
Dabei lässt sich eine Erektion nicht einfach auf Knopfdruck einschalten. Und genau das zu verstehen, kann für beide Seiten entlastend sein.
Die Erektion ist keine Anzeige für Liebe oder Attraktivität
Eine Erektion bedeutet nicht automatisch, dass ein Mann gerade besonders viel Lust auf Sex hat. Umgekehrt bedeutet eine fehlende oder nachlassende Erektion nicht zwangsläufig, dass er seine Partnerin nicht attraktiv findet.
Sexuelle Erregung entsteht durch das Zusammenwirken von Gehirn, Nervensystem, Hormonen, Blutgefäßen und Psyche. Erotische Gedanken, Berührungen, Gerüche, Fantasie und emotionale Nähe spielen dabei ebenso eine Rolle wie die körperliche Verfassung.
Ein Mann kann durchaus Lust auf Sex haben, während sein Körper gerade nicht so reagiert, wie er oder seine Partnerin es erwarten.
Das ist eigentlich eine gute Nachricht.
Druck killt die Lust
Wer schon einmal erlebt hat, dass der Partner nervös wird, weil es nicht funktioniert, kennt die Dynamik: Die Erektion lässt nach, der Mann bemerkt es, macht sich Sorgen und ist nicht mehr sexuell erregt.
Aus „Hoffentlich klappt es“ wird „Warum klappt es nicht?“. Und irgendwann beschäftigt sich das Paar mehr mit der Erektion als miteinander.
Besonders bei jüngeren Männern spielen psychische Faktoren eine Rolle. Aber auch in späteren Lebensphasen können Stress, Beziehungskonflikte oder negative Erfahrungen die Erregung beeinflussen.
Die vielleicht hilfreichste Reaktion lautet deshalb: Kein Problem!
Sex muss nicht an der Penetration hängen
Eine Erektion kann für penetrativen Sex nötig sein. Für guten Sex ist sie aber nicht die einzige Voraussetzung.
Küssen, Streicheln, Fellatio, gegenseitige Berührungen, gemeinsames Entdecken oder einfach die körperliche Nähe können genauso Teil eines erfüllenden Liebeslebens sein. Wer Sexualität nicht auf eine einzige Handlung reduziert, nimmt den Druck aus der Situation.
Und oft kommt die Erektion gerade dann zurück, wenn niemand mehr auf sie wartet.
Wenn die Erektion öfter ausbleibt
Bei regelmäßigen Schwierigkeiten mit der Erektion lohnt sich ein genauerer Blick.
Denn Erektionsstörungen können auch körperliche Ursachen haben. Eine Erektion hängt beispielsweise von einer guten Durchblutung ab. Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinträchtigen die Erektionsfähigkeit. Auch Medikamente können eine Rolle spielen.
Für Partnerinnen gilt: Statt die Situation persönlich zu nehmen, ist es sinnvoll, den Mann zu ermutigen, medizinischen Rat zu suchen.
Medikamente verbessern die körperlichen Voraussetzungen
Für die Behandlung von Erektionsstörungen gibt es heute Medikamente, beispielsweise PDE-5-Hemmer wie Sildenafil, Vardenafil, Avanafil und Tadalafil.
Diese Medikamente erzeugen allerdings nicht direkt eine Erektion. Sie unterstützen die körperlichen Prozesse, die bei sexueller Erregung zur Erektion führen.
Wer nach konkreten Erfahrungen mit 5 mg Tadalafil für die tägliche Einnahme oder mit 50 mg Sildenafil bei Bedarf sucht, sollte sich vor Augen führen, dass es individuelle Unterschiede bei der Wirkung gibt. Auch Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich.
Was Frauen sonst noch tun können
Die wichtigste Unterstützung besteht darin, miteinander zu reden.
Allerdings nicht mitten in einer Situation, in der gerade beide nackt im Bett liegen und einer von ihnen sich ohnehin unwohl fühlt.
Dabei hilft eine Sprache, die nicht bewertet. „Du bekommst keine Erektion“ klingt wie eine Anklage. „Wie geht es dir eigentlich damit?“ öffnet dagegen den Raum für ein echtes Gespräch.
Auch ein wenig Humor kann helfen. Gemeinsam über eine peinliche Situation zu lachen, verringert den Druck.
Die Beziehung sollte im Mittelpunkt stehen, nicht die Erektion
Vielleicht liegt genau darin ein zeitgemäßer Blick auf männliche Sexualität: Eine Erektion ist eine körperliche Funktion, aber kein Qualitätsurteil über einen Mann und schon gar kein verlässlicher Maßstab für seine Gefühle. Sie kann von vielen Faktoren beeinflusst werden, und manchmal funktioniert der Körper einfach anders, als man es sich gerade wünscht.
Entspannter wird es, wenn beide den Gedanken zulassen, dass Sex nicht nach einem festen Drehbuch abläuft. Die Erektion darf kommen, nachlassen und wiederkommen. Sie darf ganz ausbleiben. Nähe, Berührungen, Küssen, gegenseitige Stimulation und andere Formen von Sexualität sind auch ohne sie möglich.
Manchmal hilft Beratung
Wenn sich die Situation festgefahren hat oder immer wieder zu Spannungen führt, kann eine Sexualberatung sinnvoll sein. Sexualberater können Paare dabei unterstützen, über Wünsche, Unsicherheiten und Erwartungen zu sprechen und eingefahrene Muster zu durchbrechen. Das hilft, wenn Gespräche zu zweit immer wieder in Vorwürfen oder mit peinlichem Schweigen enden.
Fazit: Erregung lässt sich nicht erzwingen, aber begünstigen
Am Ende geht es darum, dass zwei Menschen ihre Sexualität als etwas Gemeinsames erleben. Guter Sex entsteht durch Nähe, Vertrauen, Lust und Freiheit , auch wenn nicht immer alles klappt wie vorgesehen.