Peru - der Westen Südamerikas Die Uhren ticken hier anders, die Menschen auch

Indiana Jones war auch schon in Peru. Kein Wunder, in dem Land im Westen Südamerikas kann man unzählige Abenteuer erleben. PETRA-Redakteurin Wiebke Borcholte kletterte in den Anden durch Inka-Ruinen, badete im Amazonas, stolperte durch den Dschungel – und staunte nicht nur über die Natur, sondern auch über sich selbst.

Peru


Die Uhren ticken hier anders, die Menschen auch. Peru ist ein armes Land, trotzdem kommt hier niemand auf die Idee, um Almosen zu betteln. Stattdessen bieten die Peruaner alles zum Kauf an, was ihre Heimat hergibt – und wahren so ihren Stolz: Auf Märkten in den Dörfern stapeln sich raue Mengen von flauschigen Alpaka-Schals, bunten Mützen und Pullovern. Überall wird lautstark Mais angeboten. Dazu gibt’s Früchte, Fische, lebende Tiere. Andere preisen kunstvoll bestickte Tücher, kleine Puppen oder selbst gefertigten Schmuck an. Viele der Schmuckstücke sind mit kleinen rotschwarzen Perlen besetzt, den Samen des Huayruro-Baums. Wer sie in sein Portemonnaie steckt, dem geht nie das Geld aus, heißt es. Und Glück sollen sie auch bringen. In allen meinen Taschen klickert es jetzt, weil ich nicht widerstehen konnte und für mich und meine Freunde Ketten und lose Samen gekauft habe.

Liegt es an den Perlen, an der Höhenluft oder am Coca-Tee, der gegen den Schwindel helfen soll und den ich reichlich gesüffelt habe? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall bin ich in diesem Moment ein glücklicher Mensch. Der Anblick über die einstige Stadt Machu Picchu raubt mir dem Atem – in jeglichem Sinne. Die Anlage befindet sich in 2360 Meter Höhe auf einem Bergrücken zwischen den Gipfeln des Huayna Picchu und dem gleichnamigen Berg Machu Picchu – und wozu sie einst diente, weiß man immer noch nicht mit Bestimmtheit. Die Wasserversorgung funktioniert nach Jahrhunderten noch perfekt, es gibt ein Handwerkerviertel und mehrstöckige Wohnhäuser. Ich schaue auf das abendliche Tal hinunter und fühle mich wie in einem Fantasy-Film. Der grüne Gipfel wirft lange und unwirkliche Schatten über die Ruinen. Mit dem schwindenden Licht ersterben die Töne, es wird still. Ein graues Chinchilla macht es sich in einer Fensterruine gemütlich. Ich mache versehentlich eine hektische Bewegung, und es huscht wieder davon. Ich komme mir klein vor, unwichtig in Zeit und Raum. Na ja, genug mit der Besinnlichkeit, ich sollte mal lieber zusehen, dass ich wieder herunterkomme von dem Berg.

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