13. April 2011
Shopping-Paradies Amsterdam

Shopping-Paradies Amsterdam

Die Hauptstadt der Niederlande gilt derzeit als Shoppingmetropole Nummer eins. PETRA-Autorin Meike Werkmeister hat sich zwischen Grachten und Hausbooten auf die Suche nach dem perfekten Paar Stiefel gemacht. Eigentlich eine hoch konzentrierte Mission – aber diese Stadt lenkt ab.

Grachten
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Grachten

Eigentlich wollte ich nach Italien. Schuhe kaufen, wo geht das besser als in Italien? Bis eine Freundin mir riet: „Flieg doch nach Amsterdam, da kann man am allerbesten einkaufen.“ Wenn jemand früher sagte: „Wir fahren zum Einkaufen nach Holland“, hieß das übersetzt: „Wir wollen Gras über die Grenze schmuggeln.“ Aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Also auf nach Amsterdam.

Schuhladen
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Schuhladen United Nude:

Wer richtig shoppen will, muss sich vorbereiten. Ich habe einen Masterplan erstellt – alle wichtigen Shoppingmeilen Amsterdams werde ich abklappern. Mein erster Eindruck: Die Hauptstadt der Niederlande ist zwar mit über zwei Millionen Einwohnern eine Großstadt, aber in ihren zentralen Bezirken so übersichtlich, dass man alles zu Fuß erreichen kann. Durch ihre idyllischen Kanäle, alten Kaufmannshäuser und schnuckeligen Kopfsteinpflaster-Gassen wirkt sie so gemütlich wie ein Dorf. Mit dem feinen Unterschied, dass Amsterdam alles zu bieten hat, was eine Metropole braucht: relevante Museen, sehenswerte Architektur, eine spannende Gastroszene – und jede Menge Möglichkeiten zum Geldausgeben.

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Schuhladen
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Meike bei Antonia by Yvette:

Ich beginne meinen Shopping-Spaziergang in der Innenstadt. Je näher man Amsterdams Herzen, dem imposanten Dam-Platz mit seinen mittelalterlichen Bauten, kommt, desto dichter werden die Massen. Die Sprachfetzen, die man aufschnappt, werden internationaler – allerdings nimmt auch die Menge der Einkaufstüten zu, die mir gegen die Waden geknallt werden. Kein Wunder, dass die Fußgängermeile Kalverstraat beim holländischen Monopoly die Schlossallee ist – hier wird ordentlich Geld verdient. Weltweite Bekleidungsketten reihen sich Hunderte von Metern lang aneinander. Ganz ehrlich? Richtig schön ist es hier nicht. Aber zwischen all dem Mittelmaß finde ich ein Highlight: Betsy Palmer hat eine riesengroße Auswahl an Schuhen – fast zu groß, um sich zu entscheiden. Während ich ein Paar Schnür-Stiefeletten anprobiere, bemerke ich, dass auf dem Stuhl neben mir ein Papagei sitzt. Ein echter. „Er spricht nur holländisch“, sagt seine Besitzerin, die gerade Clogs mit Holzsohlen anprobiert. Währenddessen zerfetzt ihr anderer Begleiter, ein Border Collie, die Pappe aus den Schuhkartons. Eine kleine Papierkugel legt er mir vor die Füße, die sich gerade in cognacfarbenen Stiefeln der italienischen (!) Marke Janet&Janet befinden. Mein Urteil: Den Hund würde ich sofort nehmen, bei den Schuhen muss ich noch mal überlegen.

Shopping-Pause
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Auf Shoppingtour:

Vielleicht habe ich mehr Glück in der Haarlemmerstraat, einer angesagten Gegend in der Nähe des Bahnhofs. Und hier sieht es schon mehr nach meinem Geschmack aus: Bunt gekleidete Verkäuferinnen lehnen in den Eingängen von Secondhandläden, coole Amsterdamer sitzen mit ihren Laptops in Couch-Cafés oder holen sich ihre tägliche Portion Antioxidantien in Form eines Weizengrassaftes bei Jay’s Juice. Ich stelle fest: Essen kann man in dieser Straße besonders gut. Im Feinkostgeschäft Meeuwig & Zn. stehen riesige Fässer mit Olivenöl, Regale voller Pesto, Chutneys und Antipasti, die man am besten gleich mitnimmt und auf einer Bank verspeist. Nebenan im Mondo Mediterraneo werden in der offenen Küche italienische Häppchen zubereitet, die man aus einer Glastheke auswählen kann. Ich brauche jetzt mal eine Pause und gönne mir auf den weiß getünchten Stühlen Saltimbocca mit Büffelmozzarella-Pasta.

