Trend Die jungen Designer erfinden sich neu

Wir sind verrückt nach dänischer Mode, lieben dänische Möbel und fragen uns schon lange: Warum ist eigentlich alles, was aus Kopenhagen kommt, so verdammt lässig? Ein Erklärungsversuch …

Baum und Pferdgarten

Das wertvolle Erbe der dänischen Design-Ikonen hatte allerdings auch eine Kehrseite: Lange taten sich die nachfolgenden Generationen mit den übergroßen Idolen schwer und konnten sich nur langsam aus ihrem Schatten befreien. Doch inzwischen hat sich vor allem in Kopenhagen eine neue, selbstbewusste Designszene entwickelt, die gerne experimentiert und Traditionen infrage stellt. In Sachen Interior geben Jungstars wie Louise Campbell oder Kasper Salto die Richtung vor. Sie zeigen sich wagemutiger als ihre Vorgänger und haben ganz neue Materialien für sich entdeckt. So entwarf Campbell etwa den "Prince Chair" aus Neopren und Filz mit zahlreichen Cut-outs. Der Sessel wurde vom Designshop Hay in Produktion genommen und ist inzwischen sogar im New Yorker MoMA zu bewundern. Kasper Salto lässt sich für seine Objekte von Formen und Farben der Natur inspirieren. Für den Möbelhersteller Fritz Hansen hat er unter anderem den "NAP"-Stuhl kreiert, der schon heute als Klassiker gilt.

Neuer Stil - auch in der Mode

Auch die dänische Mode hat sich neu erfunden: War sie lange Zeit für gedeckte Farben und modern-minimalistische Schnitte bekannt, sieht man auf den Laufstegen der „Copenhagen Fashion Week“ nun auch knallige Bonbontöne und ausgefallene Kreationen. Designer wie Henrik Vibskov, Stine Goya oder Anne Sofie Madsen haben sich mit ihren Kollektionen einen internationalen Ruf erarbeitet. Das Besondere an ihren Arbeiten: Die dänischen Designer zehren zwar von ihren kulturellen Wurzeln, aber sie mixen traditionelle mit modernen Elementen und geben ihnen so einen ganz neuen Twist. "Besonders die jungen Modemacher erweitern die Grenzen der dänischen Ästhetik und stellen sich damit dem internationalen Wettbewerb", so Dorothea Gundtoft.

Design macht Schule

Ein Grund dafür sind auch die ausgezeichneten dänischen Designschulen. Zwar haben sie noch nicht den Ruf eines Londoner Saint Martins College, das weltweit als Kaderschmiede gilt. Doch die Modejournalisten haben längst auch ein Auge auf die Kopenhagener Absolventen geworfen. "Die Ausbildung an den dänischen Designschulen ist sehr marktbezogen und praktisch orientiert", sagt Nina Peter, Redaktionsleiterin beim Deutschen Mode-Institut DMI in Köln. Ihrer Ansicht nach sind die Themen Mode und Design in Dänemark generell stärker verankert als in Deutschland. Und um dänische Mode auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen, wurde eigens das Danish Fashion Institute gegründet. "So können sich auch kleine Labels leichter etablieren", so Nina Peter.

Dänemark ist "in"

Christian Gregersen, Chef der Kopenhagener Modemesse "Gallery", freut sich seit Jahren über steigende Besucherzahlen und sagt: "Die dänischen Designer tun, was sie für richtig halten. Ihnen wird nicht von einem Verkaufsleiter erzählt, wie ihre Mode auszusehen hat." Der weltweite Erfolg von dänischen Filmen oder der neuen nordischen Küche stärke auch das eh schon ausgeprägte Selbstbewusstsein der Designer. "Sie wagen es, sie selbst zu sein", so Gregersen. Und weil die Wirtschaft in Dänemark vergleichsweise stabil sei, blieben viele Talente im Land.

Autor: Ulrike Schäfer