Urlaub Der Osten ist nicht tot

Tschüs, Prenzlauer Berg! Lange kamen alle Trends aus den hippen Vierteln im Osten der Stadt – nun mausert sich die Gegend rund um den Ku’damm wieder mächtig. Nichts wie hin da!

KaDeWe in Westberlin

Und die Frauen? "Edelpunkig", sagt sein jüngerer Bruder Andreas Murkudis, Ladeninhaber eines Concept Stores und so etwas wie die Stil-Instanz der Stadt. Er erinnert sich an "kurze Röcke aus Lack oder Leder, weite T-Shirts". Auch Andreas Murkudis ist Teil der Westwärtsbewegung. Der frühere Kurator am Museum der Dinge war der Erste, der um die Jahrtausendwende Berlin-Mitte Geschmack und Stil beibrachte. In seinem Laden fand man Kleider von Dries van Noten, Jil Sander und von seinem Bruder Kostas. Und: Vom Hackeschen Markt (Ost) verlegte er seinen Laden an die Potsdamer Straße (West). Seit mehr als einem Jahr residiert er in der ehemaligen Druckerei des "Tagesspiegels", einfach, weil sich der Hotspot Mitte für ihn leergelaufen hatte. Und: "Die Mieten stiegen einfach zu hoch", sagt Andreas Murkudis, "obwohl wir nicht mehr verkauft haben als früher. Das Publikum in Mitte ist ein anderes als im Westen." Viele Rucksack-Touristen kamen zum Schauen in den Laden, einmal fuhr sogar ein Paar mit Fahrrädern mitten hindurch – und ohne Entschuldigung fuhren die verirrten Radler dann wieder hinaus. "Das könnte uns hier nicht passieren", glaubt Murkudis von seinem neuen Standort.

Retro-Mode ist wieder Trend

Zu seinen Stammkunden zählen Galeristen, Zeitschriftenredakteurinnen, Architekten–Menschen, die nicht unbedingt flüchtige Mode haben wollen, sondern auf langlebige Qualität setzen. Man fragt sich, ob mit dem Interesse an den Stadtbezirken auch der Geschmack der frühen 70er- und frühen 80er-Jahre wiederkehrt. Um diese Frage zu beantworten, schaut man sich am besten die Bilder der Amerikanerin Nan Goldin an, die als Fotografin kaputter Beziehungen weltberühmt wurde. Anfang der 80er-Jahre lebte sie in Westberlin. Auf einem berühmten Foto, "Bea mit blauem Drink", das sie 1984 in der Kreuzberger O-Bar aufnahm, sieht man eine Frau mit weißem Pullover, schwarzen Hosen und weißer Plastikbrille. Und siehe da, so ein Brillenmodell könnte man gerade für teures Geld vom Berliner Label Mykita kaufen. Und auf Bildern aus dem legendären Nachtklub Dschungel, in dem sich so unterschiedliche Menschen wie die Humpe-Geschwister, der Philosoph Michel Foucault und natürlich David Bowie zusammenfanden, hängen Mädchen mit taillierten Lederjacken und Dreiecks-Ohrringen herum. Andere tragen leichte Strickpullover mit eingenähten Motiven und weiten Ausschnitten. Moment mal, sind die Motiv-Pullover und die lässig runtergerutschten Shirts nicht gerade der letzte Schrei?

Inspiration aus der Mode vergangener Tage

Für Kostas Murkudis und andere Modeschaffende besteht ihre Arbeit keinesfalls aus Zitatklaubereien. Sie gehören einer Generation an, die in den späten 70er-Jahren und frühen 80er-Jahren prägende Erfahrungen gesammelt hat – wie Raf Simons, Chefdesigner von Dior, oder Dirk Schönberger, Creative Director von Adidas. Sie alle greifen bewusst oder unbewusst auf diese für sie wichtige Zeit zurück. Nein, der Osten ist nicht tot, er hat nur eine ernsthafte Konkurrenz bekommen: Westberlin, wir kommen!

Noch mehr Infos und Tipps zu Berlin finden Sie hier.

Autor: Ulf Lippitz

Schlagworte: