Designer Ein richtiges Familienunternehmen

Es war einmal eine italienische Familie, die gründete eine Strickfirma. Heute ist das Label einer der hippsten Sterne am modischen Himmel – und feierte 2013 Jahr seinen 60. Geburtstag. Aber was ist eigentlich das Geheimnis des Erfolgs?

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1969 lernte das Missoni-Ehepaar Diana Vreeland in Rom kennen. Die damalige Chefredakteurin der „Vogue“ ist von den Mustern – und wahrscheinlich auch vom Ehepaar Missoni – hingerissen. Sie lässt ihre Kontakte in Amerika spielen, und kein Jahr später wird die erste Boutique in New York eröffnet. In den 70er-Jahren feiert Missoni Hochkonjunktur, danach geht es erst mal – passend zum Muster – bergab: In den kühlen und kantigen 80ern sind die weichen und zarten Strickwaren nicht mehr en vogue, Familientraditionen so sexy wie kalte Spaghetti. Doch wie es mit italienischen Familien so ist, die zusätzlich über eine große Portion Sportgeist verfügen – man macht einfach weiter. 1983 wird die erste Home-Collection gelauncht, zuvor kommt der erste Duft auf den Markt, außerdem werden weitere Boutiquen in Paris und New York eröffnet. Und Rosita? Kocht weiter für die Familie in Gallarate, dem Familiensitz in der Lombardei.

Die neue Missoni-Generation

Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert – und bis heute kann Rosita die Finger nicht von der Arbeit lassen. 1997 gibt sie die Geschäfte ab und versucht, Großmutter zu spielen. Erfolglos. Auch mit stolzen 80 Jahren arbeitet sie als Creative Director für die Home-Collection, eröffnet Hotels in Edinburgh und Kuwait, zieht Fäden, wo immer sie kann, und ist schwer auf Zack. Die aktuellen Entwürfe lässt sie sich noch immer vorführen, denn das Design soll wirklich allen in der Familie gefallen. Allerdings darf man nicht glauben, dass sich jeder in der Familie von Geburt an dem Z-Muster verpflichtet fühlt. Zwar dient die Fabrik allen Kindern und Enkelkindern als Spielplatz, aber die Zacken und Wellen sind auch ein Fluch. „Schon meine Mutter fühlte sich in einem Käfig von Zickzackmustern eingesperrt“, erzählte Rositas Tochter Angela einmal dem "Stern". Angela selbst wollte eigentlich nur Kinder kriegen und vielleicht noch Psychologie studieren oder Tierärztin werden. Nur aus Faulheit habe sie Rosita im Atelier geholfen. Rosita war entsetzt von dem fehlenden Ehrgeiz ihrer Tochter, doch ihr Mann Ottavio stellte es geschickter an und ließ sich davon nicht beeindrucken. Zu seinen drei Kindern sagte er: „Ihr könnt ruhig Klempner werden.“ So richtig hat es mit der Klempner-Laufbahn nicht geklappt, denn Angela wurde dann doch Chefdesignerin und revolutionierte den Look des Labels erfolgreich. Ihre erste Kollektion bestand aus einer Aneinanderreihung dunkler Farbblöcke. Ihr Bruder Luca ist Creative Director bei Missoni, und Vittorio – dessen Kleinflugzeug seit Januar als vor der Küste Venezuelas verschollen gilt – war für das Marketing zuständig.

Elitäre Designermode - nicht mit uns...

Angelas Tochter Margherita wiederum hielt sehr erfolgreich ihr Gesicht in die Kamera und wurde von der Zeitschrift „Harper’s & Queen“ in die Liste der 100 schönsten Frauen der Welt gewählt. Und weil sich die Geschichte gern wiederholt, stieg die heute 30-Jährige nicht sofort ins Imperium ein, sondern studierte erst einmal Philosophie an der Mailänder Universität und Schauspiel am Lee Strasberg Institute in New York. Na gut, 2006 war sie dann schon das Gesicht der Missoni-Parfum-Kampagne, und 2010 begann sie, eine Reihe von Taschen zu designen. Im letzten Jahr heiratete Margherita ihren Freund, den Rennfahrer Eugenio Amos, auf dem Familiensitz in Italien. Wahrscheinlich kochte Rosita zu diesem Anlass wie eine Verrückte, Ottavio saß mit seinen Kindern und Enkeln, mit den Cousinen, Nichten und Neffen unter einem Olivenbaum – und vielleicht wurden nebenbei am Telefonino wieder ein paar Kooperationen klargemacht. Wie einst die Zusammenarbeit mit Verner Panton und Philippe Starck oder die limitierte Sneaker-Kollektion mit Converse vor zwei Jahren. Berührungsängste? Kennt diese Familie nicht. Denn was die Missonis nämlich sehr genau wissen: Elitäre Designermode an sich wirft kein Geld ab. Um einen kleinen Betrieb zu einem weltumspannenden Lifestyle-Imperium zu machen, muss man mit anderen Geschäfte eingehen. Nur ein paar Punkte verändern sich nicht: die Familie und die Farben, die Hochs und Tiefs. Und wenn das keine gute Masche ist, wissen wir es auch nicht.