Mode Das steht uns super, Schatz!

Früher stand das Wort Partnerlook für schlechten Geschmack im Doppelpack. Jetzt heißt er „His and Hers“ und ist ein lässiges Bekenntnis zum Partner und dessen Klamotten. Lesen Sie hier mehr vom neuen Modetrend für Verliebte.

His and Hers - der moderne Partnerlook

"His and Hers" - der neue Trend

Die Mode wiederholt sich, heißt es. Das stimmt zum Glück nicht immer. Moonwashed-Optik und Dauerwellen zum Beispiel bleiben uns seit den Achtzigern erspart, Bundfalten-Jeans vermisst keiner. Noch nicht. Denn dass es jemals ein Partnerlook-Revival geben würde, damit konnte auch niemand rechnen. Aber: In Berlins schicksten Ecken sieht man dieser Tage Pärchen, die nicht nur eine Vorliebe für Gin Tonics, sondern auch für Leomuster oder Pastellfarben teilen. Er trägt ein Hemd, das getupft ist wie ihr Rock. Oder sie die passenden Lederleggings zu seiner Nappajacke. Beide die gleichen Sneakers. Scheinbar ist die Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit gerade dort besonders groß, wo viele Beziehungen kaum länger als eine Clubnacht halten. Weil Partnerlook aber zu sehr nach mittelalten Paaren klingt, die sich für den Bummel durch die Fußgängerzone die gleiche Multifunktionsjacke in Türkis angezogen haben, hat der Trend nun einen neuen Namen: „His and Hers“. Fragt sich nur, ob der neue Name den alten Look cooler macht. Ja, wenn man ihn so lässig trägt wie Angelina Jolie und Brad Pitt. Zur Bafta-Verleihung 2014 kamen beide im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Fliege – smoking hot!
 

Die Ursprünge des Partnerlooks

Aber „His und Hers“ sieht nicht nur an Promis gut aus. Eine der elegantesten Modestrecken im vergangenen Jahr druckte die „Financial Times“-Beilage „How to spend it“: David Roemer fotografierte die Models Vasilisa Pavlova und Owen Steuart mal ganz in Beerentönen, mal komplett in Vanille. Aber hinter „His and Hers“ steckt auch eine Haltung: Seins, meins, was kümmert’s uns? Zwei, die das exakt so sehen, sind Donald und Nancy Featherstone. Das Ehepaar aus Massachusetts, USA, hält seit über 35 Jahren am Partnerlook fest. Das sieht auf Fotos irre lustig aus, weshalb es eine Menge Zeitungsartikel über die beiden gibt. Und es zeigt, dass die Featherstones nicht nur Humor haben, sondern auch Zeit und Geld, um ihre Kleidung aufeinander abzustimmen. Ihr alberner Stil folgt immerhin einem strengen Konzept. Wobei das auch nicht immer hilft: Die Supernova der Partnerlook-Geschichte ereigneten sich 1999, als beide Beckhams in schwarzer Ledervollmontur bei einer Versace-Party aufliefen. Ein Modemoment, an den sich David Beckham nur noch mit Grauen erinnert, wie er in einem Interview zugab: „Was haben wir uns damals bloß gedacht?“ Auch die Flickenjeans und Strass-Kombi, in der Britney Spears und Justin Timberlake 2001 die MTV-Awards besuchten, gehören zu den Sternstunden des Trashs. Dass Katy Perry und ihr Begleiter den Look anlässlich der MTV-Awards im vergangenen Jahr kopierten, verstand Spears als Kompliment: „Du sahst fantastisch aus!“, ließ sie Perry auf Twitter wissen. An der Jeansrobe lag das sicher nicht. Auch nicht am Begleiter im zerschlissenen Anzug. Aber Perry schien das Ganze ohnehin nicht ganz ernst zu meinen.
 

Klamottentausch zwischen Männlein und Weiblein

„Zeig mir dein Outfit, bist du bereit für den Auftritt?“, heißt es in einem Deichkind-Song. „Alle staunen, jeder guckt, alle wollen den Partnerlook.“ Denn der will gar kein bierernstes Beziehungs-Bekenntnis mehr sein. Eher ein Experimentieren mit Geschlechteridentitäten. Mit der Frage, was männlich und was weiblich ist und was wir voneinander übernehmen können. Die Jeans zum Beispiel. Oder die Strickjacke. In der Vorstufe hieß das Boyfriend-Look und war eine eher einseitige Angelegenheit. Seit Männer jedoch Haarknoten und Laméleggings tragen, sind weder unsere Haarnadeln noch unsere Kleiderschränke vor ihren Übergriffen sicher. „Heute achtet man nicht nur auf sein eigenes Äußeres, sondern auch darauf, ob der Look des Partners oder besonders auch der Look des Kindes mit dem eigenen stimmig ist“, sagt Anja Brenner, Einkäuferin bei Jades24. Im Onlineshop der Boutique findet man die Kollektionen einiger Designer, die sich auf das Wechselspiel eingelassen haben. „Wenn Paare die It-Pieces von Acne tragen, sieht man sofort, dass die Kreationen aus einer Feder stammen. Die Logo-Pullis von Kenzo oder die ausgeflippten Teile von Moschino geben dem Look einen coolen Touch.“ Und die Verkäufer müssen weniger Espresso ausschenken, wenn beide Hälften eines Pärchens zur Anprobe mit korrespondierenden Sweatern in den Kabinen verschwinden. Der Kenzo-Tiger zum Beispiel fletscht seine Zähne deswegen nicht nur auf Pullis für Männer und Frauen, sondern auch auf Ballerinas und Sneakern.
 

