Umwelt Bio unter der Lupe

Für den Begriff „Bio“ gibt es keine eindeutige Definition. Was wir als Verbraucher darunter verstehen, basiert meist auf unserer ganz eigenen, von Emotionen geprägten Vorstellung. Wir denken an Biomilch von glücklichen Kühen auf saftig grünen Wiesen oder an Textilien aus Biobaumwolle, die aus nachhaltiger Landwirtschaft stammen, nicht mit Schadstoffen belastet sind und sozialverträglich hergestellt wurden.
Lebensmittel
Bestimmte Siegel versprechen die Einhaltung gewisser Mindeststandards – sowohl in Bezug auf den Umweltschutz, als auch, was soziale oder wirtschaftliche Belange angeht. Doch wie weit stimmen diese Standards mit dem überein, was wir von Bioprodukten erwarten?   

Wie wird „Bio“ offiziell definiert?

Die Bezeichnungen „Bio“, „biologisch“ sowie „Öko“ und „ökologisch“ sind gesetzlich geschützt. Trägt ein Lebensmittel diese Bezeichnung, wurde es zu 95 Prozent entsprechend den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung produziert. Darin sind die zugelassenen Zutaten, Zusatzstoffe und Hilfsstoffe genau aufgelistet. Die Standards sind allerdings vergleichsweise niedrig.
 
Andere Bezeichnungen sind nicht geschützt. Geschickt formulierte Beschreibungen erwecken allerdings den Eindruck, dass es sich bei den jeweiligen Produkten ebenfalls um Bio-Ware handelt. Dabei ist es in Wirklichkeit nichts als Werbe-Sprech ohne konkrete Aussage. Dazu zählen Bezeichnungen wie „alternativ“, „kontrollierter Anbau“, „natürliche Herstellung“ oder „kontrollierter Vertragsanbau“. Dahinter kann sich alles Mögliche verbergen. Die Hersteller, die mit derartigen Slogans werben, werden nicht kontrolliert.

Verschiedene Standards zur Eingrenzung

Auch Bio ist nicht gleich Bio. Die Qualitätsstandards, die die einzelnen Bio-Siegel vorgeben, unterscheiden sich teilweise erheblich.
 
Das EU-Bio-Siegel fordert lediglich einen Mindeststandard. Beispielsweise müssen für die Verleihung dieses Labels nur 95 Prozent der verwendeten Zutaten eines Lebensmittels biologischer Herkunft sein, nicht vollständig. Zudem ist ein Miteinander aus konventioneller und ökologischer Bewirtschaftung erlaubt. Der eigene Betrieb muss also nicht komplett umgestellt werden, um das EU-Bio-Siegel zu erhalten.
 
Bio-Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland sind in diesem Punkt deutlich strenger: Wer eine Zertifizierung anstrebt, muss seinen Betrieb komplett auf eine ökologische Bewirtschaftung ausrichten.
Es gibt noch weitere Unterschiede, von denen an dieser Stelle nur einige näher beleuchtet werden:
Die EU-Verordnung…
  • begrenzt die Menge an Stickstoffdünger nicht. Bioland, Naturland und Demeter erlauben höchstens 112 kg pro Hektar und Jahr.
  • gestattet den Kauf von Gülle, Jauche und Geflügelmist aus konventioneller Tierhaltung. Bei den Bio-Anbauverbänden ist das verboten.
  • erlaubt einen höheren Tierbestand als Bioland, Naturland und Demeter: Auf einem Hektar dürfen beispielsweise 230 Hennen, 580 Masthähnchen, 14 Mastschweine oder zwei Milchkühe pro Jahr gehalten werden. Bei den Bio-Anbauverbänden sind es maximal 140 Hennen, 280 Hähnchen oder zehn Mastschweine.
  • beinhaltet keine Regelung in Bezug auf Stromschläge zur „Erziehung“ von Kühen. Bei Bioland & Co. sind derartige Züchtigungen verboten.
  • genehmigt Tiertransporte bis zu einer Dauer von acht Stunden. Die Bio‑Anbauverbände erlauben höchstens vier Stunden.
  • lässt die Fütterung von Schweinen und Geflügel mit Fischmehl zu, im Gegensatz zu Bioland, Naturland und Demeter.
  • regelt die Fütterung mit Silage nicht. Dadurch ist eine ganzjährige Fütterung mit Silofutter gestattet. Bioland und Naturland schreiben vor, dass Wiederkäuern in den Sommermonaten Grünfutter anzubieten ist. Bei Demeter sollte die Versorgung damit möglichst durch einen Weidegang erfolgen.
  • lässt 47 Zusatzstoffe zu. Bioland erlaubt 23, Naturland 20 und Demeter nur 13 Zusatzstoffe.   

