Partnerschaft Das Geschäft mit der Verunsicherung der Männer

Sie verführen Frauen und nennen sich Pick-up-Artists. Das einzige Ziel dieser Männer ist abschleppen. Was ist das für ein neuer Trend, was sind die Beweggründe und wie genau funktioniert die Masche der Pick-up-Artists?

Pick-up-Artist

Pick-up-Artist als Geschäftsmodell

Dass man mit der Jagdlust der Männer richtig Geld verdienen kann, war ja klar. Smarte Pick-up-Gurus scheffeln ordentlich Kohle, indem sie zu happigen Preisen Handlese-Ratgeber und Hypnose-CDs im Netz verkaufen. Das soll unwiderstehlich auf Frauen wirken. Genau wie eine tiefe, erotische Stimme, die man im kostspieligen Stimm-Workshop trainieren kann. Und um dem ganzen noch einen Wettbewerbs-Charakter zu verleihen, kann man sich im Pick-up-Forum zu „Challenges“ anmelden und um die Wette verführen. In einer bestimmten Zeit muss jeder Teilnehmer Frauen bezirzen und möglichst viele Punkte sammeln. Für die Handynummer erhält man lausige drei, Sex in der gleichen Nacht wird mit zwanzig Punkten dotiert. Königsklasse, quasi. Wer gewinnt, darf auf die Aufnahme in noch geheimere Bruderschaften innerhalb der „Secret Society“ hoffen. Um die zu erhalten, muss er sich durch besonders raffiniertes Aufreißen qualifizieren.

Pick-up-Artists sind 25-40 Jahre alt

Was in den geheimsten der geheimen Pick-up–Untergründen abgeht, wollen wir eigentlich gar nicht wissen oder? Müssen wir auch nicht, sagt zumindest Maximilian Pütz. Der deutsche Pick-up-Papst, Buchautor („Der perfekte Eroberer“, Heyne, 8,99 Euro) und Flirtcoach glaubt an das Gute im Mann. Für ihn sind die Casanovas in den Foren lediglich fehlgeleitete Schürzenjäger. Ihnen fehlt es, wie er sagt, an dem „nötigen Respekt“ vor den Frauen. Pütz gibt selbst zweimal im Monat Flirt-Lehrstunden für Herren und ist sich sicher: „Zu mir kommen Männer, die sich Frauen wünschen, die gebildeten und einfühlsamen.“ Im Durchschnitt sind seine Schüler zwischen 25 und 40 Jahre alt und beziehungserfahren. Bei der nächsten Liebe wollen sie nicht auf Zufall, sondern auf Eigeninitiative setzen: „Viele meiner Jungs machen sich zu viele Gedanken und trauen sich nicht, eine hübsche Frau anzusprechen. Oder sie warten bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag darauf, dass die Frau selbst den ersten Schritt macht.“

Woran erkennen wir einen Pick-up-Artist?

Wir haben einige typische Merkmale gesammelt, die typisch für PUAs sind:

  • auffälliges Styling (Peacocking = englisch für männlicher Pfau), damit versucht der Mann mittels auffälligen Accessoires oder Kleidung die Blicke auf sich zu ziehen
  • Geschichten, die wie kleine Drehbücher klingen
  • Push-and-Pull-Game: Zahlreiche Komplimente und Lob wechseln sich ab mit Abweisung und Erniedrigung, um interessanter zu erscheinen und die Frau gefügig zu machen
  • zu spät kommen, um sich wichtig zu machen
  • Last-Minute-Resistance: Wenn die Frau in letzter Minute doch nicht will, wird ihr Nein erst übergangen, falls das nichts bringt wendet er sich schlagartig ab und beschäftigt sich als „Bestrafung“ anderweitig

Fünf magische Sätze der Pick-Up-Artists

1. „Weißt du, ich glaube, die meisten Leute bekommen einen völlig falschen Eindruck von dir. Du magst äußerlich etwas kühl erscheinen. Aber in Wirklichkeit bist du viel sensibler als andere glauben.“

2.„Ich denke, es ist dir sehr wichtig, dass andere dich schätzen. Aber eigentlich bist du doch sehr selbstkritisch und manchmal fast ein bisschen zögerlich.“

3.„Irgendwas liegt dir auf dem Herzen. Ich wette, du stehst vor einer wichtigen Entscheidung in deinem Leben – bist dir aber noch nicht sicher, wie sie ausfallen wird.“

4.„Du hasst Geheimnistuerei. Wenn jemand versucht, dir etwas vorzuenthalten, lässt es dir so lange keine Ruhe, bis du es herausgefunden hast.“

5.„Ich spüre doch, dass du ein skeptischer Mensch bist und nicht jedem vertraust, weil du schon schlechte Erfahrungen gemacht hast. Aber wenn du dich öffnest, dann bist du die beste Freundin, die man sich vorstellen kann.“

Was wollen wir eigentlich?

Sind Männer wirklich so von uns eingeschüchtert, dass sie sich in unsere Betten manipulieren müssen? Pütz: „Wir Männer sind doch zutiefst verunsichert. Von klein auf wird uns eingetrichtert, dass wir Frauen gut behandeln sollen. Dann erscheint ein Sadomaso-Roman, und die Mädels stürmen die Buchhandlungen. Wollt ihr nun nette Waschlappen oder richtige Männer?“ Tja, wenn man das so genau wüsste. Bleiben nur zwei Fragen offen. Erstens: Können wir Frauen eigentlich keinem netten Typen mehr trauen? Doch, wenn wir mal sensibel zurückfragen – und dann nicht nur Floskeln kommen, sondern echtes Gefühl. Und zweitens: Was passiert mit dem erfolgreichsten Pick-upper, wenn tatsächlich die Liebe dazwischenfunkt? Entweder zieht man gemeinsam los, so wie Maximilian Pütz, der eine sehr aufgeschlossene feste Freundin hat, oder man kehrt der Szene den Rücken. Wie Stephane, der in einem Forum schreibt: „Liebe die Frauen, so einfach ist das.“ Jungs, wenn der ganze Aufwand final zu dieser Erkenntnis führt, dann spielt ruhig erst mal weiter.

...und was die Männer können, können wir Frauen erst recht!

Es ist bei diesem Thema nicht das, woran man als erstes denkt, aber tatsächlich: Es gibt auch weibliche Pick-up-Artists, die es darauf anlegen, Männern den Kopf zu verdrehen. Hierbei steht allerdings weniger im Vordergrund, die Männer ins Bett zu kriegen. Ganz ehrlich, das wäre wohl nicht allzu schwer. Hier geht es eher darum, die Rollen zu tauschen, furchtlos auf Männer zuzugehen und sie zu beeindrucken.
Wie das klappt? Eine Königslösung, die bei jedem Mann funktioniert, gibt es leider nicht. Verführung muss erlernt werden – und zwar mit großer Geduld.
Jedoch gibt es auch einige Tipps, an die sich weibliche Pick-up-Artists halten, wenn sie Männer verführen möchten:

  • Das Selbstbewusstsein ist essentiell. Kinn hoch, Schultern zurück! Und dann direkten Blickkontakt suchen.
  • Die richtige Kleidung: Sie sollte auffallen, offen wirken aber nicht billig aussehen. Zum Beispiel ein schönes rotes Kleid, das die Schlüsselbeine freilässt.
  • Was eigentlich immer wichtig bei guten Gesprächen ist: Gut zuhören, interessiert sein und auf andere achten.

Autor: Claudia Riedel

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