Eine Frau erzählt von ihrer Sexsucht Ich brauche Sex wie die Luft zum Atmen

Sarah, 34, hat mit mehr als 400 Männern geschlafen. Nicht, weil sie es wollte -  sondern weil sie nicht anders konnte. Das intime Geständnis einer Frau, die von ihrer Sexsucht in den Abgrund getrieben wurde.

Sex-Sucht

Ich weiß, dass sie recht hat. Aber ich kann ihr nicht die Wahrheit sagen. Dass ich Sex brauche wie die Luft zum Atmen, fast jeden Tag. Dass ich wildfremde Männer in Clubs und Bars, manchmal sogar auf der Straße, abschleppe. Kerle anonym auf Autobahnparkplätzen treffe. Oder über Flirt-Hotlines zu mir nach Hause bestelle.

Und es mir völlig egal ist, ob sie stinken, behaarte Rücken haben oder Comic-Unterhosen tragen. Ich will nur das eine von ihnen: Sex. Grob. Kalt. Und vor allem schnell. Damit sie schleunigst wieder aus meinem Leben verschwinden und ich sie keine Minute länger als nötig ertragen muss.

Mein Verbrauch an Duschgel ist enorm, denn Wasser allein vermag die Erinnerung nicht zu löschen. Noch Stunden danach fühle ich fremde Fingerabdrücke an meiner Haut kleben, spüre den keuchenden Atem an meinem Hals. Ich ekele mich vor mir selbst. Das ist doch krank! Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, es endlich bleiben zu lassen? Und mir bei jedem Rückfall geschworen, dies sei nun wirklich das letzte Mal?

Drei Aids-Tests musste ich bereits machen, weil ich nicht mehr klar denken konnte und auf das Kondom verzichtet habe. Gott sei Dank waren alle negativ. Aber wie lange habe ich noch Glück? Einmal habe ich mir schon Chlamydien eingefangen, von Pilzinfektionen ganz zu schweigen. Unangenehm und unappetitlich – und trotzdem kann ich nicht aufhören. Doch all das kann ich Anna nicht erzählen. „Ich weiß, ich habe in letzter Zeit übertrieben. Aber hey, ich tobe mich eben ein bisschen aus. Das entspannt bei all dem Uni-Stress“, grinse ich sie an. Sie lacht: „Ein Quickie gegen Prüfungsangst?“

Zwei Jahre später lachte Anna nicht mehr. Sie erwischte mich, als ich nackt auf Georg saß, der laut meinen Namen stöhnte. Die beiden waren seit drei Jahren ein Paar und wollten in wenigen Monaten heiraten. Anna trennte sich nicht nur von ihm, sondern auch von mir. Meine Entschuldigungen interessierten sie nicht, obwohl ich ihr alles erzählte: dass ich mit Hunderten von Männern geschlafen habe, von denen ich meist nicht mal den Namen kannte. Dass Georg nur einer unter vielen war, er mir nichts bedeutete. „Tja, ich hatte gedacht, dass ich dir etwas bedeute. Du hast mir eindeutig das Gegenteil bewiesen“, lautete ihr knapper Kommentar, mit dem sie für immer aus meinem Leben verschwand.