Reisetipp Ferien im Orient

PETRA-Autorin Stefanie Lindenberger machte sich auf in den Orient und fand dort einen Mix, aus dem Märchen sind: glutrote Wüste, Muscat, die leuchtende Stadt am Meer und Orientzauber auf der Haut.

Oman

Ich bin ein Orient-Einsteiger – zum allerersten Mal auf der arabischen Halbinsel. Ich kenne weder die Superwolkenkratzer von Dubai noch die Scheichpaläste der Saudis. Ein wenig Weihrauch-Gezauber würde schon reichen, dass ich mich schon wie Sheherazade fühle. Aber das Sultanat Oman mit den schroffen Bergen, den grünen Oasen, felsigen Küsten und weißen Städten greift da tiefer in die Zauberkiste. Schon die Geschichte des Sultans von Oman klingt wie der Plot eines (blitzsauberen) Märchens. Seit mehr als 40 Jahren ist Sultan Qaboos der über alles geliebte absolute Herrscher hier. Sein Volk hat es gut. Einmal im Leben bekommt jeder Sohn des Landes vom Sultan ein Grundstück geschenkt, damit er ein Zuhause bauen kann und eine Familie gründen. Aber Sultan Qaboos hat auch ein paar Eigenheiten, die eher an einen exzentrischen Hollywood-Star erinnern. Alle Häuser seines Landes erstrahlen sandfarben oder weiß, weil er nur die Farben des Lichts für den Bau zulässt. Vor ein paar Jahren beschloss er eine Verschönerungsverordnung. Seitdem stehen überall hübsche Brunnen und Bushaltestellen mit orientalischen Dächern – selbst an Straßen, an denen nie ein Bus fährt. Mohamed hat schon oft 30 Euro Strafe bezahlt, weil er seinen Jeep ungewaschen durch die Straßen lenkte. Denn dreckige Autos kann der Sultan auch nicht leiden. So sehen die vielen blütenweißen SUVs vor der Kulisse des immerblauen Meeres wie frisch ausgepackte Spielzeugautos aus. Überhaupt wirkt die Landschaft oft wie eine knallhart geplante Orient-Kulisse. Würde Laurence von Arabien mal vorbeireiten, müsste ein Kameramann nur draufhalten und er hätte die Szene im Kasten.

Nach dem Bad in der Wüste packen wir unsere sieben Sachen und fahren durch das Hajar-Gebirge zurück in die Hauptstadt Muscat. Selbst in den entlegensten Oasen haben die iPhones Empfang. In den Straßen laden die Männer arabische Apps. Die Frauen sind moderat verschleiert, hier und da entdeckt man den neuesten Lippenstift-Trend oder einen coolen Nagellack auf den Zehen unter den bodenlangen Kleidern. Alle verstehen und sprechen Englisch. Als Mohamed einem kleinen Jungen erzählt, dass wir aus Deutschland sind, strahlt der und sagt: „Oh, then you know Michael Ballack.“ Alle kleinen und großen Jungs hier lieben die Bundesliga und schauen sie jeden Samstag. Die Omanis gelten als die freundlichsten und entspanntesten Araber der Erde. Die Männer sind groß, hübsch. Mohamed sieht ein bisschen aus wie Will Smith. Manche sind mit zwei Frauen verheiratet. Weil in den besseren Kreisen die Ehen noch arrangiert werden. Und Männer, die es sich leisten können, dazu irgendwann die Frau heiraten, die sie lieben. Sorgen müssen sie zu gleichen Teilen für beide. Will die erste ein Haus, kriegt die zweite auch eins. Das Gleiche gilt für Baby, Fernseher, Auto. Und für die Zeit des Mannes. Die muss er auch gerecht aufteilen. Darum gehen die Mehrehen zurück. „Für uns ist das echt Stress“, sagt Mohamed. Dafür müssen (wir) Frauen Schultern und Knie bedeckt halten, ein Kuss auf der Straße würde einen Polizeieinsatz nach sich ziehen und außerhalb der Hotels gibt es keinen Alkohol. Macht nichts – es gibt erfrischende Limettenlimonade und Wasserpfeife mit Fruchtgeschmack.

Es waren meine ersten Orientferien – und schon musste ich aufpassen, dass mein Herz wieder mit in den Flieger steigt. In Oman hatte ich jeden Morgen die Gewissheit, dass die Sonne scheinen wird (es regnet nur fünf Tage im Jahr), ich wohnte in Palasthotels, die aussahen wie das in „Sex and the City 2“, und sonnte mich an weißen Traumstränden. Draußen im Meer schwammen die buntesten Fische – ich brauchte nur die Taucherbrille aufzusetzen und konnte sie besuchen. Auf den Gipfeln der Hajar-Berge ging mein Blick so weit, dass ich das Gefühl hatte, als könnte ich über den Horizont hinaussehen. Genau genommen stimmt das auch. Mein Horizont ist weiter geworden. Nicht nur, weil ich jetzt weiß, dass die Sterne den Job des Mondes ziemlich gut machen, wenn der mal freihat …

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