Bad Boy der Herzen Schauspieler, Autor und Regisseur

Er trinkt, er raucht, er prügelt sich und tritt unmissverständlich für seine Ziele ein. Sean Penn ist der letzte Cowboy Hollywoods. Ist das der Grund, warum die Frauen auf ihn fliegen?

Sean Penn

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Es steckt immer noch eine Menge Rebell in Sean Penn. Während er früher die Faust ausfuhr, hat er heute andere Mittel, um seiner Empörung Luft zu machen. Bestes Beispiel: sein Protest gegen die Bush-Regierung. Er flog nach Bagdad und traf sich dort mit Politikern, um gegen die Ungerechtigkeit des Irak-Kriegs zu demonstrieren. Später schaltete er für 56 000 Dollar eine einseitige Anzeige in der „Washington Post“, um die Verfehlungen von Bush & Co anzuprangern. Nachdem der Wirbelsturm Katrina über New Orleans hinweggefegt war, reiste Penn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ins Krisengebiet und zog eigenhändig Opfer aus dem Wasser. Und schimpfte wieder auf die Regierung, die viel zu spät Hilfe geschickt hatte. Für diese Hauruck-Aktionen musste Sean Penn auch Kritik einstecken, die US-Medien nannten ihn naiv. Aber die Menschen lieben ihn, weil er authentisch wirkt und eben nicht nur schnell aus Publicity-Gründen ein Waisenkind in die Kamera hält.

Es sind aber vor allem seine Filme, mit denen er als Schauspieler, Autor und Regisseur immer an der amerikanischen Hochglanzfassade kratzt. Penn verleiht Verlierern und Außenseitern ein Gesicht. Er versucht nicht, sie menschlich zu machen, er gibt ihnen nur eine erschreckende Präsenz. „Sean holt für eine Rolle alles aus sich raus“, erklärte einmal sein Freund Dennis Hopper, „wir können direkt in ihn hineinblicken. Aber danach macht er wieder dicht. Er muss seine Ecken und Kanten schützen. Das ist der Grund, warum er immer so unnahbar erscheint.“ Schon unzählige Male hat Sean Penn behauptet, die Schauspielerei an den Nagel hängen zu wollen. Aber dann kommt wieder eine Drehbuchfigur, die ihn reizt, weil sie die Welt ein bisschen verändern könnte.

Sean Penn hat seine Prinzipien. „Es gibt Filme, die uns bloß mit Träumen versorgen. Und es gibt solche, die einen Traum mit uns teilen.“ Für Kollegen, die ihr Gesicht für dümmlichen Schund hinhalten, hat er kein Verständnis. So lästerte er über Nicolas Cage: „Der sollte sich nicht mehr Schauspieler nennen, sondern Darsteller.“ Umso mehr muss es ihn treffen, dass ausgerechnet sein großes Vorbild Robert De Niro putzige Katzenpipi-Komödien wie „Meine Braut, ihr Vater und ich“ dreht. Nach seinem Oscar-Gewinn für die Rolle des homosexuellen Bürgerrechtlers Harvey Milk, konstatierte Penn trocken: „Wer hätte gedacht, dass ich mal als schwuler Posterboy ende – und Robert De Niro als Amerikas erfolgreichster Komödienstar.“

Schlagworte: