29. November 2011
Reise nach Oman

Reise nach Oman

PETRA-Autorin Stefanie Lindenberger machte sich auf in den Orient und fand dort einen Mix, aus dem Märchen sind: glutrote Wüste, Muscat, die leuchtende Stadt am Meer und Orientzauber auf der Haut.

Oman
© istockphoto
Oman

Wenn der Mond freihat, müssen die Sterne seinen Job erledigen. „Du hast großes Glück, dass du in einer solchen Nacht hier bist. Das sind die strahlendsten“, sagt Mohamed. Es ist kurz nach zehn in dieser Neumond- Nacht in der Wahiba-Wüste. Mohamed ist unser Fahrer. Er heißt wie ungefähr jeder fünfte Mann hier in Oman. Darum tragen die vielen Mohameds Beinamen, wie etwa der Mohamed mit den vielen Locken, der schwarzen Brille, den kleinen Grübchen. Neben mir sitzt Mohamed mit den freundlichen Augen. Er legt mir eine Decke und ein Kissen in den Sand auf den Kamm der Düne. Ich schaue in den Himmel und habe das Gefühl, als könnte ich die Sterne anfassen und abschrauben. Ich lausche, höre keinen Wind, kein Wort. Das Lauteste hier ist mein eigener Atem. So klingt das große Nichts. Mein Blick verliert sich irgendwo auf der Milchstraße. Es war immer mein Traum, einmal in der Wüste zu schlafen. Meine Zehen bohren sich in den Sand. Der ist noch warm von den 45 Grad des Tages. Ich habe ein Bett im „1000 Nacht Camp“, einem kleinen Zeltdorf am Fuß der Dünen. Doch irgendwie erscheint mir diese Nacht zu kostbar, um auch nur eine Sekunde mit Schlaf zu verschwenden.

So sitze ich in der endlosen Stille, bis der erste Sonnenstrahl über die Sandhügel blitzt. Erst dann steige ich hinab und begrüße den neuen Morgen im Pool des Camps. „You are in the desert, please save water“, steht auf einem Holzschild neben der Dusche. Okay, mache ich. Aber das Wasser im Pool fließt ja nicht weg. Ich tauche ein und denke: Ich habe um halb fünf morgens schon lange nicht mehr etwas so Verrücktes gemacht, wie irgendwo in Arabien mitten in der Wüste schwimmen zu gehen.

Ich bin ein Orient-Einsteiger – zum allerersten Mal auf der arabischen Halbinsel. Ich kenne weder die Superwolkenkratzer von Dubai noch die Scheichpaläste der Saudis. Ein wenig Weihrauch-Gezauber würde schon reichen, dass ich mich schon wie Sheherazade fühle. Aber das Sultanat Oman mit den schroffen Bergen, den grünen Oasen, felsigen Küsten und weißen Städten greift da tiefer in die Zauberkiste. Schon die Geschichte des Sultans von Oman klingt wie der Plot eines (blitzsauberen) Märchens. Seit mehr als 40 Jahren ist Sultan Qaboos der über alles geliebte absolute Herrscher hier. Sein Volk hat es gut. Einmal im Leben bekommt jeder Sohn des Landes vom Sultan ein Grundstück geschenkt, damit er ein Zuhause bauen kann und eine Familie gründen. Aber Sultan Qaboos hat auch ein paar Eigenheiten, die eher an einen exzentrischen Hollywood-Star erinnern. Alle Häuser seines Landes erstrahlen sandfarben oder weiß, weil er nur die Farben des Lichts für den Bau zulässt. Vor ein paar Jahren beschloss er eine Verschönerungsverordnung. Seitdem stehen überall hübsche Brunnen und Bushaltestellen mit orientalischen Dächern – selbst an Straßen, an denen nie ein Bus fährt. Mohamed hat schon oft 30 Euro Strafe bezahlt, weil er seinen Jeep ungewaschen durch die Straßen lenkte. Denn dreckige Autos kann der Sultan auch nicht leiden. So sehen die vielen blütenweißen SUVs vor der Kulisse des immerblauen Meeres wie frisch ausgepackte Spielzeugautos aus. Überhaupt wirkt die Landschaft oft wie eine knallhart geplante Orient-Kulisse. Würde Laurence von Arabien mal vorbeireiten, müsste ein Kameramann nur draufhalten und er hätte die Szene im Kasten.