Wie grün sind Bio-Produkte?

Eine internationale Studie der Chalmers University of Technology, die im Dezember 2018 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, kommt zu einem schockierenden Ergebnis: Der Ökolandbau schadet dem Weltklima mehr als der konventionelle Landbau.
Die Gründe:
  • Bei einer ökologischen Landnutzung sind die Erträge pro Hektar erheblich geringer als bei konventionellem Anbau. Das liegt daran, dass weniger Dünger zum Einsatz kommt.
  • Um die gleiche Menge an Lebensmitteln zu erzeugen wie bei konventioneller Herstellung, brauchen die Bauern größere Anbauflächen. Dafür wird oft Wald abgeholzt. Das setzt Kohlendioxide frei.
Professor Stefan Wirsenius erklärt, dass bei der biologischen Fleischgewinnung der Tierschutz zwar ein Pluspunkt sei. „Aber wenn es um die Klimaauswirkungen geht, zeigt unsere Studie, dass Bio-Lebensmittel im Allgemeinen eine viel schlechtere Alternative sind.“
 
Trotzdem raten die Wissenschaftler nicht dazu, von nun an auf Bio-Produkte zu verzichten. Sie empfehlen vielmehr, dass umweltbewusste Verbraucher sich informieren sollten, wie sich einzelne Lebensmittel auf das Klima auswirken.

Produkte aus ökologischer Landwirtschaft

Sollen Lebensmittel als „Bio“ bezeichnet werden, führt an einer Zertifizierung gemäß der EU‑Verordnung („EG-Öko-Basisverordnung“) kein Weg vorbei. Damit sind gewisse Auflagen verbunden. Werden diese erfüllt, erhalten die Lebensmittel das begehrte hellgrüne EU‑Bio‑Siegel mit dem aus weißen Sternen geformten Blatt.

Wer sich „Bio“ ernährt, lebt gesünder?

Viele Menschen fragen sich, ob Bio-Produkte wenigstens gesünder sind als konventionell angebaute Lebensmittel. Der Infodienst des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bejaht diese Frage eindeutig:
Bio-Lebensmittel sind prinzipiell tatsächlich besser für die Gesundheit, denn sie….
  • beinhalten weniger Nitrat,
  • sind nährstoffreicher und
  • besser für Allergiker geeignet.
Trotzdem lässt sich nicht pauschal sagen: „Wer Bio-Produkte kauft, lebt gesund“, denn jemand, der beispielsweise Kiloweise Bio-Schokolade zu sich nimmt oder sein Brötchen zentimeterdick mit Bio-Nuss-Nougat-Creme bestreicht, tut seinem Körper ganz sicher keinen Gefallen. Die Produkte beinhalten möglicherweise einen höheren Anteil an Kakao und Nüssen. Gesund sind sie in großen Mengen dennoch nicht.
 
Wichtig für eine gesunde Lebensweise ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost mit frischem Gemüse, Salat und etwas Obst, möglichst wenig Zucker und einem moderaten Anteil an Fleisch oder Fisch. Übrigens, rotes Fleisch ist besser als sein Ruf: Es enthält wertvolle Nährstoffe, besonders wenn es von mit Gras gefütterten Tieren stammt. Gerade durch die verschiedenen Aufzuchtformen entstehen große Unterschiede bei der Qualität und den Inhaltsstoffen des Fleisches.
 
