16. März 2010
Selbst ist die Braut - Interview mit Sandra Bullock

Selbst ist die Braut - Interview mit Sandra Bullock

 Hollywood-Darling Sandra Bullock sprach mit uns über ihre neue romantische Komödie „Selbst ist die Braut“ und entpuppte sich nebenbei als patente Handwerkerin, die lieber in den Werkzeugkasten als zum Champagner-Glas greift 

Sandra Bullock
© Filmbilder
Sandra Bullock

PETRA: Würden Sie vor einem Mann niederknien wie in „Selbst ist die Braut“?

Sandra Bullock: Das habe ich nie getan. Allerdings konnte ich mir auch lange nicht vorstellen, überhaupt zu heiraten. In der Komödie soll eine Zweckehe Sie vor der Abschiebung nach Kanada bewahren.

Käme so etwas für Sie in Frage?

Sandra Bullock: Niemals. Dafür bin ich ein viel zu großer Angsthase. Schon der Gedanke daran, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, versetzt mich in Panik. Ich wäre sicher ein totales Nervenbündel, kenne aber welche, die das gemacht haben. Einige arrangierten sich dabei so gut, dass daraus letztlich eine bessere Ehe wurde als bei einer „echten“ Verbindung.

Was bedeutet die Ehe für Sie?

Sandra Bullock: Sie ist zu wichtig, als dass ich sie für so etwas benutzen würde. Das ist ja wie eine Geschäftsbeziehung. Ich habe aus komplett anderen Gründen geheiratet.

Zwischen Ihnen und Ihrem Film-Partner Ryan Reynolds schien die Chemie aber auch zu stimmen…

Sandra Bullock: Oh ja. Ich kenne ihn seit vielen, vielen Jahren. Wir waren schon zusammen im Urlaub und haben uns gegenseitig durch unterschiedlichste Beziehungsphasen begleitet. Im wirklichen Leben gehen wir sehr ungezwungen miteinander um und vor der Kamera können wir sehr gut improvisieren. Das ist ein Luxus besonders, wenn nackte Körper aneinander prallen sollen!

Sie spielen auf Ihre erste Nacktszene an. Waren Sie nervös?

Sandra Bullock: Dafür blieb keine Zeit. Ich musste mich mit einem elf Monate alten Hund abstimmen und nebenbei Föhn und Waschlappen koordinieren. Dann knallen Ryan und ich völlig nackt zusammen. Bei so was muss man sich wohl in seiner Haut fühlen, immerhin steht das ganze Film-Team um dich herum. Ich mag meinen Körper, aber es ist trotzdem keine große Freude, nackt vor derKamera herumzuspringen.

Die Szene war also…

…einschüchternd. Laufen Sie mal mit einem winzigen Stück Handtuch vor den „private parts“ herum. Anfangs ist das furchtbar, aber nach der achten Stunde willst du die Szene nur noch im Kasten haben. Da interessiert sich aus der Crew ohnehin niemand mehr für deinen nackten Hintern. Aber es gab Szenen, die viel anstrengender waren.

Zum Beispiel?

Der Fall in eiskaltes Wasser. Dabei habe ich meinen Körper etwas unterschätzt. Ich konnte beim zweiten Take nicht mehr atmen, und sie mussten mich aus dem Wasser heben. Mir blieb wortwörtlich die Luftweg. Naja, und dann waren da noch diese verdammten Stilettos…Respekt, wie sicher Sie damit laufen.

Hört sich aber so an, als würden Sie privat keine solchen High-Heels tragen.

Diese Höhe ist mir wirklich zu extrem. Aber ich muss zugeben, dass ich Schuhe und schöne Kleidung liebe, obwohl ich keine Mode-Sklavin bin. Mein Stil ist sehr launenabhängig. Ich mag großartige Vintage-Stücke und moderne Designer- Kleider, fühle mich in Jeans und Boots jedoch ebenso wohl…

…und anscheinend auch in einer Kochschürze. Sie eröffnen bald ihr zweites Restaurant in Austin, Texas.

Das „Waltons“ ist ein alter Laden, den habe ich schon vor Jahren gekauft. Das Gebäude ist wunderschön und frisch renoviert. Momentan kümmere ich mich um alle Genehmigungen und hoffe, dass wir das nötige Zertifikat bekommen, damit es mit der Bäckerei und Konditorei losgehen kann. Diese ganze Warterei ist für einen Kontroll-Freak wie mich schlimmer als jede Nacktszene.

Backen Sie auch selbst?

Das mache ich seit Jahren. Ich besitze schon lange ein Bistro, das „Bess“, in dem wir nur lokale und Bio-Produkte verwenden. Meine Schwester ist Konditor-Meisterin, und in meiner Küche finden alle Koch- und Back-Experimente statt. Die besten landen dann auf der Karte.

Klingt nach viel Spaß und wenig Hollywood-Glamour.

Ich habe noch ein ganz anderes Leben, das parallel existiert und nichts mit Film zu tun hat. Die beiden Welten sind nur insofern miteinander verbunden, als dass ich mit der einen die andere finanziere. Meine Leidenschaft und Liebe gilt momentan dem neuen Laden.

Eigentlich sollen Sie ja über Ihren neuen Film sprechen…

…und mir schießen tausend andere Dinge durch den Kopf, die damit überhaupt nichts zu tun haben. Da fällt mir ein, ich muss mich dringend darum kümmern, dass die Gasleitungen der Bäckerei angeschlossen werden und dass der Sommelier alles Wichtige hat, um loszulegen.

Sie sind in Nürnberg aufgewachsen, zogen als Teenager in die USA zurück. Verbindet Sie noch etwas mit Deutschland?

Sandra Bullock: Ja, Deutschland wird für mich immer wichtig sein. Es war eine schöne Zeit, und ich fühle mich dort sehr wohl. Leider besitze ich mittlerweile keinen deutschen Pass mehr. Den musste ich mit 18 abgeben. Mich ärgert das sehr, ich hätte am liebsten beide Pässe.

Und was vermissen Sie aus Deutschland am meisten?

Sandra Bullock: Eine Sachen kann man in den USA nicht kaufen: original Nürnberger Bratwürste! Diese ganz spezielle Sorte, die bereits vorgeröstet und einfach nur perfekt ist. Von denen kann ich nie genug bekommen.Deshalb ist es auch ein traditionelles Abendessen bei uns zu Hause.

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