11. Juni 2012
Frühjahrsputz für die Liebe

Frühjahrsputz für die Liebe

Ein bisschen Staub hier, etwas Rost dort … Wenn die Sonne scheint, offenbaren sich oft Macken, die man monatelang übersehen hat. In unserem Reinigungsplan für Singles, Frischverliebte und Langzeitpaare lesen Sie, wie man alte Beziehungsmuster entsorgt und wieder frischen Wind in die Liebe bringt. Hier kommen 12 Wege, damit wir alle glücklich in den Sommer starten. 

Liebe auffrischen
© istockphoto
Liebe auffrischen

TIPP 1: DURCHWISCHEN

Single

Mit dem Singledasein ist es ein bisschen so wie mit der eigenen Wohnung. Irgendwann hat man es sich darin so gemütlich gemacht, dass jede Veränderung eher irritiert, als Vorfreude oder Neugier auszulösen. Ab und zu wird zwar noch um das ein oder andere Möbelstück drumherumgeputzt, aber die Krümel darunter und dahinter bleiben, wo sie sind. Sieht ja schließlich keiner. Das mag sein, aber Sie wissen immerhin noch, dass sie da sind. Und dieses Wissen kann ganz schön hinderlich sein, wenn man neue Leute kennenlernen will. Das fängt schon ganz pragmatisch in den eigenen vier Wänden an, wenn man kaum noch Besuch empfängt, weil man einfach keine Lust zum Aufräumen hat. Oder lieber allein in Jogginghose auf der Couch vorm Laptop hängt, als im Club mit netten Kerlen zu flirten. Also, nix wie ran an den Mopp und mal ordentlich die Bude durchfeudeln! Und beim Blick auf die glänzenden Oberflächen können Sie auch gleich mal genauer hinsehen. Wer schaut Ihnen da eigentlich entgegen? Sind Sie zufrieden mit dem Anblick oder besteht irgendwo noch etwas Optimierungsbedarf? Wenn ja, dann machen Sie mit dem Frühjahrsputz gleich bei sich selbst weiter. Buchen Sie einen Friseurtermin, gehen Sie zur Kosmetikerin – oder einfach mal einen ganzen Nachmittag zum Shoppen in die Stadt. Das wird Sie ganz schnell wieder näher zu sich selbst, aber auch zu anderen bringen.

Neu verliebt

Hopp, hopp, raus aus den Federn! Es hat ja jeder vollstes Verständnis dafür, dass Sie die letzten Wochen vorwiegend zu zweit im Bett verbracht haben, aber jetzt ist es mal an der Zeit, auch das restliche Leben wieder auf Vordermann zu bringen. Hobbys, Freunde, Ego – es ist sicher eine ganze Menge eingestaubt, was jetzt schön blank geschrubbt werden will. Denn ein erfülltes Sex- und Beziehungsleben hängt stark von einem ordentlich gepflegten Selbstbewusstsein, Lebensfreude und einem gewissen Grad an Unabhängigkeit ab. Zeit also, das Rosa ein bisschen von der Brille zu wischen und den Blick wieder auf anderes zu richten. Tun Sie etwas für sich, treffen Sie Ihre Freunde auch mal allein und machen Sie nicht alles im Zweierpack, das kann Ihr Umfeld sonst irgendwann nerven. Natürlich dürfen Sie gemeinsame Hobbys entwickeln oder Ihren ersten gemeinsamen Urlaub planen. Hauptsache, Sie geben sich für die Beziehung nicht völlig auf.