Befürworter von Bio-Produkten heben gern den angeblich höheren Vitamin- und Nährstoffgehalt von ökologisch erzeugten Produkten hervor. Allerdings ist es schwierig, einzelne Lebensmittel im Detail zu vergleichen. Ein Bio-Apfel und ein konventionell angebauter Apfel können sich in Bezug auf ihre Nährwerte und Vitamine gleichen. Was eher Rolle spielt als die Art des Anbaus, sind die jeweilige Apfelsorte, die Bodenbeschaffenheit, die Sonnenbestrahlung und der Reifegrad des Apfels beim Pflücken. Ähnliches gilt bei der Erzeugung von Fleisch.
 
Konventionell erzeugte Lebensmittel beinhalten allerdings tatsächlich mehr Rückstände von Chemikalien. Offiziell gelten sie als ungefährlich, sofern die Richtwerte nicht überschritten werden. Ob Pestizide langfristig für die Gesundheit möglicherweise doch schädlich sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Wer den Verzehr dieser Stoffe aus Sicherheitsgründen vermeiden möchte, ist mit ökologisch hergestellten Produkten daher gut beraten.
Faustregel: Je weniger verarbeitet die Lebensmittel sind, die auf den Teller wandern, desto vorteilhafter für die Gesundheit. Auch Bewegung und Sport sollten im Alltag nicht fehlen.
 
Geschmacksunterschiede zwischen konventionell erzeugten und biologisch erzeugen Lebensmitteln sind oft trotzdem wahrnehmbar:
  • Bei Bio-Produkten haben die Pflanzen länger Zeit zum Reifen. Dadurch schmecken Obst und Gemüse weniger wässrig. Ihr Aroma ist intensiver.
  • Allgemein liegt ihr Vitamingehalt, der Anteil an sekundären Pflanzenstoffen sowie Ballaststoffen leicht über dem von konventionell erzeugten Lebensmitteln.
Trotzdem lässt sich nicht pauschal urteilen, dass Öko-Obst und Öko-Gemüse generell geschmacklich intensiver und nährstoffreicher ist als konventionell angebautes.
 
Das gilt überwiegend für überregional erzeugte Produkte. Legen Früchte und Gemüse einen weiten Weg vom Erzeuger zum Supermarkt zurück, werden sie häufig geerntet, bevor sie tatsächlich reif sind beziehungsweise bevor sie Genussreife erreicht haben. Sie sollten auf dem Weg zum Laden nachreifen. Der frühe Erntezeitpunkt bedeutet allerdings, dass die Produkte weniger nährstoffreich und geschmacksintensiv sind.
 
Regional erzeugtes, herkömmlich angebautes Obst und Gemüse, das Saison hat, wird in der Regel nicht verfrüht geerntet. Es zeichnet sich daher durch eine hohe Nährstoffdichte und aromatischen Geschmack aus und ist mit Bio-Produkten durchaus vergleichbar.
 
Tipp: Wer regional und saisonal kauft, am besten direkt beim Bauern, spart Geld und ernährt sich nährstoffreich und gesund. Es muss keineswegs immer Bio sein.

Öko-Kleidung und Bio-Textilien

Mode ist heutzutage ein schnelllebiges Geschäft. Ein Trend jagt den nächsten. Demensprechend häufig wechseln in den Boutiquen die Kollektionen. Typische Wegwerf‑Mode, auch Fast Fashion genannt, ist ein lukratives Geschäft. Gespart wird vor allem in der Produktion, die aus Kostengründen in Billiglohnländern stattfindet. Auf Qualität kommt es nicht an. Die Kleidung wird meistens nur eine Saison getragen, bevor sie in der zweiten Reihe des Kleiderschranks oder im Altkleidersack endet.
 
Erschreckende Berichte von eingestürzten Fabriken und ausgebeuteten Näherinnen in Indien und Bangladesch haben das Bewusstsein der Verbraucher für die ausbeuterischen Verhältnisse geschärft. Dadurch ist das Interesse an fair produzierter Kleidung gewachsen. Allerdings besitzt nur ein Prozent der angebauten Baumwolle Bio-Qualität.

Wer sich für Kleidung mit Bio-Siegel entscheidet, kauft nachhaltiger?

Halten Bio-T-Shirts tatsächlich länger als herkömmlich produzierte? Oder sehen sie nach ein paar Gängen in der Waschmaschine trotzdem aus wie Putzlappen? Es gibt eine Vielzahl von Bio-Siegeln für Kleidung. Gesetzlich geschützt ist bislang keins. Greenpeace überprüft die Siegel, um Verbrauchern Orientierung im Siegel-Chaos geben.
Zu den populären Bio-Textil-Siegeln gehört Global Organic Textile Standard (GOTS). Es wird verliehen, wenn eine umweltverträgliche Produktion stattfindet und soziale Mindeststandards eingehalten werden. GOTS prüft die Einhaltung dieser Vorgaben einmal pro Jahr. Allerdings sind in der Produktion Mischfasern erlaubt: Die hergestellten Textilien müssen zu 95 Prozent (Grad eins) aus bio-zertifizierten Naturfasern gefertigt sein. Bei Grad zwei sind immerhin noch 70 Prozent vorgeschrieben.
 
Andere vertrauenswürdige Label sind „IVN Best“ und „Made in Green“.

Weitere Bio-Produkte unter der Lupe

Naturkosmetik 

Die Bezeichnungen „Biokosmetik“ oder „Naturkosmetik“ hören sich umweltfreundlich an. Die entsprechenden Produkte werden mit rein natürlichen Inhaltsstoffen assoziiert. Was kaum jemand weiß: Diese Begriffe sind in Deutschland nicht geschützt. Nur weil Cremes und Duschbad etwa Aloe Vera oder Olivenöl enthalten, sind sie noch lange keine echten Bio-Pflegeprodukte.
 
Denn Bio bedeutet, dass die Rohstoffe aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen oder aus zertifizierter Wildsammlung. Selbst bei gutem Willen wäre eine großflächige Bio-Herstellung nicht möglich: Nicht alle Pflanzen sind in ausreichender Anzahl und entsprechender Qualität vorhanden.
 
Die Wirtschaft erstellt eigene Siegel, die Konsumenten suggerieren, dass sie ein echtes Bioprodukt erwerben. Vor dem Kauf lohnt sich ein kritischer Blick auf die Verpackung:
  • Das „NaTrue“-Label gibt es in drei Qualitätsstufen. Um drei Sterne und damit die Höchstwertung zu erhalten, muss der Anteil an Naturstoffen in den angebotenen Produkten zu 95 Prozent Bio sein. Um zwei Sterne zu erhalten, reichen bereits 70 Prozent.
  • Das „Ecocert“-Siegel „Ökologische Naturkosmetik“ sieht ebenfalls pflanzliche Inhaltsstoffe vor, die zu 95 Prozent aus kontrolliert biologischem Anbau stammen müssen.
  • Um das „Ecocert“-Siegel „Naturkosmetik“ zu bekommen, genügen schon 50 Prozent Bio-Inhaltsstoffe.
  • Das BDIH-Logo des Bundesverbandes Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel wird vergeben, wenn 15 Rohstoffe wie Olive, Soja und Jojoba aus biologischer Erzeugung herrühren. Weitere Vorgaben gibt es nicht.
Experten geben zu bedenken, dass es nicht möglich ist, Kosmetik und Körperpflege ausschließlich in Bio-Qualität herzustellen. Beispielsweise bestehen waschaktive Tenside in Shampoo oder Duschgel zwar aus natürlichen Inhaltsstoffen wie Maisstärke oder Kokosfett. Aber dazu existiert keine Bio-Produktion. Das Gleiche gilt für Emulgatoren, die Öl und Wasser in Lotions zusammenhalten.
 