Caulils Delicatessen
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Caulils Delicatessen:

Danach schlendere ich Richtung Jordaan. Das relaxte Wohnviertel im Westen versprüht einen echten Underdog-Charme, besticht durch bunt bewachsene Hinterhöfe und einige hübsche Cafés mit Vorstadtcharakter. Das Allertollste entdecke ich aber im Kaffee Winkel am Noordermarkt. Das Café ist nämlich berühmt für seine zimtig-lauwarme Appeltaart (Apfelkuchen), die immer frisch gebacken wird. An Markttagen stehen die Leute für so ein Stück Kuchen Schlange – ich verstehe bestens, warum.

Abends laufe ich die hochherrschaftliche Prinsengracht entlang, die Lichterketten ihrer Brücken spiegeln sich im Kanalwasser. Jedes der schiefen Giebelhäuser hier sieht anders aus, hat andere Backsteine, Fensterfronten und lackierte Holztüren. Bei jedem zweiten frage ich mich: „Was ist das denn für ein cooles Restaurant?“, nur um dann festzustellen, dass ich gerade einer Wohngemeinschaft beim Abendbrot in ihrer offenen Küche zuschaue. Oder einem Werberpärchen beim Fernsehen auf ihrem cremefarbenen Designersofa. Stilsichere Inneneinrichtung gehört anscheinend genauso zu Amsterdam wie ein striktes Vorhang-Verbot, sehr zur Freude von neugierigen Spaziergängern wie mir.

Meeuwig & Zn.
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Delikatessenladen Meeuwig & Zn.:

Am nächsten Morgen liegt feiner Nebel über den Grachten. Jede Menge Fahrräder rasen an mir vorbei, teilweise wüst angepinselt oder geschmückt mit Blumenketten und bunten Perlen in den Speichen. Auf ihnen sitzen Geschäftsfrauen in hellen Hosenanzügen, Männer mit Krawatten und Aktenkoffer im Korb, Mütter mit drei Kindern in einer Art Schubkarre vorn dran. Man kommt sich hier zu Fuß ähnlich blöd vor wie in einer amerikanischen Kleinstadt. Vor allem, weil man als Tourist ständig (freundlich!) angeklingelt wird, weil man im Weg steht. Vielleicht ist Bootfahren besser?

Frühstück
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Leckees Frühstück:

Ich buche die obligatorische Grachtentour – zusammen mit einem deutschen und einem französischen Rentner-Ehepaar. Die jüngeren Touristen schlafen dann ihren Rausch aus, den sie sich die Nacht zuvor im legendären Rotlichtviertel zugezogen haben. Vom Wasser aus sieht die Stadt noch bezaubernder aus. Wir passieren unzählige kleine Brücken, moosbewachsene Kaimauern, Hausboote, auf denen gerade die Wäsche aufgehängt wird, und eine lange Schlange von Wartenden vor dem Anne-Frank-Haus. Als Nächstes kommen wir am Hafen vorbei, wo Fähren die Pendler nach Amsterdam Noord bringen und hypermoderne Bürokomplexe in den diesigen Himmel ragen.

Goodies Café
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Goodies Café:

Schon vom Boot aus habe ich gesehen, dass ich mir den Höhepunkt zu Recht bis zum Schluss aufbewahrt habe: den westlichen Grachtengürtel mit seinem Kultviertel Negen Straatjes (neun Straßen). Hier erfüllt Amsterdam alle meine Erwartungen: bezaubernde Altbauten, überall Wasser, winzige Galerien, charmante Menschen. Besonders die Huidenstraat hat es mir angetan. Unfassbar lässige Frauen sitzen hier mit Typen in Röhrenjeans und Nerdbrillen in Straßencafés und blättern in Szenemagazinen. Verkäuferinnen, Kellnerinnen, Männer mit Hüten auf Fahrrädern – alle in diesem Viertel sehen aus wie für eine Streetstyle-Fotostrecke gecastet.

