Star-Porträt Interview mit Kate Moss

Über ihre Hochzeit will sie nicht reden. Okay. Aber auch sonst macht sich Kate Moss gerne rar. Warum eigentlich? Petra-Autorin Bryony Gordon begibt sich in den schrägen Kosmos eines Supermodels.

Kate Moss

Manche Leute glauben, dass Kate Moss keine Interviews gibt, weil ihr rotziger Südlondoner Akzent an ihrem Glamour-Image kratzen könnte. Andere wiederum behaupten, dass sie einfach nichts zu sagen hat. Oder dass das, was sie zu sagen hat, so ungeheuer dekadent klingt, dass es besser ist, wenn sie die Klappe hält. Die bekanntesten Zitate von Kate Moss sind tatsächlich eher, nun ja, banal. Beispiele gefällig? „Klamotten sind meine große Leidenschaft.“ Oder: „Ich bin sicher, dass es Fotos von mir gibt, die mir nicht gefallen. Aber im Moment fällt mir keins ein.“ Und natürlich das Mantra aller Magermodels: „Nichts schmeckt so gut, wie sich Dünnsein anfühlt.“

Vielleicht, damit sie nichts dergleichen von sich gibt, ist das Interview, das im Hotel „Ritz“ in Paris stattfinden soll, mit etlichen Einschränkungen verbunden: Ich darf Kate Moss exakt 20 Minuten lang sprechen. Ich bin nicht allein – zwei Kolleginnen aus der Türkei und Portugal sind auch dabei. Tabu sind folgende Themen: ihre Hochzeit, ihre Tochter, ihr Privatleben. Und vor dem Interview möchte sie meine Fragen bitte schriftlich haben.

Leider eine gängige Prozedur in der Liga der Superberühmten. Was das im Vorfeld bedeutet, ist klar: Wirklich spannende Anekdoten bleiben uns Normalsterblichen vorenthalten. Und das ist gerade bei Kate eine Schande – was sie erlebt hat, dürfte eine ganze PETRA füllen. Einmal gelang es einem Reporter, sich auf ihre 30. Geburtstagsparty einzuschleichen. Hinterher beschrieb er mit leuchtenden Augen, wie das Fest in eine Orgie ausartete … Aber gut, 20 Minuten mit Kate Moss sind besser als gar kein Interview. Ich schicke ihr meine Fragen. Die Antwort kommt prompt zurück. Miss Moss möchte leider auch nicht darüber sprechen, wo sie sich in zehn Jahren befinden wird und ob sie sich vor dem 40. Geburtstag fürchtet. Viel Gesprächsstoff bleibt da nicht übrig. Dafür habe ich, als es endlich so weit ist, Kate zu treffen, gehörig Bammel und kaue an meinen Nägeln.

Um die Atmosphäre ein bisschen aufzulockern, habe ich ein Geschenk im Gepäck: ein Glas Marmelade, denn angeblich liebt Kate Moss Marmelade. Als ich im „Ritz“ eintreffe, wird mir gesagt, dass sie sich um 30 Minuten verspätet. „Sie wird gerade geschminkt“, erklärt das gehetzt wirkende PR-Mädchen. Es bringt mich in die wohl luxuriöseste Wartehalle der Welt: eine Suite, von der aus man den sagenumwobenen Hotelgarten bewundern kann. Neben mir warten noch Journalisten aus Russland, Amerika und China, die um die ganze Welt gereist sind, nur um Kate Moss sprechen zu hören. „Fünf Minuten noch!“, ruft das PR-Mädchen nach einer halben Stunde. Ein paar von uns entschließen sich, einen Spaziergang durch den Garten zu machen. „So langsam werde ich echt nervös“, sagt ein Kollege aus Italien und hämmert mit seinen manikürten Nägeln auf den Marmortisch.

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