Schon ewig zusammen

Ja, ja, die lieben Gewohnheiten, wie feiner Staub legen sie sich auf die Leidenschaft. Und je mehr man ihn ignoriert, desto dicker werden die Schichten. Manchmal hilft da nur ein ordentliches Reinemach- Programm, um die Krusten der Zeit wieder zu entfernen. Der beste Allzweckreiniger heißt übrigens Spontanität: Schütteln Sie Routine und Alltagsfrust einfach ab. Heute Kino, morgen ein Picknick und übermorgen Marathonsex – warum denn eigentlich nicht? Viele Sexualtherapeuten raten Langzeitpaaren sogar dazu, sich fest zum Sex zu verabreden. Das mag sich am Anfang komisch anfühlen, macht aber garantiert Appetit auf mehr. Experimentierfreudige können zusätzlich noch Rollenspiele oder erotische Spielzeuge mit in ihr Liebesspiel einbauen. Am Ende sind es nämlich solche kleinen Veränderungen in der Routine, die Ihnen dabei helfen, sich und Ihren Partner wieder mit neuen Augen zu sehen. Was vor einigen Tagen noch ein bisschen angekrustet wirkte, erstrahlt jetzt plötzlich in einem neuen Glanz, in dem sich nicht nur die Zukunft Ihrer Partnerschaft widerspiegelt, sondern auch deren Vergangenheit. Endlich können Sie wieder sehen, warum Sie sich damals ineinander verliebt haben. Vielleicht kommt damit sogar das Prickeln zurück …

TIPP 2: ENTRÜMPELN

Single

Hauptgewinn? Sie denken mal wieder, er sei der perfekte Mann – aber dann sind da die Ansprüche, die Sie im Kopf haben. Und dieser undefinierbare Farbklecks von Tattoo auf seinem Oberarm oder die fünf Minuten Verspätung bei jedem Date können die größte Hoffnung zunichte machen. Die Erwartungen an Mr. Right stehen uns bei der Partnersuche oft im Weg oder lassen uns zurück in den Qualen der Enttäuschung, wenn sich der vermeintliche Hauptgewinn als Niete entpuppt. Hinzu kommt, dass der perfekte Partner keinesfalls eine perfekte Beziehung garantiert. Es ist vielmehr die Art, wie wir einander als unperfekte Menschen in der Liebe begegnen, sagt Single-Coach und Autor Holger Lendt („Treue ist auch keine Lösung“, Piper, 17,99 €). Zu viele Vorurteile und zu hohe An - sprüche können Sie bei der Partnerwahl schnell auf die falsche Fährte führen. Werfen Sie Ihre Erwartungshaltung getrost auf den Müll, denn wer mal ein Auge zudrückt, wird häufig angenehm überrascht …

Neu verliebt

Ihr Plan ist ein romantischer Abend, bis Sie das Unheil lautstark auf sich zukommen hören. Ihr Freund hat spontan eine halbe Fußballmannschaft zum – genau – Fußballgucken eingeladen. In Sekundenschnelle rast die Ziellinie des Romantikmarathons, den Sie die letzten Monate durchlaufen haben, auf Sie zu. Es gibt ein Leben nach dem Frisch-verliebt-Sein, und das bedeutet: harte Arbeit. Denken Sie in diesem Moment nicht daran, dass Ihr Exfreund Ihnen niemals eine biertrinkende Meute ins Haus geschleppt hätte, sondern entsorgen Sie Ihre letzte Beziehung gedanklich und stellen Sie sich auf die neue ein. Experten sind sich einig, dass Kompromissbereitschaft ein wichtiger Beziehungsbestandteil ist, solange beide Partner mit dieser Art von Problemlösung zufrieden sind. Nehmen Sie kleine Abstriche in Kauf, solange Sie diese nicht unglücklich machen. Fußball gucken ist bestimmt das kleinere Übel – zum Trost gibt’s schöne Männer.

Schon ewig zusammen

Es glänzt, es strahlt, es duftet – die Mission Frühjahrsputz scheint abgeschlossen, aber nach den frisch polierten Oberflächen warten bislang „unsichtbare“ Chaosregionen auf Sie: verwilderte Kleiderschränke, vollgestopfte Regale und die schicken Dekoboxen, die einem schnell zum Verhängnis werden, wenn man einmal damit beginnt, sie mit Krimskrams zu füttern. Misten Sie konsequent aus und schnappen Sie sich dafür Ihren Partner als Verstärkung. Denn eine solche Entrümpelungsaktion gleicht schnell einer kleinen Zeitreise. Ob es der verwaschene Pulli ist, den er beim ersten Date getragen hat, oder die Tickets vom Konzertbesuch letzten Sommer – es sind die unscheinbarsten Dinge, die wertvolle Erinnerungen mit sich bringen und das gemeinsame Aufräumen zu etwas ganz Besonderem machen.