Nur logisch, dass sich hier eine individuelle Boutique an die nächste reiht. In einigen von ihnen stehen die jungen Designerinnen sogar selbst an der Ladentheke und beraten die Kundschaft. Linda Creemers etwa bei Dutchies. Die Amsterdamerin designt schicke Ledertaschen in allen erdenklichen Farben. Das Besondere: „Jede von ihnen existiert nur zehnmal.“ Sie erklärt es mir mit dieser typisch holländisch-offenen Freundlichkeit, die mir hier überall begegnet. Coolness, so viel wird mir klar, findet man hier lediglich in Form von Outfits, nicht im Bezug auf Umgangsformen.

La Rosa Curiosa
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La Rosa Curiosa:

Auch Ellen Benders ist so, eine weitere holländische Designerin, die ich im In-Store Young Designers United treffe. Der Laden wurde gerade zum besten neuen Shop der Stadt gewählt. Neben Ellens Label „Dress’d“ werden hier die Kollektionen vieler anderer Nachwuchsdesigner zu erschwinglichen Preisen angeboten – alles kein crazy Kram übrigens, sondern überraschend tragbar. Ellen Benders lässt sich bei ihren taillierten Kleidern von der Mode ihrer Mutter aus den Fünfzigern inspirieren: „Und von Kleidern für kleine Mädchen.“

Und, ja, ich finde hier Schuhe. „Antonia by Yvette“ ist ein hübscher Eckshop am Ufer der Herengracht, in dessen Schaufenstern sich hochwertige Schnürschuhe auf kleinen Plateaus im Kreise drehen. Echt holländisch ist Fred de la Bre tonière. Die klassischen Boots, Pumps, Ballerinas und Halbschuhe aus pflanzlich gegerbtem Leder werden in Amsterdam entworfen und hergestellt. Ich probiere ein Paar in hellgrauem, butterweichem Wildleder zum Knoten an. Fast noch entzückender als die Stiefel ist Verkäufer Koos, der mir hilft, die Schmuckstücke zu wickeln. Sein holländischer Akzent klingt so niedlich, dass ich ihn gern auf einen Kaffee ein - geladen hätte. Wäre er nicht erst 19.

Also lieber noch auf einen Sprung ins Schuhparadies Daniele Dentici, ein Shop voller supermoderner Lederschuhe in allen Farben und Formen. Ein Paar Ankleboots in Knallrot mit Mörderabsatz haben es mir angetan. Ich laufe damit, so gut es geht, auf und ab, den Blick auf die Gracht draußen gerichtet, auf die jetzt die Sonne scheint. Es ist nicht besonders warm draußen, trotzdem ist die ganze Café-Terrasse vor den Schaufenstern voller gut gelaunter Menschen. „Sind das holländische Schuhe?“, frage ich den Verkäufer. Er lächelt milde. „Nein, alle unsere Modelle kommen aus Italien.“ Egal, denke ich und gehe zur Kasse. Schöner könnte es da auch nicht sein.

Anreise

KLM fliegt von vielen deutschen Städten direkt nach Amsterdam. Ab 89 Euro für Hin- und Rückflug inklusive Gebühren, www.klm.com

Kunst & Kultur
Amsterdam hat so viele tolle Museen, dass ein Wochenendtrip nicht ausreicht. Besonders sehenswert: das Van Gogh Museum (Paulus Potterstraat 7, www.vangoghmuseum.nl) und das Anne-Frank-Haus (Prinsengracht 263–267; am besten vorher Tickets online kaufen: www.annefrank.org). Infos über alle Sehenswürdigkeiten unter www.niederlande.de. Wer viel unternehmen will, für den lohnt sich eine Amsterdam Card für 58 Euro pro Person. Darin enthalten sind Museumseintritte, Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, eine Grachtenbootstour (ein Muss für jeden Amsterdam-Besucher) und viele Ermäßigungen. Infos: www.iamsterdam.com