Nachhaltige Möbel
Möbel aus Holz gelten als naturnah, umweltfreundlich und erzeugen im Haus ein warmes, gemütliches Ambiente. Allerdings existiert noch keine verbindliche Definition dafür, was überhaupt unter einer nachhaltigen Möbelherstellung zu verstehen ist. Bislang sind die Produzenten auch nicht in der Pflicht, die Herkunft ihrer verwendeten Hölzer offenzulegen.
Faustregel: Stammt das für die Möbel verwendete Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Deutschland und ist unbehandelt? Dann ist dagegen aus ökologischer Sicht nichts einzuwenden: Was abgeholzt wird, wird gleichzeitig nachgepflanzt. Dadurch bleibt unser Wald erhalten. Erkennbar ist dies am FSC-Siegel.
 
Die Oberflächen der Möbel sollten allerdings ausschließlich mit Naturfarben „veredelt“ sein, die ebenfalls für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich sind.
 
Zusätzlich sollten die Transportwege unter die Lupe genommen werden. Was in Deutschland produziert wird, legt einen kürzeren Weg zurück als Tische, Stühle und Schränke, die im Ausland hergestellt werden. Kurze Transportwege sind generell klimafreundlicher. Weiterhin sollte die Produktion möglichst CO2-neutral erfolgen.
Werden diese Punkte berücksichtigt, sind Möbel aus Holz und recycelten Rohstoffen Kunststoff-Varianten auf jeden Fall in punkto Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit überlegen.
 
Wichtige Siegel für ökologische Möbel und Farben:
  • Der Blaue Engel ist das älteste Umweltschutz-Zeichen. Es kennzeichnet ökologische Produkte und Dienstleistungen.
  • Das FSC-Siegel (kurz für: Forest Stewardship Council) bezieht sich auf Waren, deren Bestandteile aus dem Wald stammen. Es steht für nachhaltige Forstwirtschaft.
  • Öko-Control ist ein Verbund von 50 Möbelhändlern. Ein entsprechendes Siegel wird für gesunde Einrichtungsgegenstände verliehen. Es gibt Labels für Öko-Control Holz, Öko‑Control Polster und Öko-Control-Bezugstoffe.

Recyclingprodukte

1991 wurde der „Grüne Punkt“ in Deutschland eingeführt. Seitdem trennen wir Müll und recyceln die gesammelten Stoffe. Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag des „Verbraucherzentrale Bundesverbands“ (vzbv) aus dem Jahr 2015 machen 97 Prozent der Deutschen mit. Die Mehrheit nimmt es mit der Mülltrennung allerdings nicht so genau. Das liegt zum größten Teil an fehlender Transparenz.
 
Die Menschen fragen sich, …
  • ob Mülltrennung überhaupt sinnvoll ist und ob nicht womöglich am Ende alles in der Müllverbrennung landet.
  • was mit ihrem getrennten Abfall passiert.
  • wer damit Geld verdient.
  • was tatsächlich recycelt wird.
  • welche Produkte aus ihrem Abfall entstehen.
Hier fehlt Aufklärung und nachvollziehbaren Informationen.
 
Wie viel recycelt wird:
  • Altpapier: Eine Top-Recyclingquote erzielt Papier mit 83 Prozent. Es kann bis zu fünfmal wiederverwertet werden. Die Produkte, die daraus entstehen, sind Kartons, Küchentücher und Toilettenpapier.
  • Glas: Bei Glas liegt die Recyclingquote bei 82 Prozent. Es wird eingeschmolzen und zu neuen Flaschen und Gefäßen verarbeitet.
  • Kunststoff: Schlechter sieht die Quote beim Plastikmüll aus. Nur rund 45 Prozent werden recycelt. Der Rest landet in der Müllverbrennung.
Die Gründe, aus denen Plastik noch nicht intensiver wiederverwertet wird, sind vielfältig. Zum einen wird Plastik nicht sortenrein gesammelt. Im gelben Sack landet alles vom leeren Joghurtbecher bis zur Plastikzahnbürste, die keinen grünen Punkt besitzt und daher in den Restmüll gehört.
 
Nicht alle Kunststoffarten sind recyclebar. Teilweise liegt das an der Stärke des Materials, teilweise an der Färbung. Und: Verbrennen ist die billigere Alternative.
 
Das neue Verpackungsgesetz sieht in Zukunft eine höhere Recyclingquote vor. 2022 sollen 63 Prozent des Plastiks wiederverwertet werden.