Single

Da sitzen Sie nun, irgendwie in den besten Jahren, und mal wieder – oder immer noch – allein. Klar, kann man jetzt auf die eigenen Wunden schauen. Den riesigen Riss im Herzen, den Thomas hinterließ, als er so einfach nach München zog. Oder das kratergroße Loch von Michael, der keine Kinder wollte. Und mit der Nächsten nach einem Jahr sch0n Zwillinge bekam. Zurück bringt das keinen. Lüften Sie Ihren Kopf mal durch. Versuchen Sie, die alten Verletzungen hinauszupusten und neue Gedanken hineinzulassen. Denkmuster zum Beispiel, wie US-Erfolgsautor John Selby („Die Liebe finden“, dtv, 15 €) sie vorschlägt. Der ist nämlich sicher, dass wir unser Single-Sein auf der mentalen Ebene beenden können. Allein durch Ändern unserer Einstellung. Glauben Sie nicht? Dann denken Sie mal an die Freundin, die ihre große Liebe just traf, als sie eine Woche später zum Sabbatical-Jahr nach Brasilien startete. John Selby favorisiert die folgenden Tipps: Sich um sich selbst kümmern, um Zufriedenheit auszustrahlen. Denn nicht mal Feinrippriesenschlüpfer sind weniger sexy als Bedürftigkeit. Mehr mit dem Herzen sehen, nicht nur mit dem Verstand. Sich auch mal fragen, in wessen Gegenwart fühle ich mich wirklich wohl. Probieren Sie es aus. Wir kennen Frauen, bei denen hat ein einziger Tipp schon gewirkt …

Neu verliebt

In den vergangenen Monaten klebten Ihre Augen an seinen Lippen und Ihr Mund wahlweise kurz unter seinem Bauchnabel oder hinter seinem Ohrläppchen. Das Schlafzimmer verließen Sie nicht mal zum Abendessen. Und Ihre beste Freundin versteht ja so einiges, aber tief drinnen ist sie stocksauer, weil sie seit Wochen vergeblich auf ein Lebenszeichen von Ihnen wartet. All das erdrückt Sie noch nicht? Sollte es aber. Wenn Sie es wirklich ernst mit dem Mann meinen, müssen Sie einander auch Luft lassen. Und anderen Menschen auch wieder Platz in Ihrem Leben. Die Statistik sagt , Ehepaare, die Freunde haben, lassen sich seltener scheiden. Sie leben nämlich ziemlich gut und glücklich von Liebe, Luft und Freundschaft!

Schon ewig zusammen

Ihr Magen rebelliert auch nach 15 Jahren noch, wenn er beim Blick auf Ihren winzigen Bauch zärtlich „mein Plautzi“ sagt. Sie haben aber irgendwie den Zeitpunkt verpasst, an dem Sie leise und sanft Kritik hätten üben können. Und nun leben Sie eben damit. Stopp. Das ist schleichender Beziehungsmord. Er kann lange dauern, aber er ist wirksam. Besser, Sie machen sich Luft. So klein und unbedeutend die Dinge scheinen mögen (die Puschen mitten im Flur, der winzige Tick zu laut, den er immer den Fernseher stellt, wenn Fußball läuft …). Sprechen Sie diese Liebeskiller an, ganz gleich, wie lange Sie das alles so hingenommen haben. Es ist nie zu spät, Muster in der Partnerschaft zu kritisieren und zu ändern. US-Paarforscher John Gottmann weiß sogar, wie man liebesfördernd kritisiert. Glückliche Langzeitpaare beherrschen die 1 : 5-Regel. Will heißen: Sie geben sich fünfmal mehr positive Signale als negative. Also, Puschen im Flur endlich mal scharf kritisieren machen Sie wieder gut mit: fragen nach dem Tag und der Laune, zweimal zärtlich über den Arm streichen und sagen, dass er den Rasen wirklich toll gemäht hat. Achten Sie mal eine Woche drauf und probieren Sie es aus. Es ist echt erfrischend!