Nach dem Bad in der Wüste packen wir unsere sieben Sachen und fahren durch das Hajar-Gebirge zurück in die Hauptstadt Muscat. Selbst in den entlegensten Oasen haben die iPhones Empfang. In den Straßen laden die Männer arabische Apps. Die Frauen sind moderat verschleiert, hier und da entdeckt man den neuesten Lippenstift-Trend oder einen coolen Nagellack auf den Zehen unter den bodenlangen Kleidern. Alle verstehen und sprechen Englisch. Als Mohamed einem kleinen Jungen erzählt, dass wir aus Deutschland sind, strahlt der und sagt: „Oh, then you know Michael Ballack.“ Alle kleinen und großen Jungs hier lieben die Bundesliga und schauen sie jeden Samstag. Die Omanis gelten als die freundlichsten und entspanntesten Araber der Erde. Die Männer sind groß, hübsch. Mohamed sieht ein bisschen aus wie Will Smith. Manche sind mit zwei Frauen verheiratet. Weil in den besseren Kreisen die Ehen noch arrangiert werden. Und Männer, die es sich leisten können, dazu irgendwann die Frau heiraten, die sie lieben. Sorgen müssen sie zu gleichen Teilen für beide. Will die erste ein Haus, kriegt die zweite auch eins. Das Gleiche gilt für Baby, Fernseher, Auto. Und für die Zeit des Mannes. Die muss er auch gerecht aufteilen. Darum gehen die Mehrehen zurück. „Für uns ist das echt Stress“, sagt Mohamed. Dafür müssen (wir) Frauen Schultern und Knie bedeckt halten, ein Kuss auf der Straße würde einen Polizeieinsatz nach sich ziehen und außerhalb der Hotels gibt es keinen Alkohol. Macht nichts – es gibt erfrischende Limettenlimonade und Wasserpfeife mit Fruchtgeschmack.

Es waren meine ersten Orientferien – und schon musste ich aufpassen, dass mein Herz wieder mit in den Flieger steigt. In Oman hatte ich jeden Morgen die Gewissheit, dass die Sonne scheinen wird (es regnet nur fünf Tage im Jahr), ich wohnte in Palasthotels, die aussahen wie das in „Sex and the City 2“, und sonnte mich an weißen Traumstränden. Draußen im Meer schwammen die buntesten Fische – ich brauchte nur die Taucherbrille aufzusetzen und konnte sie besuchen. Auf den Gipfeln der Hajar-Berge ging mein Blick so weit, dass ich das Gefühl hatte, als könnte ich über den Horizont hinaussehen. Genau genommen stimmt das auch. Mein Horizont ist weiter geworden. Nicht nur, weil ich jetzt weiß, dass die Sterne den Job des Mondes ziemlich gut machen, wenn der mal freihat …

FERIEN IM REICH VON SHEHERAZADE

WAS IST DAS FÜR EIN LAND?
Das Sultanat Oman liegt im Osten der arabischen Halbinsel und gilt als das sicherste Reiseland im arabischen Raum. Die Hauptstadt heißt Muscat, hier stehen auch die meisten Hotels. Im Hinterland findet man die Wahiba- Wüste und das Hajar-Gebirge. Im Süden liegt das Weihrauchland Dhofar mit seinen sagenhaften Stränden. Die schönste Reisezeit ist von November bis März mit Temperaturen um 35 Grad. In Oman regnet es nur an drei bis fünf Tagen im Jahr.

GÜNSTIGE FLÜGE
Nonstop nach Muscat fliegt Oman Air ab Frankfurt und München. Der Flug dauert ca. sechs Stunden und kostet ab ca. 585 Euro. Mehr Infos: www.omanair.com oder Tel. 069/58 30 07 10.

HOTELS UND CAMP
Im 1000 Nacht Camp schläft man in Beduinenzelten in der Wüste, ab 76 Euro, www.1000nightscamp.com

Das Palasthotel Al Bustan in Muscat hat einen Privatstrand und gilt als das schönste Palasthotel der Welt, ab 225 Euro.

Das Shangri-La-Resort ist eine ganze Hotelmeile am Golf von Oman im modernen arabischen Stil, ab 269 Euro, alle unter www.dertour.de

EINE RUNDREISE mit Muscat, Wahiba- Wüste, Oasen, Festungen und Souk-Besuchen, inkl. sechs Übernachtungen, Flug, Eintrittsgeldern, deutscher Reiseleitung gibt es ab ca. 1655 Euro. Das Tolle: Gegen geringen Aufpreis kann man die Tour ab zwei Personen als Privatreise mit eigenem Chauffeur buchen. Infos: www.dertour.de oder in Ihrem Reisebüro.

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