Bioplastik

Der Begriff „Bioplastik“ weckt die Hoffnung auf Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen, der zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Allerdings entspricht diese Vorstellung nicht der Realität:
  • Kunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, ist nicht unbedingt biologisch abbaubar.
  • Teilweise wird biologisch abbaubarer Kunststoff mit Kunststoffen, die auf Erdöl basieren, gemischt. Das heißt, die Produkte sind nur zum Teil biologisch abbaubar.
  • Biologisch abbaubarer Kunststoff wird allerdings nicht zwingend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.
Laut der Industrienorm 13432 sind Bio-Plastiktüten zwar im Prinzip zu 100 Prozent in Industrieanlagen bei einer Temperatur von 60 Grad Celsius kompostierbar. Nach drei Monaten sind sie soweit zerfallen, dass nur 10 Prozent der Reste eine Größe von zwei Millimetern überschreiten.
 
Allerdings erfolgt die Zersetzung nicht schnell genug. Moderne Anlagen brauchen kaum einen Monat, um Bio-Abfall in den begehrten Humus zu verwandeln. Darum dürfen die Tüten nicht in den Bio-Müll gegeben werden.
Ein weiteres Problem: Beutel aus Bio-Plastik sind von den üblichen Plastiktüten aus Polyethylen nicht zu unterscheiden. Darum filtern Kompostier-Anlagen sie von vornherein komplett heraus und geben sie in die Müllverbrennung. Die Zersetzung von Bioplastik stellt allerdings ohnehin keine Bereicherung für den Boden dar. Letztendlich bleiben dabei – genau wie bei einer Verbrennung – Kohlendioxid (CO2) und Wasser zurück.
 
Bioplastik wird unter anderem aus Mais, Kartoffeln und Zuckerrohr hergestellt. Für den Anbau dieser Pflanzen, beziehungsweise für die Herstellung von Diesel und Dünger, wird allerdings Erdöl gebraucht. Bei einer Überdüngung des Bodens gelangen Nährstoffe in die Gewässer. Dadurch wiederum wird die Algenbelastung und damit das Fischsterben erhöht.
 
Alles in allem sind Bio-Kunststoffe laut dem Umwelt Bundesamt nicht umweltfreundlicher als anderes Plastik.

Wer auf „Bio“ achtet, tut etwas für die Umwelt?

Viele Menschen, die im Alltag konsequent auf Bio-Produkte setzen, tun dies nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Sie möchten mit einer insgesamt nachhaltigen Lebensweise aktiv etwas zum Umweltschutz beitragen. Darum wandern beim Einkauf Getränke in Glasflaschen, Naturkosmetik und Recycling-Produkte in den Baumwoll-Beutel.
 
Bio ist allerdings auch jenseits von Nahrungsmitteln leider kein Synonym für Umweltfreundlichkeit.

Plastiktüte, Papiertüte oder Baumwollbeutel?

In den meisten Läden gibt es entweder überhaupt keine Plastiktüten zum Verstauen der Einkäufe mehr oder sie kosten Geld. Das führt dazu, dass Verbraucher immer häufiger auf die an der Kasse angebotene Tüte verzichten. Stattdessen kaufen sie in letzter Minute einen Stoffbeutel oder bringen eine Baumwolltasche von Zuhause mit. Erst einmal ist dies eine löbliche Entwicklung. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die meisten Plastiktüten nur ein einziges Mal verwendet und dann entsorgt werden.
 
Allerdings ist die Herstellung von Baumwollbeuteln alles andere als naturfreundlich: Zur Produktion von einem Kilogramm Baumwolle werden ungefähr 11.000 Liter Wasser gebraucht. Dazu kommt, dass die Baumwollfelder mit Insektiziden besprüht werden. Das hat erschreckende Folgen für Arbeiter und Umwelt.
 
