8. April 2013
Dating-Trend Pheromon-Party

Dating-Trend Pheromon-Party

Speed-Dating ade! In den USA versuchen Singles mithilfe von Pheromon-Partys, ihr Liebesglück zu finden. PETRA-Volontärin Bonnie Stenken schaute sich den Flirt-Trend einmal genauer an, der jetzt auch nach Deutschland hinüber schwappt.

Pheromon-Party
© pheromoneparties.com
Pheromon-Party

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin noch nicht in den Genuss einer Pheromon-Party gekommen. Aber blicke ich auf meine kläglichen Versuche zurück, Mister Right zu begegnen, wäre mir diese Art des Kennenlernens eine willkommene Abwechslung gewesen. In Solo- Zeiten – und wir reden hier von einem sehr langen Zeitraum – unternahm ich so gut wie alles, um den Traummann endlich zu finden. Ich steckte mir auf Singlepartys herzförmige Nummern an den Pullover, meldete mich bei Online-Portalen an, um dort – wie ich hinterher herausfand – liierte Männer zu treffen. Einmal sprach ich am Gemüsestand über Paprika und Gurken hinweg einen schnuckeligen Supermarktverkäufer an, gab ihm meine Nummer – und hatte ein mieses Date.

In Sachen Liebe folgt man der Nase

Im Nachhinein würde ich sagen, dass alle Männer, an die ich mein Herz ernsthaft verlor, etwas gemeinsam hatten – mal abgesehen davon, dass sie nicht zu mir passten. Sie rochen gut. Beim Verlieben spielt der Körpergeruch einfach eine entscheidende Rolle. Wenn man einen Typen kennenlernt, kann sein Lächeln noch so strahlend und die Rose, die er mitbringt, noch so rot sein – wenn man ihn nicht riechen kann, kann er seine Rose gleich wieder ins Zellophanpapier einpacken.

Wahrscheinlich kam Judith Prays genau aus diesem Grund die Idee mit den Pheromon-Partys: Die Kalifornierin erwischte sich nämlich dabei, dass sie mit ihrer Nase permanent an ihrem damaligen Freund klebte. Warum nicht damit Geld verdienen? „Pheromone sind der chemische Auslöser für sexuelle Anziehung“, erklärt die Amerikanerin. Und auf diesen sexuellen Botenstoff fliegen Braunbandschaben, Bienen, Borkenkäfer, Blauwale – und stinknormale Menschen.

Und so funktionieren Pheromon-Partys

Die erste Pheromon-Party veranstaltete Prays 2010 in New York. Der Ablauf ist recht simpel: Die Singles schlafen drei Tage hintereinander in einem sauberen Baumwoll-Shirt. Tagsüber verstaut man es in einem Plastikbeutel im Kühlschrank, damit der Körpergeruch erhalten bleibt. Dann bringt man es im Beutel mit zur Party und bekommt eine Nummer zugeteilt, die auf einem roten oder blauen Post-it steht, je nach Geschlecht. Für umgerechnet 23 Euro können sich die Singles nun durch den Stapel schnüffeln – und sich zwischendurch (falls es zu viel wird) an der Bar einen Drink genehmigen. Gefällt ein Geruch, lässt man sich mit dem Plastikbeutel fotografieren. Die Bilder laufen als Diashow auf einer Leinwand, entdeckt man auf einem Foto seine eigene Nummer auf einem Beutel, kann man die Person kennenlernen, indem man sie sucht und anspricht.

Und was, wenn man die Nase nicht findet, die so begeistert von einem war? „Dann kann man trotzdem Kontakt zueinander aufnehmen. Wir erstellen nach jeder Party ein Album bei Facebook“, erklärt Prays. Natürlich stellt sich die Frage, warum man um alles in der Welt dafür bezahlen soll, dass man seine Nase in nicht gewaschene Kleidungsstücke steckt. Ging Erotik nicht irgendwie anders? „Es geht dabei um Romantik“, so Judith Prays. Auch wenn das Shirt nach Hawaii-Pizza, Fisch oder einer Mischung aus Plastik und Stoff riecht. Kaum zu glauben, dass da rosarote Schwingungen entstehen. „Doch“, wirft die 25-Jährige ein. „Unterschwellig hilft das Ganze bei der Kommunikation.“

Da Drinks und Cocktails auf keiner Party fehlen dürfen, findet ihr hier eine große Auswahl!