Partnerlook in der Welt der Laufstege und Fashion-Shows

Aus der Kooperation von Opening Ceremony mit der amerikanischen Traditionsmarke Pendleton entstanden Flanellhemden und -krawatten im klassischen Pendleton-Plaid für die Herrenkollektion. In der Frauenkollektion fanden sich die dazu passenden Kleider. Und im Januar stellte Miuccia Prada ihre Männerkollektion mit männlichen und weiblichen Models in Mailand vor. Der neonbeleuchtete Laufsteg erinnerte an die kalten Gänge großer U-Bahn-Stationen, die Models hatten es eilig. Mit Aktentaschen in den Händen huschten sie wie Büromäuse an den Gästen vorbei und waren dabei kaum voneinander zu unterscheiden. Es war nicht das erste Mal, dass die Designerin während ihrer Männermodenschau auch Outfits für Frauen präsentierte. Doch diesmal ließ sie extra Zettel ausgeben, um ihren Ansatz zu erklären: Mit ihrer Kollektion habe sie zu erfassen versucht, was die Geschlechter gemeinsam hätten. Im kommenden Herbst ist das eine Menge: Jacken und Mäntel aus dem gleichen Stoff, schmal geschnittene Hosen und Hemden. Mode für Paare, deren geflüstertes „Du vervollständigst mich“ nicht nur die Gefühlsebene meint.
 

Die Geschlechtergrenzen vermischen sich immer mehr

Wie stark die Geschlechtergrenzen in der Mode bereits verwischt sind, zeigt die Fotografin Hana Pesut mit ihrem Projekt Switcheroo. Dafür bittet die Kanadierin Paare, die sie auf der Straße trifft, die Klamotten zu tauschen. Was dann im Foto viel weniger irritierend wirkt, als man vielleicht erwarten würde. Trotz haariger Knie unterm Bleistiftrock. Auch der Spanier Jon Uriarte ließ für seine Serie „The Men Under the Influence“ Männer in die Kleider ihrer Freundinnen schlüpfen. Was diese sehr selbstbewusst taten. Warum auch nicht? Daran, dass Mode Individualität bedeutet, glaubt heute doch ohnehin niemand mehr so richtig. Und viel schöner, als die Unterschiede zu betonen, ist es doch, liebevoll auf die Gemeinsamkeiten zu verweisen. So wie Kate Moss und Jamie Hince, wenn beide in Militärmänteln durch London schlendern. Klare Front im Kleiderschrank? Nicht bei den beiden. Oder wie Catherine, Herzogin von Cambridge, und Prinz William. Deren korrespondierende violette Kaschmirpullis signalisieren nicht nur den Fotografen, dass die Royals einen auf gemütlich machen. Sie lassen ahnen, wie wenig dem jungen Paar der ganze Trubel bedeutet. Zwei, die sich besonders häufig im Partnerlook in der Öffentlichkeit zeigen, sind die US-Royals Kim Kardashian und Kanye West. Zu Beginn des Jahres twitterte sie: „Kanye und ich waren die ganze Nacht auf, um meine Garderobe neu zu organisieren.“ Anfangs weigerten sich manche Designer, der Reality-TV-Bombe Kleider für Events zu leihen. West dagegen ist seit Langem Teil der Modeszene. Er trägt auf Konzerten eigens von Maison Martin Margiela für ihn kreierte Outfits und zählt Riccardo Tisci zu seinen Freunden. Indem West seine Looks auf die von Kardashian abstimmte, signalisierte er der Modewelt: Diese Frau gehört zu mir. Uns gibt’s nur im Doppelpack. Das kommt meist ziemlich lässig rüber, wenn beide verwaschene Jeans und das gleiche T-Shirt tragen, manchmal auch ein wenig überdreht. Anlässlich der Lanvin-Show im vergangenen Herbst zeigte sich West mit einem Dekolleté, das genauso tief war wie das seiner Frau. Bei diesem Promi-Paar ist eben alles ein wenig praller als im richtigen Leben. Sogar der Partnerlook.