Die ebenfalls angebotenen Papiertüten sind zur Plastiktüte keine wirkliche Alternative: Zum einen sind kaum ausreichend stabil, um den Einkauf aus dem Laden bis zum Fahrrad oder Auto zu transportieren. Eine mehrfache Nutzung ist in der Regel aufgrund der geringen Belastungsfähigkeit nicht möglich. Zum anderen sind neben der geringen Verbraucherfreundlichkeit die hohen Energiekosten bei der Produktion zu bedenken. Zusätzlich erfordert die Herstellung von Papiertüten viel Wasser. Immerhin verrotten Papierbeutel schneller als Plastik. Das ist allerdings auch ihr einziger Pluspunkt.
 
Der Blick auf die Emissionswerte ist ebenfalls ernüchternd:
Laut einer Untersuchung der Federal Laboratories for Material Testing and Research der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich entstehen bei der Produktion…
  • einer Papiertüte etwa 60 Gramm Kohlendioxid,
  • einer Plastiktüte etwa 120 Gramm CO2 und bei
  • einer Baumwolltasche sogar 1.700 Gramm.
Tipp: Einen Baumwoll-Beutel kaufen und bis ans eigene Lebensende für jeden Einkauf zu nutzen, ist am umweltfreundlichsten. Nach rund 30 Einkäufen hat die Tasche die Einweg‑Plastiktüte überholt.

Was ist nachhaltiger – Pfand- oder Plastikflasche?

Mehrweglaschen machen nur noch einen geringen Anteil an verkauften Getränkeflaschen aus. 57 von 100 verkauften Flaschen lassen sich nicht erneut befüllen.
Die Situation im Jahr 2016 sah laut Umweltbundesamt folgendermaßen aus:
  • 29,2 Prozent der verkauften Getränkebehälter waren Mehrweg-Glasflaschen,
  • 13,6 Prozent Mehrweg-Kunststoffflaschen und
  • 52,2 Prozent Einweg-Plastikflaschen.
Einweg-Flaschen bestehen aus Polyethylenterephthalat (PET). Nach Gebrauch werden sie gepresst weiterverkauft. Sie dienen zum einen zur Herstellung neuer Flaschen. Zum anderen werden sie zur Produktion von Polyester verwendet.
Nachteile von PET-Flaschen:
  • Laut der Deutschen Umwelthilfe werden Einwegflaschen insgesamt über eine Strecke von rund 520 Kilometern transportiert, um nach ihrer Herstellung bis zum Verbraucher zu gelangen und wieder entsorgt zu werden.
  • Wasser wird in Großanlagen im Ausland abgefüllt und von dort aus zu Discountern wie LIDL und Aldi transportiert.
  • Einwegflaschen aus PET können aufgrund des mechanischen Aufbereitungsverfahrens nur zu 50 Prozent recycelt werden: Sie werden geschreddert und geschmolzen. Daraus entstehen neue Getränkeflaschen und andere Verpackungsmaterialien.
  • Gefärbter Kunststoff kann nur noch für Textilfasern genutzt werden.
Mehrweg-Flaschen weisen eine deutlich bessere Öko-Bilanz auf. Überraschung: Dabei schneiden Plastikflaschen sogar besser ab als ihr Pendant aus Glas.
 
Eine Glasflasche kann zwar bis zu 50-mal wieder befüllt werden und eine Mehrweg‑Plastikflasche nur bis zu 20-mal. Aber Plastikflaschen sind leichter als Glasflaschen. Das reduziert den Rohölverbrauch, der beim Transport anfällt. Wer der Umwelt etwas Gutes tun möchte, sollte daher zu Getränken in Plastik-Mehrweg-Flaschen greifen. Das spart Müll und schont dringend benötigte Rohstoffe. Wer Einwegflaschen bevorzugt, sollte sich an Glasflaschen halten.
Für Verbraucher ist es allerdings nicht so einfach zu erkennen, ob es sich um eine Einwegflasche oder eine Mehrwegflasche aus Kunststoff handelt. Ein Indikator ist das erhobene Pfand:
 
PET-Einwegflaschen kosten einheitlich 25 Cent. Auf Säfte, Milch, Wein, Spirituosen und ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen wie Kartons, Schlauchbeutel und Folien-Standbodenbeutel wird kein Pfand erhoben. Bei Mehrwegflaschen beträgt die Pfandhöhe in der Regel acht beziehungsweise 15 Cent.

