Reisereportage Shopping-Spaziergang durch die Innenstadt

Die Hauptstadt der Niederlande gilt derzeit als Shoppingmetropole Nummer eins. PETRA-Autorin Meike Werkmeister hat sich zwischen Grachten und Hausbooten auf die Suche nach dem perfekten Paar Stiefel gemacht. Eigentlich eine hoch konzentrierte Mission – aber diese Stadt lenkt ab.

Grachten

Ich beginne meinen Shopping-Spaziergang in der Innenstadt. Je näher man Amsterdams Herzen, dem imposanten Dam-Platz mit seinen mittelalterlichen Bauten, kommt, desto dichter werden die Massen. Die Sprachfetzen, die man aufschnappt, werden internationaler – allerdings nimmt auch die Menge der Einkaufstüten zu, die mir gegen die Waden geknallt werden. Kein Wunder, dass die Fußgängermeile Kalverstraat beim holländischen Monopoly die Schlossallee ist – hier wird ordentlich Geld verdient. Weltweite Bekleidungsketten reihen sich Hunderte von Metern lang aneinander. Ganz ehrlich? Richtig schön ist es hier nicht. Aber zwischen all dem Mittelmaß finde ich ein Highlight: Betsy Palmer hat eine riesengroße Auswahl an Schuhen – fast zu groß, um sich zu entscheiden. Während ich ein Paar Schnür-Stiefeletten anprobiere, bemerke ich, dass auf dem Stuhl neben mir ein Papagei sitzt. Ein echter. „Er spricht nur holländisch“, sagt seine Besitzerin, die gerade Clogs mit Holzsohlen anprobiert. Währenddessen zerfetzt ihr anderer Begleiter, ein Border Collie, die Pappe aus den Schuhkartons. Eine kleine Papierkugel legt er mir vor die Füße, die sich gerade in cognacfarbenen Stiefeln der italienischen (!) Marke Janet&Janet befinden. Mein Urteil: Den Hund würde ich sofort nehmen, bei den Schuhen muss ich noch mal überlegen.

Vielleicht habe ich mehr Glück in der Haarlemmerstraat, einer angesagten Gegend in der Nähe des Bahnhofs. Und hier sieht es schon mehr nach meinem Geschmack aus: Bunt gekleidete Verkäuferinnen lehnen in den Eingängen von Secondhandläden, coole Amsterdamer sitzen mit ihren Laptops in Couch-Cafés oder holen sich ihre tägliche Portion Antioxidantien in Form eines Weizengrassaftes bei Jay’s Juice. Ich stelle fest: Essen kann man in dieser Straße besonders gut. Im Feinkostgeschäft Meeuwig & Zn. stehen riesige Fässer mit Olivenöl, Regale voller Pesto, Chutneys und Antipasti, die man am besten gleich mitnimmt und auf einer Bank verspeist. Nebenan im Mondo Mediterraneo werden in der offenen Küche italienische Häppchen zubereitet, die man aus einer Glastheke auswählen kann. Ich brauche jetzt mal eine Pause und gönne mir auf den weiß getünchten Stühlen Saltimbocca mit Büffelmozzarella-Pasta.

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