Untreu in der Beziehung Ein Betrug hinterlässt schlimmere Spuren

Es ist nicht so, wie du denkst, Schatz! Und eigentlich wollten wir diese Affäre doch auch gar nicht – weil sie uns Frauen einfach nur durcheinanderbringt. Warum wir fremdgehen und wie wir trotzdem auf dem richtigen Weg bleiben - ein Erklärungsversuch.

Fremdgehen

Wie meine Freundin Mareike vor ein paar Jahren. Sie hockte vormittags allein im Reihenhaus in der Vorstadt. Ihr treusorgender und gut verdienender Mann war in der Firma, der Sohn in der Kita. Und der Thorsten aus dem Sportstudio in ihrem Ehebett. Nie habe ich eine Freundin trösten müssen, die sich so mies gefühlt hat. Nicht nur, weil sie da gerade ihren Mann betrog. Sondern weil sie sich selbst verraten hatte. Und dazu ihre Ideale von der Liebe, auf die sie im Designerbrautkleid nur fünf Jahre zuvor geschworen hatte.

Mareike war, wie die meisten von uns, dem Märchen der unentwegt leidenschaftlichen Liebe aufgesessen. Klar, wer wie wir mit Dornröschen und Rapunzel aufwächst, hat eigentlich gar keine Chance mehr auf ein realistisches Gefühlsleben. Und ist anfällig, wenn die Leidenschaft im Alltag irgendwo im Keller hinten in einer Schublade verschwindet, weil Kredite und Kinderkrankheiten gerade wichtiger sind. Aber die Sehnsucht lässt sich da nicht verstecken. Kommt dann die Gelegenheit, fragen wir Frauen uns: Ob es noch mal kribbelt? Ob ich mich danach nicht unwiderstehlich und großartig fühle? Ob es überhaupt einer mitkriegt?

Wir stecken aktuell in einem Dilemma, das für uns selbst wohl am schwierigsten auszuhalten ist. Denn seit der Mann als Versorger ausgedient hat, ist Leidenschaft der Gradmesser einer guten Beziehung geworden. Und die ebbt einfach irgendwann ab. Warum das Feuer also nicht mit einer Affäre wieder zum Lodern bringen? Vielleicht weil all das zwar Erklärungen sind – aber keine Freifahrscheine. Weil wir doch nicht nur triebgesteuert sein können. Weil wir große Mädchen geworden sind, die vor dem Sex das Gehirn durchaus dazuschalten können. Und weil am Ende meistens der große Katzenjammer kommt. Denn anders als bei Tieren heißt die Zweisamkeit bei uns Liebe, und es sind Gefühle im Spiel – auf beiden Seiten. Und so ein Betrug hinterlässt schlimmere Spuren als ein paar Kratzer am Ego. Neulich habe ich gelesen, dass Betrogene ähnliche Symptome aufweisen wie Menschen, die misshandelt worden sind oder im Krieg grauenvolle Dinge erlebt haben. Ich glaube, dass das stimmt. Ganz schön viel verbrannte Erde für ein bisschen Spaß.

Autor: Stefanie Lindenberger

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