TIPP 4: POLIEREN

Single

Wann werden Singles wunderlich? Wann entwickelt man diese Bitterkeit, die manchmal hochblubbert? Wann sagte man das erste Mal, es gebe keine guten Männer mehr? Bah, so wollte man nie werden, eine alte Jungfer – naja, vielleicht nicht gerade Jungfer …, aber so eine verbiesterte Schachtel. Da hilft nur eins: Das eigene Image aufpolieren. Das hat nichts mit schicken Klamotten zu tun, ist keine Frage der Frisur oder der Falten. Das perfekte Putzmittel für das eigene Image heißt: leicht verstrahlte Zufriedenheit. Die bekommt man in zwei Putzgängen. Erster Schritt: Vergessen Sie die übliche „Ich bin auch ohne Kerl total froh“-Masche. Das mag Sie selbst auf den ersten Blick wie ein Schneckenhaus schützen, schreckt aber garantiert jeden Mann ab. Zweiter Putzgang: Sich selbst zum Strahlen bringen. Denken Sie nach, in welcher Situation Sie das letzte Mal so richtig froh waren. Welcher Moment war das? Gutes Gefühl? Fein. Halten Sie es ganz fest und versuchen Sie, dieses Poliermittel möglichst oft aufzutragen. Im Stau. In der Kassenschlange. An der Tanke. Bestimmt strahlt einer zurück.

Neu verliebt

So eine Politur ist eine gute Sache: Hinterher sieht man klarer, und in dem Glanz kann man sich prima eine Weile sonnen. Deswegen ist es wichtig, in dieser Phase die Weichen für die Zukunft zu stellen und sich zum Beispiel zu fragen, für wen man mit dem anderen zusammen ist. Damit die Mutti nicht mehr fragt, wann sie endlich Omi wird? Damit man bei Hochzeiten nicht mehr am Katzentisch sitzen muss? Und mit Blick auf die letzte Beziehung: Welche Fehler wollen Sie nie mehr machen? Welche leichten Schlieren sind jetzt schon erkennbar, die später zu Sondermüll mutieren? Denn auch bei Partnerschaften gilt: Lieber zu früh geputzt, als zu spät entsorgt.

Schon ewig zusammen

Her mit dem Lappen, ran an die Beziehung! Ja, auch lange Partnerschaften lassen sich aufpolieren. Man muss nur wissen, wo man hinschauen soll. Der erste Blick gilt dem eigenen Outfit. Was muten Sie dem Mann Ihres Herzens zu? Gurkenmaske mit Jogger? Weg damit. Liebe macht nicht blind. Zweiter Blick: Wie oft fassen Sie sich an? Barbara L. Fredrickson schreibt in ihrem Buch „Die Macht der guten Gefühle“ (Campus, 22,99 €): „Durch häufigen, engen Körperkontakt geht Ihnen die Liebe buchstäblich unter die Haut und macht Sie gesünder.“ Dabei geht es nicht (nur) um Sex, sondern auch um zarte Berührungen. Der dritte Blick gilt der Kommunikation. Reden Sie miteinander nur über Geld und Arbeit? Dann wird es Zeit für ein neues Thema – und vielleicht auch für eine neue Wortwahl. Gerade Jungeltern sollten aufpassen, nicht im „Mutti will auch ein Brot“- Modus zu verharren. Anstrengend? Jein. Leider ist die Liebe nicht selbstreinigend. Sie will gewischt, gelüftet und auf Hochglanz gebracht werden. Aber dann schimmert sie wie neu.

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