Nora Tschirner, Interview "Meine Ex-Freunde sind alle ok"

Sie wirkt süß und ein bisschen tollpatschig – bis sie den Mund aufmacht. Im PETRA-Interview beweist Nora Tschirner (jetzt in „Zweiohrküken“): Sie ist unser smartester Kinostar!

Nora Tschirner im Interview

Meine Ex-Freunde sind alle ok

Haben Sie sich schon mal nach einem Ex zurückgesehnt, weil Sie gedacht haben: Och, der war doch ziemlich okay?
Nö. Meine Ex-Freunde sind alle okay, aber dass ich noch mal zu einem zurückwollte? Nee, das gab’s nicht.

Dabei werden Beziehungen im Rückblick doch gerne mal verklärt …
Das stimmt, aber man sollte sich dann auch gleich fragen, was dahintersteckt. Wenn die Perspektive sich so verändert, dass man seinen Fokus auf eine Ex-Beziehung legt, dann sagt das ja eher was über die aktuelle Beziehung aus. Das ist dann eine kleine Flucht,unddarumsolltemansich in dieser Situation lieber mit der aktuellen Beziehung beschäftigen. Man sollte nicht alte Dinge aufwärmen und an der falschen Stelle suchen.



Sie haben mal gesagt, dass Männer keine „Wimmernudeln“ sein dürfen …
Frauen übrigens auch nicht. Ich finde Wimmernudeln grundsätzlich doof …

Das könnte ein Mann natürlich als Freibrief auffassen, dass Chauvinismus doch okay ist.

Wenn er doof ist, stellt ihm das natürlich einen Freibrief aus. Aber dann gerät er ja direkt ins Fahrwasser eines anderen Extrems, und das ist genauso blöd. Ich finde jegliche Arten von Extremenunglaubwürdig. Außerdem: Wenn jemandeineWimmernudelist, dreht er sich in dem Moment mit ziemlicher Sicherheitumsich selbst. Wenn das dann in einer Beziehung passiert, man rumheult und einem alles zu viel ist, dann ist das in meinen Augen eine sehr unangenehme Form von Egoismus.  

Wenn man Ihnen so zuhört, wirken Sie unglaublich aufgeräumt, smart und witzig. Können Sie auch eine richtige Nervensäge sein? Früher konntem an mich bestimmt sehr anstrengend finden. Mittlerweile ruhe ich mehr in mir. Ansonsten kann ich sicher auch anstrengend sein,wenn man sich mit mir auf ein „näheres Abhängigkeitsverhältnis“, also auf eine Beziehung, einlässt. Ich korrigiere: Wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, bin ich fordernd – aber ich würde nicht „anstrengend“ sagen.  

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat Sie mal als „Vorzeigefigur der popkultivierten Post-Wiedervereinigungs- Jugend“ bezeichnet …
Das möchte ich noch mal unterstreichen! Steht auch so in meinem Ausweis.

… und dass in Ihrem Zusammenhang der Begriff „rotzfrech“ nicht fehlen darf. Das war allerdings schon vor gut vier Jahren. Hat sich die öffentliche Wahrnehmung inzwischen geändert?

Keine Ahnung, ich hab ja schon damals nicht verstanden, was das heißen soll. Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, wie mich die Öffentlichkeit sieht. Ich kann das nicht so vonaußen betrachten, und dann genau meinen Status quo definieren. Was meine Arbeit betrifft, verfolge ich keinen Image-Plan. Ich mache das, worauf ich Lust habe. Ich muss zufrieden sein mit dem, was ich mache.

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