Sneaker Der Erfolg der Sneaker - Warum der Sportschuh längst kein Sportschuh mehr ist

Sneaker

Jeder kennt sie, jeder liebt sie, fast jeder hat sie regelmäßig an: Die beliebten Freizeit- und Sportschuhe, bekannt als Sneaker. Der bequeme Schuh ist aus dem Alltag, aber auch aus der heutigen Modewelt nicht mehr wegzudenken.
Was ursprünglich als Fußbekleidung für Sport und aktive Freizeitbeschäftigungen gedacht war, ist schon seit einiger Zeit ein alltäglicher Begleiter – und der Trend scheint ungebremst, ein Ende scheint nicht in Sicht.
Immer häufiger sieht man Sneaker auch als Begleiter von schickeren Outfits der Abendgarderobe – sowohl bei Männern, als auch bei Frauen. Wo der Begriff für die Schuhe überhaupt herkommt, welche Geschichte sie hinter sich haben und der Gründe für ihren aktuellen Erfolg – all das verraten wir hier.

Sneaker hier, Sneaker dort

Der Sneaker ist, ohne Zweifel, der Schuh des 21. Jahrhunderts schlechthin. Ob in Europa, Asien oder Nordamerika, egal zu welchem Anlass, wo man hinsieht sind sie vertreten. Hilfreich ist natürlich die Tatsache, dass unter dem Begriff eigentlich fast alle Arten von bequemen, sportlichen Schuhen mit weicher Sohle zusammengefasst sind.
Die zunehmende Auflockerung der Alltagsmode hat natürlich dazu beigetragen, dass der Freizeitschuh nach und nach bei beiden Geschlechtern immer beliebter geworden ist. Ein Großteil der Entwicklung stammt aus der Jugendkultur der USA, die seit der Salonfähigkeit von Bluejeans ohnehin einen großen Einfluss auf die westliche Mode hat.
Schon seit fast 100 Jahren haben die Sneaker einen Platz unter den wichtigsten Schuhmodellen der Welt. Zu Beginn der 1920er Jahre begann die Erfolgsgeschichte, damals in Bewegung gesetzt von neuartigen Basketballschuhen. Die Converse All-Stars, vom Starspieler Chuck Taylor beworben, eroberten rasend schnell zuerst die Schuhschränke amerikanischer Basketballfans und dann die ganze Welt.
Bis heute sind die allseits beliebten Chucks eine absolute Institution auf dem Schuhmarkt. Doch sie sind nur ein kleiner Teil der Sneaker-Landschaft, selbst ihr Überbegriff der Basketballschuhe ist bei weitem nicht alles (und hat sich seit dem Erscheinen der zeitlosen Chucks ebenfalls weiterentwickelt).

Schuhe als Szenemerkmal

Der Begriff steht also nicht für ein bestimmtes Schuhmodell- oder Design. Sie sind wandlungsfähig in ihrer Funktion und ihrem Erscheinungsbild – und genau das hat die Sneaker so erfolgreich gemacht. Die Basis ist ein Schuh der bequem, leicht und im Normalfall bezahlbar ist. In jedem Schuhgeschäft findet man eine Vielzahl an Modellen in allen Preisklassen. So findet man schicke, günstige Varianten, die sich mit etwas zusätzlichem Rabatt in Online-Shops günstiger erwischen lassen – doch es gibt auch eine andere, teurere Seite. Dazu später mehr.
Darüber hinaus ist die Gestaltung offen und verändert sich mit der Zeit, Marke, Funktion des Schuhs und subkulturellen Einflüssen. Besonders letzteres spielt eine besonders große Rolle beim anhaltenden Höhenflug der sportlichen Treter.
Chucks erhielten beispielsweise in den 70er Jahren mit dem Erfolg der Punk-Bewegung neue Lebensenergie. Sie gehörten – dem Beispiel der Ramones und anderer Idole der Musikrichtung folgend – fest zum Erscheinungsbild der Szene. Da Elemente derart wichtiger Modeströmungen immer wieder aufgegriffen werden haben die Chucks ein wahres Eigenleben entwickelt und sind mittlerweile das bevorzugte Schuhwerk mehrerer Generationen.
Ähnlich verhält es sich mit moderneren, etwas stabileren Basketballschuhen. Ein Beispiel ist der Erfolg von Michael Jordan und seinen eigenen, von Nike hergestellten Schuhmodellen namens Air Jordans, die unter anderem in der Hip-Hop-Szene extrem beliebt waren und sind.
Diese Verknüpfung von Kleidungsstücken und Musik- oder Jugendszenen ist wiederholt ein großer Faktor für den weltweiten Erfolg von bestimmten Stilen oder Accessoires. Das Zugehörigkeitsgefühl, dass schon durch den Schuh einer bestimmten Marke ausgedrückt werden kann, ist der Dreh- und Angelpunkt der Erfolgsgeschichte vieler legendärer Kleidungsstücke.
Dass Sneaker in all ihren Formen so beliebt sind und bereits viele Jahre und somit andere Trends überdauert haben, ist also keine Überraschung. Selbst in den letzten paar Jahren konnten sie wieder eine erneute Renaissance erleben: New Balance, Nike und vor allem die Yeezy-Reihe, die Adidas in Kooperation mit dem beliebten Rapper Kanye West erfreuen sich vor allem, aber nicht nur, bei Anhängern der Hip-Hop-Szene extrem großer Beliebtheit.

Sneaker leben von der Vielseitigkeit

Ein großer Erfolgsfaktor ist die Wandlungsfähigkeit und Vielseitigkeit der Freizeitschuhe mit Kultcharakter. Es gibt sie in allen Formen, Farben, Größen und Preisklassen. Die meisten Modehäuser, die Freizeitkleidung kreieren, haben auch Sneaker im Programm – somit kann jede Markenloyalität auch an den Füßen ausgedrückt werden.
Die Schuhe sind Vielfältig, sowohl in ihrem Design, als auch der Funktion. Dadurch haben sie so ein breites Anwendungsspektrum – für die meisten Anlässe lässt sich der passende Sneaker finden, auch auf Hochzeiten sind sie nicht mehr undenkbar.
  • Funktion: Ursprünglich als Sportschuhe gedacht, gibt es diesen Aspekt der Sneaker natürlich auch heute noch. Zum Joggen, Tennis Spielen oder beim Basketball trägt man nun mal eine spezialisierte Form der Schuhe. Als Laufschuhe unter dem Unterbegriff „Trainer“ bekannt, sind praktischere Sneaker-Modelle sowohl für die sportliche Betätigung beliebt – aber haben es in dieser Form auch schon als Freizeitschuhe auf die Straßen geschafft. Ähnlich sieht es bei Tennisschuhen aus, deren Look aktuell wieder salonfähig wird. 
  • Design: Wer sie als Teil eines Outfits für den Alltag oder auch einen Ausgehabend anzieht, hat die freie Wahl. Sehr beliebt sind Casual-Sneaker, die nicht mehr viel mit Funktionsbekleidung für Sportler zu tun haben – beispielsweise Van, viele New Balance und Yeezy-Modelle oder Low-Top-Chucks – und eher als Lifestyle-Schuhe getragen und auch so vermarktet werden. Aber auch als waschechte Sportschuhe werden sie mittlerweile immer mehr in der Öffentlichkeit getragen. Zusätzlich lässt sich aktuell ein Trend beobachten, der auf Retro-Stile der 90er und frühen 2000er Jahre zurückgreift. So kommen beispielsweise Sneaker mit hohen Plateausohlen wieder zurück in die Läden.

Von der Hochleistung zur Haute Couture

Durch ihre Verbreitung in der Gesellschaft sind Sneaker nicht mehr weg zu denken. Aus dem ursprünglichen Sportschuh wurde ein weit verbreiteter Freizeitschuh, der auch als Teil abendlicher Outfits erfolgreich ist. 
Im Rahmen der Entwicklungen der letzten Jahre, nicht zuletzt angetrieben von Kanye Wests Fußbekleidung, hat sich ein neue Preissegment etabliert: Sneaker sind dank streng limitierter Modelle, interessanten Design-Kooperationen und cleverer Vermarktung zu einem luxuriösen Lifestyle-Produkt geworden. Wenn beispielsweise eine neue Reihe Yeezys angekündigt wird, sind preise von etwa 300 Euro pro Paar keine Seltenheit mehr. Da die Schuhe nicht nur teuer, sondern auch selten sind, sind sie zu einem regelrechten Statussymbol aufgestiegen. Lange Schlangen vor Läden zu Verkaufsstart und überlastete Online-Shops sind an der Tagesordnung – wer ein Modell erwischt, kann sich glücklich schätzen.
Insbesondere in den USA waren schon in den 90er Jahren mit Air Jordans ähnliche Zustände zu beobachten. Ab der ersten Reihe waren diese Schuhe extrem beliebt und besonders spezielle Designs wurden auch damals schon zu höheren Preisen verkauft.
Jedes Trendprodukt, das sowohl von einer breiten Masse als auch von bekannten Persönlichkeiten wie Hollywood-Stars getragen wird und längere Zeit überdauert, findet irgendwann auch den Weg in die Haute Couture. Modehäuser wie Gucci stellen unlängst ihre eigenen Sneaker her, deren Preispunkt dank der Tendenz zu Schuhen als Prestigeobjekten nicht mehr ganz so unerreichbar wirken.
Auf der Fashion Week in London lassen sich immer häufiger abenteuerliche Kombinationen von bunten Outfits mit den dazu passenden Sneakern erblicken. Unter anderem lies Karl Lagerfeld seine Chanel-Models auf einer Modenschau im Jahr 2014 bereits die neue Kollektion mit Sneakers an den Füßen vorstellen.

Sneaker-Sammler

Ein Nebenprodukt ist das Phänomen derjenigen, die nach immer neuen, limitierten und speziellen Varianten beliebter Sneaker-Marken suchen und diese kaufen – aber nicht zum Tragen, denn dafür wären sie viel zu schade. Es hat sich eine wahre Sammler-Szene gebildet – nicht zuletzt inspiriert von Rap-Stars, die regelmäßig ihre riesigen Schuhsammlungen ansprechen.
Dadurch hat sich auch ein großer Resale-Markt gebildet, auf dem die Schuhe, nachdem sie ausverkauft sind, zu noch höheren Preisen die Besitzer wechseln. Preisschilder jenseits der 1.000 Euro sind für manche Modelle nicht mehr ungewöhnlich – natürlich nur im perfekten, originalverpackten Zustand. Sehr seltene Schuhe liegen sogar noch weit darüber.
Wie man sieht haben die Sportschuhe mit Gummisohle eine bewegte Geschichte hinter sich, die viele Berührungspunkte mit anderen gesellschaftlichen Phänomenen hat. Der Schuh ist nicht mehr wegzudenken – und seine Geschichte ist sicherlich noch nicht beendet.

Datum: 24.09.2019