Audrey Tautou, Interview Coco Chanel wollte sich frei bewegen

Die fabelhafte Welt der Amélie“ machte Audrey Tautou über Nacht zum Welt-Star. Jetzt spielt sie „Coco Chanel“ – und gab PETRA ein exklusives Interview in Berlin

Amelie

Coco Chanel wollte sich frei bewegen

Ihre Ähnlichkeit mit der jungen Coco Chanel verblüfft. War Ihnen das schon vor Drehstart bewusst?
Das liegt daran, dass wir beide aus der Auvergne stammen. Dort sehen viele Frauen so aus. Sie durften bei der Arbeit jeden Tag Chanel-Kleider tragen. Dafür würden andere Frauen ihre Großmütter verkaufen... Das waren nicht die Originale, wir haben sie nachschneidern lassen. Aber tatsächlich spielen die Kleider im Film die Hauptrolle.
Nichts eignet sich besser, um Coco Chanel zu charakterisieren: Sie wollte sich bewegen und atmen – und hat nebenbei die Frauen-Mode revolutioniert. Vor Coco Chanel diente Kleidung dazu, Reichtum und Ansehen zu demonstrieren. Frauen mussten sich in Korsetts zwängen und wurden wie Weihnachtsbäume dekoriert. Coco Chanel war klug, modern und sehr aufmerksam. Sie hat gesehen, dass diese Mode nichts mit Eleganz und Anmut zu tun hatte. Das kommt nämlich von innen. Also erfand sie einen neuen Stil.

War Coco Chanel eine Feministin?
Sie kam aus ärmlichen Verhältnissen und wollte es unbedingt zu etwas bringen. Am Anfang suchte sie den Erfolgals Sängerin oder Schauspielerin. Als das nicht klappte, wurde sie Mode-Designerin. Sie strebte nach Unabhängigkeit, das war ihr Antrieb.

Was fasziniert Sie an der Person Coco Chanel am meisten?
Sie hat nie über ihre schreckliche Kindheit im Waisenhaus gesprochen. Stattdessen hat sie für sich eine komplett andere Biografie erfunden. Ihr Stolz war zu groß: Sie hätte es nicht ertragen, wenn jemand sie bemitleidet hätte. Sie wollte den Leuten auf Augenhöhe begegnen. Coco Chanel hat viele traumatische Erlebnisse verdrängt, vielleicht wirkte sie deshalb so mysteriös.  

Als sie 1971 in ihrer Suite im Pariser Hotel „Ritz“ starb, stand sie auf dem Zenit ihres Erfolges.
Und war allein.
Glauben Sie, dass sie in ihrem Leben nicht doch etwas vermisst hat?
Schwer zu sagen. Nachdem ihre große Liebe Boy Capel bei einem Autounfall ums Leben kam, hat sie sich in die Arbeit gestürzt.Vielleicht wäre sie auch als Ehefrau und Mutter glücklich geworden. Ich glaube aber, das wäre ihr zu wenig gewesen. Ihr Wunsch, etwas aus ihrem Leben zu machen, hätte sie irgendwann wieder eingeholt. Sie war zwar einsam, als sie starb, aber sie hatte ein erfülltes Leben.Und mit 87 Jahren, das darf man auch nicht vergessen, überlebt man eben viele Freunde.

Autor: Iris Soltau

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