Übernachten
Das Mercure Amsterdam Arthur Frommer liegt versteckt in einem ruhigen Hinterhof in Fußnähe zu allen wichtigen Shoppingspots. Das Boutique-Hotel wurde kürzlich renoviert und bietet eine bestechende Mischung aus altem holländisch-relaxten Stil und modernen Luxus-Details. Ab 100 Euro/Nacht. Noorderstraat 46, www.mercure.com

Brücke
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Brücke in Amsterdam:

Shoppen

  • Concrete Image Store Mischung aus Kunstinstallation und Streetstyle-Fashion. Spuistraat 250, www.concrete.nl
  • United Nude Schuhe wie Kristalle oder Absätze in Raumschiffform. Für Mutige – und für alle, die auf futuristische Shops stehen. Spuistraat 125 A, www.unitednude.com
  • La Rosa Curiosa Echter Mädchenladen mit Fifties-Röcken und Haarbändern, das meiste davon in Rosa, versteht sich. Spuistraat 181 B, www.larosacuriosa.com
  • Betsy Palmer Bester Schuhladen in der Innenstadt mit großer Auswahl von trendy bis zeitlos. Rokin 9–15, www.betsypalmer.com
  • Goods Gut sortierte Auswahl an bekannten Marken wie French Connection oder Nudie Jeans. Huidenstraat 16
  • Velour Neues schwedisches Label mit tollen Blusen, Kleidern und pastellfarbenen Stoffhosen. Huidenstraat 14, www.velour.se
  • Dutchies Die Amsterdamer Designerin Linda Creemers macht schöne Taschen in mutigen Farben. Runstraat 27
  • Young Designers United Nachwuchsdesigner zu erschwinglichen Preisen. Keizersgracht 447, www.ydu.nl
  • Antonia by Yvette Hochpreisige Markenschuhe in hübschem Ambiente. Gasthuismolensteeg 18, www.antoniabyyvette.nl
  • Fred de la Bretonière Klassiker, designt und hergestellt in Amsterdam. Sint Luciensteeg 20, www.bretoniere.nl
  • Daniele Dentici Typisch italienische Schuhe. Keizersgracht 453

Essen & Ausgehen

  • Mondo Mediterraneo Italienisches Deli auf der szenigen Haarlemmerstraat. Haarlemmerstraat 68, www.mondomediterraneo.com
  • Kaffee Winkel Bester Apfelkuchen der Stadt – vielleicht sogar der Welt. Noordermarkt 43
  • Café Morlang Schickes Kaffeehaus in bester Shoppinglage – und eine Terrasse direkt am Wasser. Keizersgracht 451, www.morlang.nl
  • Koffiehuis De Hoek An karierten Tischdecken sitzen Einheimische mit Tageszeitung und heißer Schoki mit Sahne, garniert mit frischem Pannenkoeken. Prinsengracht 341
  • Meeuwig& Zn. Delikatessenladen mit riesigen Fässern voller Olivenöl, Regalen voller Pesto und frisch zubereiteten Antipasti, die sich wunderbar zum Verzehren auf einer der Bänke an der benachbarten Brouwersgracht eignen. Haarlemmerstraat 70, www.meeuwig.nl
  • Café de Barones In diesem gemütlichen Eckcafé lungern Gruppen von Hipstern auf Kissen um schwere Holztische. Torensteeg 2
  • Caulils Delicatessen Riesige Käseräder, Wein, Schinken zum Mitbringen. Haarlemmerstraat 115, www.caulils.com
  • Goodies Angesagtes Café mit knackigen Broodjes (Sandwiches) und Salaten. Huidenstraat 9, www.goforthegoodies.nl
  • Today’s Laut eigenem Slogan gibt es in diesem Deli das beste italienische Essen der Stadt. Zum Sofort-Essen, Mitnehmen und sogar als Kochkurs. Saenredamstraat 26HS, Today's bei Facebook
  • Jay’s Juice Alles, was sich auspressen lässt, bekommt man in diesem Saftladen serviert. Haarlemmerstraat 14
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