Reisetipp Frauen zwischen Schönheitskult und religiöser Strenge

Hier enden Partys erst, wenn die Sonne hinter den Moscheen und Kirchen aufgeht. PETRA-Autorin Aileen Tiedemann war im "Paris des Nahen Ostens", um die Frauen über das besondere Lebensgefühl in der libanesischen Hauptstadt zu sprechen.

Blick über die Stadt

Diesen Satz hört man oft in Beirut. Es geht darum, sich maximal zu amüsieren – und dabei maximal gut auszusehen. Begradigte Nasen gehören genauso zum Schönheitsideal wie künstliche Brüste. Aber warum lassen sich junge Frauen, die eh schon wie Models aussehen, die Lippen aufspritzen? Und warum tragen sie nachts stolz ihr Pflaster von der Nasen-OP zur Schau? Antworten auf diese Fragen gibt mir Nada Doueiry, die als Moderatorin für Fashion TV Arabia gearbeitet hat und heute prominente Gäste eines Luxushotels betreut. Wir treffen uns im Restaurant Al Falamanki, um über den Schönheitskult von Beirut zu sprechen. „Der Wettbewerb unter den Frauen ist deswegen so groß, weil so viele Männer im Ausland arbeiten“, meint die 31-Jährige. „Auf einen Mann kommen in Beirut zirka sechs Frauen, die sich gegenseitig mit ihrem Aussehen übertrumpfen wollen.“ Aber das sei nicht der einzige Grund: „Wir Frauen im Libanon sind sehr westlich eingestellt. Das wollen wir mit unserer Kleidung zeigen.“ Sie selbst geht zweimal die Woche zum Friseur, einmal in den Beauty-Salon und dreimal ins Fitness-Studio. „Die ganze Stadt ist ein einziger Schönheitswettbewerb“, lacht sie. „Selbst in den Beachclubs tragen wir Frauen High Heels, wasserfestes Make-up und Ohrringe.“

Weltreligionen in trauter Nachbarschaft

All diese Dinge kauft man in den Beirut Souks im Zentrum der Stadt. Dort, wo noch vor 15 Jahren Bäume aus den Ruinen des alten Basars wucherten, befindet sich heute eine moderne Einkaufsmeile mit Filialen internationaler Modeketten. In den meisten Schuhläden werden ausschließlich mörderisch hohe High Heels verkauft – auch in den Kleidungsgeschäften ist das Wort Zurückhaltung ein Fremdwort. Nada schlüpft erst in ein gelbes trägerloses Cocktailkleid und probiert dann einen bunt geringelten Sonnenhut auf. Eine Viertelstunde später müssen wir uns beim Besuch der Al-Amin-Moschee in einen schwarzen Umhang und Kopftuch hüllen. „Kein Haar darf zu sehen sein“, mahnt der Mann am Eingang. Drinnen stolpern wir fast über unsere langen Gewänder und starren ehrfürchtig auf einen bombastischen Kristall-Leuchter, der an der prächtig verzierten Kuppel hängt. In Beirut existieren die unterschiedlichsten Welten nebeneinander – das wird mir spätestens jetzt klar. Muslimische Schiiten, Sunniten, Drusen und katholische oder orthodoxe Christen – sie alle leben gemeinsam, aber doch voneinander getrennt in der Zwei-Millionen-Stadt.

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