Designer-Interview Dawid Tomaszewski: "Man muss sich seine Unsicherheit bewahren"

Designer Dawid Tomaszewski ist in Deutschland von der Berliner Fashion Week nicht mehr wegzudenken. Aber auch international geht es für den Designer mit polnischen Wurzeln bergauf: Er kooperierte bereits mit Vivienne Westwood und Sonia Rykiel. Wir haben den 34-jährigen Modeschöpfer auf der Mercedes Benz Fashion Week in berlin kurz vor seiner Show zum Interview getroffen.

Dawid Tomaszewski

PETRA: So kurz vor der Show, wie blank liegen die Nerven?

Dawid Tomaszewski: Ich hatte heute viele Termine, daher glaube ich, dass die Aufregung ein bisschen gedämpft ist. Es funktioniert alles, ich hab ein eingespieltes Team. Natürlich gibt es immer irgendwas, aber eigentlich bin ich entspannt. Alle Modelle wurden rechtzeitig fertig und das freut mich sehr.

PETRA: Keine Last-Minute-Änderungen mehr?

Dawid Tomaszewski: Doch, die gab es. Also ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht machen würde. Aber es ist alles rechtzeitig fertig geworden. Ich hoffe, dass es ohne Probleme weiter gehen wird, das ist die Hauptsache.

PETRA: Was ist das Thema der Herbst/Winter-Kollektion 2014/2015?

Dawid Tomaszewski: Also auf Deutsch übersetzt „Himmlische Körper“, der Himmel für die Frau. Und das kann man, glaube ich, wahnsinnig gut sehen. Zum Beispiel an den Schnitten, an den Drapierungen und an der Stoffauswahl. Bei mir gibt es jede Saison immer drei Farben. In dieser Kollektion haben wir uns auf Anthrazit, Schwarz und Grau konzentriert. Aber mit diesen Farben haben wir viel experimentiert, vor allem in Hinblick auf die Facetten, die Schattierungen von hell bis dunkel und unseren Print. Es ist nicht monoton, es ist wahnsinnig lebendig.

PETRA: Wie kamen Sie auf die Idee? Was war der Funke des Inspiration?

Dawid Tomaszewski: Neben einem Buch von Paul Koudounaris haben mich besonders die Kunstwerke in den katholischen Kirchen inspiriert. Dort gibt es oft Skelette, die mit Edelsteinen oder Spitze bestückt sind. Künstler beeinflussen mich, zum Beispiel ein Japaner, der wunderschöne, monochrome Fotografien macht. Dann eine Künstlerin aus den 50er Jahren, die sich besonders auf Textildesign fokussiert hat. Und ein bisschen eine Hommage an Paris. Was ich da auf der Straße mitbekommen und abfotografiert habe, wurde dann weiterentwickelt.

PETRA: Haben Sie ein Lieblingsteil? Wenn ja, welches?

Dawid Tomaszewski: Ja, tatsächlich, das habe ich. Eine Bomberjacke. Bei der sind Streifen aus Kaschmirwolle in Verläufen angenäht und mit Swarovski-Elements verziert.

PETRA: Was ist das Geheimnis guter Designs?

Dawid Tomaszewski: Man ist immer ein bisschen unsicher und das sollte man sich bewahren, weil Unsicherheit auch gute Ideen bringt. So entwickeln sich die Designs bei der Arbeit, Schnitt für Schnitt und Drapierung für Drapierung. Außerdem kenne ich meine Kunden lange und gut, was beim Entwerfen natürlich eine große Rolle spielt.

PETRA: Wie ist die Frau, die ihre Kleider trägt? Für wen designen Sie?

Dawid Tomaszewski: Ich glaube, beziehungsweise hoffe, dass ich für jede Frau entwerfe, die cool ist und im Leben steht. Ich beschränke mich nicht auf irgendeinen Typus. Ich glaube, jede Frau, die Mode liebt und Mode begehrt, sollte zu mir kommen.

PETRA: Sie haben in London und Berlin gelebt, haben polnische Wurzeln und vorhin auch schon Paris als Inspirationsquelle angesprochen. Welchen Einfluss haben diese verschiedenen Kulturen auf Sie?

Dawid Tomaszewski: Also, ich bin gebürtiger Pole. In London und Berlin habe ich Mode und in Poznan am Ende Kunstgeschichte studiert. Derzeitig lebe ich aber in Berlin. Ich glaube, welche Kultur den größten Einfluss auf mich hat, wechselt von Saison zu Saison. Ich bin ein Büchernerd, ich glaube der größte, den ich kenne. Da inspiriert mich immer etwas anderes. Und ich reise gerne in neue Länder und schaue, was ich dort entdecken kann.

PETRA: Sie haben ja auch schon eine Show auf der Fashion Week in Polen gehabt. Gibt es da Unterschiede zwischen Berlin und Lodz?

Dawid Tomaszewski: Eigentlich mag ich diese Vergleiche ja nicht. In Polen fängt die Fashion-Szene gerade erst an. Dort bin ich gerne Gast und unterstütze sie in ihrem Vorhaben. Hier in Deutschland ist die Fashion Week bereits etabliert. Ich bin eine deutsche Marke und ich arbeite hier und jetzt und deshalb konzentriere ich mich auf diesen Moment, der heute gleich entsteht. Die Fashion Week in Polen ist noch wahnsinnig jung, aber zeigt schon einiges an Potenzial. Es ist deutlich zu erkennen, dass sich da etwas entwickelt und ich gestalte das gerne mit. Sie sind auf einem guten Weg.

PETRA: Letzte Frage: Sie haben 2009 den Young Designer Award gewonnen, inzwischen sind Sie sehr etabliert und erfolgreich. Welchen Tipp haben Sie für junge Designer, was man außer Kreativität und Talent mitbringen muss, um es im Business zu schaffen?

Dawid Tomaszewski: Immer an sich glauben. Das hat auch mir sehr geholfen. Immer seinem Gefühl zu folgen und auf seinen Bauch zu hören.

PETRA: Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Show!

Autor: Judith Schröder

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