Babywunsch Balance zwischen Frausein und Mutterrolle

Machen Kinder das Leben erst vollständig – oder nur unnötig kompliziert? Wohl beides… Ein ganz ehrlicher Report, nicht nur für Unentschlossene – sondern auch für Mütter.

Kinder machen glücklich

Also sollte man sich lieber damit auseinandersetzen, ob die wissenschaftlich belegte Eltern-Unzufriedenheit tatsächlich unvermeidbar ist. Das ist sie nämlich nicht. Man muss sich vorher nur einiger Dinge bewusst werden, um in bestimmte Fallen nicht zu tappen. Soziologen vermuten den Grund hinter dem Mama-Papa-Frust darin, dass sie sich in der Kindererziehung selbst wahnsinnig unter Druck setzen. „In den letzten 20 Jahren ist Elternschaft zu einem verrückten emotionalen Investment geworden“, sagt Robin Simon. „Kinder sind das Zentrum des Lebens ihrer Eltern. Unsere eigenen Eltern hätten nicht mal davon geträumt, so viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen.“ Gerade Frauen mit höherem Bildungsstand verbringen außerhalb ihres Berufs extraviel Zeit mit ihren Sprösslingen, um für sie zu kompensieren, dass Mama nebenbei arbeitet. „Aber gerade, dass Menschen sich so intensiv auf die Erziehung einlassen, führt dazu, dass sie weniger Sozialkontakte haben“, weiß Simon. Wer also sein Eigenleben vernachlässigt, sobald der Nachwuchs da ist, und nur noch zum Babyschwimmen statt mit der besten Freundin ins Café geht, dürfte sich selbst nach und nach verlieren. Die Erkenntnis, dass man sich zur „Mutti“ reduziert hat? Nicht schön.

Kinder als Beziehungs-Killer?

Zur Sache mit dem Nachwuchs als Beziehungs-Killer: Die Befürchtung ist zwar nicht unberechtigt, so aber auch nicht ganz richtig. Die Familienstudie „Übergang zur Elternschaft“ brachte hervor, dass Paare sich besonders häufig in den ersten Jahren nach einer Geburt trennen. Trotzdem sind Psychologen überzeugt: Die Probleme, die kommen, wenn Kinder da sind, lassen sich nicht auf die Kinder schieben. Vielmehr sickern unterschwellige Probleme erst in Zeiten der Belastung an die Oberfläche. Wer schlaflos und gestresst ist, hat eine niedrigere Frustrationsschwelle – und projiziert negative Gefühle eher auf den Partner. Das Beste, was man als Paar tun kann, ist, sich vorher bewusst zu machen, dass vieles, was man mit einem Baby erlebt, völlig unvorhersehbar ist. Wie man mit Schlafmangel umgeht, wie es sein wird, wenn das Kind ein lebhafteres Temperament hat als erwartet, dass es keinen „Aus“-Schalter am Kind gibt – und wie sehr sich beide Partner in die Erledigung der täglichen Aufgaben einbringen. Wer glaubt, er werde niemals überfordert sein, erlebt Enttäuschungen. Lassen Sie sich einen guten Rat geben: Kinder sollte man nicht bekommen, damit man selbst glücklicher wird. Ein schöner Grund ist es aber, sich selbst und in der Partnerschaft bereit zu fühlen, zu wachsen. Sich gemeinsam auf unbekanntes Terrain zu begeben und dafür belohnt zu werden, dass man ein viel souveränerer Mensch wird. Sich und seine Probleme nicht immer so wichtig nimmt. Die Welt noch einmal mit ganz anderen Augen entdeckt. Und die überraschende Erfahrung macht, egal wie sehr man seinen Partner liebt, dass da tatsächlich noch mal mindestens genauso viel intensive Liebe für ein anderes, kleines Wesen übrig ist.

Und dieses Gefühl durchflutet dich jeden Morgen aufs Neue, wenn du an seinem Bettchen stehst. Egal wie anstrengend der gestrige Tag war. Außerdem, müsse man vorher gar nicht immer genau wissen, wie anstrengend es wird. Manchmal ist es ganz gut, ein wenig blauäugig zu sein.

 

Autor: Tina Röhlich

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