Erwartung und Realität

Wenn wir das Wort „Bio“ hören, erwarten wir automatisch gesunde, hochwertige und umweltfreundliche Produkte. Wir denken an Nachhaltigkeit, Recycling, unbelastete Natur, glückliche Tiere und bäuerliche Idylle. Gleichzeitig denken wir aber auch an höhere Ausgaben – Bio hat seinen Preis, so heißt es.
 
Leider zeigt die kritische Prüfung, dass „Bio“ weniger grün ist als gedacht. Pauschal urteilen lässt sich nicht. Es lohnt sich, jedes Produkt für sich unter die Lupe zu nehmen, zu recherchieren und im Anschluss eine bewusste Entscheidung zu treffen. Laut dem internationalen Forscherteam der Chalmers University of Technology ist es beispielsweise weniger klimaschädlich, ein Bio-Huhn zu erwerben, als konventionell erzeugtes Rindfleisch zu verzehren.
 
Konventionell erzeugte Lebensmittel sind qualitativ nicht unbedingt immer schlechter als Bio‑Produkte. Vor allem, wer Obst, Salat und Gemüse saisonal und regional einkauft, schont das Budget, ohne auf Top-Qualität zu verzichten. Geringe Transportwege bedeuten weniger CO2-Austoß. Das macht den Kauf von Ware aus der Region umweltfreundlicher als den Erwerb von Bio-Produkten aus Übersee. So ist etwa der Kauf von Bio-Äpfeln aus Neuseeland oder Bio-Kartoffeln aus Ägypten nicht sinnvoll, wenn in Deutschland gerade die Apfelernte begonnen hat beziehungsweise Kartoffeln Saison haben.
 
Bio-Siegel sollen Verbrauchern Orientierung bieten. Allerdings ist im Siegel-Dschungel auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen,
  • welche Label tatsächlich unabhängig und aussagekräftig sind,
  • welche Standards für eine Zertifizierung angelegt werden beziehungsweise wie hoch diese sind (Das EU-Bio-Siegel ist nicht zu vergleichen mit den deutlich strikteren Vorgaben der Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter oder Naturland.),
  • welche Instanz prüft, dass gesetzte Standards eingehalten werden.

Was prägt unsere Erwartungshaltung?

Der Werbung verdanken wir unsere unrealistische Vorstellung von glücklichen Kühen auf satten, grünen Wiesen, die den ganzen Sommer über unter blauem Himmel Sonne, Wind und frisches Gras genießen dürfen.
 
Uns wird in Fernseh-Spots, Anzeigen und auf den Produktverpackungen eine heile Welt vorgegaukelt, die wir nur zu gern glauben möchten, um unser schlechtes Gewissen angesichts des Tierleids zu beruhigen.
 
Die Realität sieht anders aus: Schätzungen zufolge sieht die Hälfte der Bio-Milchkühe zeitlebens niemals eine Weide. Immerhin bekommen sie frisches Grünfutter und dürfen sich auf einem befestigten Untergrund draußen bewegen. Aber mit dem idyllisch-verklärten Werbe-Bild hat der Alltag der Nutztiere in Bio-Betrieben häufig nicht viel zu tun.
 
Bio-Produkte bieten durchaus Vorteile:
  • Die Artenvielfalt bleibt erhalten.
  • Unser Trinkwasser wird beim Landbau nicht so stark mit Dünger belastet wie bei der konventionellen Produktion.
  • Nutztieren wird mehr Lebensraum zugestanden. Die Bio Haltung erlaubt beispielsweise höchstens sechs Legehennen auf einem Quadratmeter. Außerdem hat jede Henne Anspruch auf vier Quadratmeter Auslauffläche. Bei Freilandhaltung leben auf einem Quadratmeter Stallfläche bis zu neun Legehennen leben. Auch hier ist pro Huhn eine Auslauffläche von vier Quadratmetern vorgesehen.
  • Die Fütterung von Rindern und Schweinen ist bei Bio-Produkten in der Regel besser als bei konventioneller Fleischproduktion.