR DEINE FÄHIGKEITEN BEWUSST

Dabei hilft eine lange Liste mit deinen Stärken, die du am besten zusammen mit einer Freundin aufstellst. Denn die weiß manchmal besser, was dir wirklich liegt oder was dir vielleicht noch gar nicht aufgefallen ist. Zum Beispiel „ich habe ständig Ideen, was man noch verbessern kann“, „ich arbeite besonders schnell und organisiere sehr gut“, „ich kann schwierige Themen gut vermitteln“, „ich habe eine ausgleichende, diplomatische Art“, „ich helfe gern Schwächeren“, „ich kann hartnäckig sein“ etc. Schreib alle Eigenschaften auf ein Blatt Papier. Na? Eine ganze Menge, nicht wahr? Vielleicht wird dir auch schon deutlich, für welche Aufgaben und Jobs bzw. welche Branche diese Eigenschaften ein unschätzbares Kapital darstellen.

SCHRITT 2: WIE DU VERBORGENE TALENTE FINDEST

Erfolgsmenschen erleben ihr Tun als „Glück“ – sie können so in eine Sache „hineinfallen“, dass sie alles um sich herum vergessen. Solche Momente weisen den Weg zu deinen Talenten.

1. Überlege, wann du zum letzten Mal in etwas vollkommen aufgegangen sind (z.B. einer bestimmten Aufgabe).

2. Was genau hat zu dieser Selbstvergessenheit geführt?

3. Welche oben aufgelisteten Fähigkeiten waren dabei im Spiel?

4. Wie kannst du diese Talente beruflich nutzen?

SCHRITT 3: SELBST-MARKETING OHNE ZURÜCKHALTUNG!

Du bist schon oft in deinem Leben erfolgreich gewesen – erinnere dich daran!

1. Stöber in deiner Vergangenheit nach Erfolgen, gelösten Problemen, egal, ob groß oder klein. Schreib alles auf.

2. Beschreibe in Stichpunkten ein Beispiel genauer:

• Was war die Aufgabe, die Herausforderung?

• Wie bin ich an die Sache herangegangen?

• Wie war das Ergebnis?

• Wie habe ich mich hinterher gefühlt?

• Welche der sechs typisch weiblichen Erfolgsfaktoren haben dabei eine Rolle gespielt?

3. Erzähle von deinem Erfolg zunächst laut vor dem Spiegel. Später kannst du das dann auch ruhig mal vor einem Vorgesetzten tun. Wenn du wirklich etwas geleistet haben – sei es eine kleine Veränderung im Ablagesystem oder ein erfolgreicher Geschäftsabschluss – sollen die anderen es ruhig erfahren.

4. Denke zukünftig daran: Diese Erfolgsfaktoren trägst du in dir, das darfst du gelegentlich ruhig nach außen tragen!

„WIR MÜSSEN NICHT IMMER PERFEKT SEIN!“

Frauen gehört die Zukunft, sagen die Trendforscher. Aber warum sind wir selbst die letzten, die das merken? Wir fragten Carol Gallagher, Top- Business-Trainerin, Bestseller-Autorin und Gründerin des Netzwerks „Executive Women's Alliance“.

PETRA: Warum sind immer noch so wenig Frauen in Führungspositionen, wenn sie doch die besten Qualifikationen haben?

Carol Gallagher: Das liegt an einem kleinen, aber folgenschweren Fehler in unserem inneren Programm. Wir denken immer, wir sind noch nicht gut genug. Deshalb trauen wir uns auch nicht, Gelegenheiten beim Schopf zu greifen.

Machen Männer das anders?

Ja, allerdings. Sie haben mehr Selbstvertrauen. Nach einer neuen Studie glauben 46 % der weiblichen höheren Angestellten, sie müssten Expertinnen auf ihrem Gebiet sein, aber nur 17 % der Männer.

Mal wieder von den Männern lernen?

Nein, im Gegenteil. Wir sollten uns stattdessen klar machen, wo unsere weiblichen Stärken liegen, und diese auch einsetzen. Vor allem sollten wir aufhören, alles selbst können zu wollen. Schließlich kann man Leute einstellen oder ein gutes Team bilden. Und mehr Mut zum Risiko: Wenn wir ein gutes Angebot bekommen, sollten wir ruhig annehmen.

Kann das nicht auch ins Auge gehen?

Sicher, aber Fehler gehören dazu. Und da Frauen ihre Aufgabe stets wirklich gut machen wollen, ist das schon fast ein Garantiefaktor für ihren Erfolg. Wichtig sind auch gute Netzwerke. Dort wird einem Mut gemacht, wenn man anfängt, an sich zu zweifeln, man kann sich Rat holen und Kontakte knüpfen.

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