Vielleicht handelt es sich einfach nur um einen amerikanischen Party-Gag, der hierzulande gar nicht funktioniert? Fragt man jedoch Eric Hegmann, Singleexperte bei parship.de, sieht er darin ebenfalls eine Chance: „Wenn wir uns nicht auf gewohnte Sinne verlassen, können wir so einige lange erfolglose Muster bei der Partnersuche durchbrechen.“ Und wer weiß, vielleicht lernt man einen Mann kennen, den man sonst nicht bemerkt hätte. Anstatt immer nur nach dem dunkelhaarigen Don Juan Ausschau zu halten, landet man plötzlich bei einem blonden Surfer – und findet es super.

Obwohl die Schnupper-Partys in den USA so angesagt sind, haben sie sich bei uns noch nicht durchgesetzt. Unternehmer Mario Gaida bietet auf shop.echtness.com Pheromon-Party-Pakete an. „Wir sind reif für eine neue Art des Kennenlernens. Gängige Singlepartys gibt es schon seit Jahren, warum nicht mal etwas Neues ausprobieren? Man muss sein Gegenüber schließlich auch riechen können“, sagt Mario Gaida. Dazu bekommt er regelmäßig Anrufe von Schnüffelwilligen, die auf der Suche nach dem nächsten Pheromon-Event sind. Aber Hand aufs Herz: Wie gut sind die Chancen wirklich, auf einer solchen Veranstaltung seinem Traummann zu begegnen? „Die große Liebe sollte man nicht erwarten. Aber vielleicht wird eine kurzweilige Beziehung draus. Oder eine Affäre“, schätzt Experte Hegmann die neue Datingform ein.

Pheromon-Partys jetzt auch in Deutschland

Auch Lust, dem Schnupper-Flirt eine Chance zu geben? Phantastisch. Denn der Trend hat es inzwischen über den Ozean geschafft. Auf der ersten Pheromon-Party Deutschlands können sich neugierige Singles am Freitag, den 19. April 2013, im Berliner Club Bitte & Danke ganz vorsichtig beschnuppern. Vernastaltet wird das ganze von der Dating-Plattform Shopaman.de, über deren Facebook-Seite man sich für das Event anmelden kann.

Übrigens: Romantik lag bei der ersten New Yorker Pheromon-Party wirklich in der Luft. Von vierzig Gästen fanden immerhin zwölf den Weg zusammen nach Hause – und sechs verliebten sich. Und selbst wenn man den Abend ohne Mann ausklingen ließ, eins hatte man trotzdem: jede Menge Spaß. Und garantiert mehr, als ich damals an dem Abend mit dem Supermarktverkäufer. Vielleicht hätte ich vorher einfach mal an ihm riechen sollen ...

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PUB-QUIZ

Die Idee stammt von den Briten: In großer Runde werden bei Bier und Salzstangen zum Beispiel Songs erraten. Meist ist der Eintritt frei. Nach schottischen oder irischen Bars Ausschau halten und die eigene Stadtzeitung durchforsten

KUSCHELPARTYS

In entspannter Atmosphäre kuscheln Weiblein und Männlein bis zu zwei Stunden lang. Damit das Ganze nicht in ein (noch) skurrileres Sektenevent ausartet, sind Sex und Alkohol tabu. Na, dann ab auf die Matratzen... Kosten: ca. 15 Euro. Übersicht über alle Termine: kuschelparty.com

JUMPING-DINNER

Gekocht wird in Zweierteams einer der drei Gänge. Meldet man sich allein an, wird ein Kochpartner zugeteilt. Kosten: ca. 26 Euro. jumpingdinner.de

IMPRO-THEATER

Hier kann man sich im Schauspiel probieren und seine Spontanität in Workshops kitzeln. Beim Impro-Theater entscheidet das Publikum, wie die nächste Szene ablaufen soll. Erfordert Mut, lohnt sich aber! impro-theater.de

OUTDOOR-CLUBBING

In Parks treffen sich Hunderte von Menschen, um zu elektronischer Musik (DJs legen auf) zu tanzen. Getränke muss man mitbringen, Eintritt ist frei. Auf Facebook gibt’s die aktuellsten Infos

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