Reisen Der Etosha-Nationalpark eine Großmutter

Sie produzieren internationale Filme. Für ihr neues Projekt suchten Michaela Bauer und Oshosheni Hiveluah mal wieder Locations – und zeigten PETRA-Mitarbeiterin Julia Schoon nebenbei das Land an Afrikas Westküste.

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Einst lag der Sand in Namibia voller Rohdiamanten 

Am nächsten Morgen liegt die Stadt im Nebel. „Das passiert, wenn der heiße Wüstenwind zum Meer weht“, erklärt Oshosheni. Etwas weiter im Landesinnern verschwindet der Spuk wieder. Auf dem Weg zum Etosha-Nationalpark – 450 Kilometer Schotterpiste – holen die beiden ungerührt ihren Schönheitsschlaf nach und fahren abwechselnd. Gleich hinter dem Anderson Gate,einem der beiden Parkeingänge, grast eine Herde Zebras am Straßenrand. Sie heben nur kurz die Köpfe, als das Auto neben ihnen hält. Hier darf nicht gejagt werden. Den Drink zum Sonnenuntergang nehmen wir heute auf Logenplätzen ein: Die beiden haben einen Bungalow im Okaukuejo Camp gemietet mit Blick auf das (nachts beleuchtete!) Wasserloch direkt außerhalb der Umzäunung. „Die Savanne kommtmir immer vor wie eine Wundertüte“, schwärmt Michaela,„man weiß nie, welches Tier als nächstes vorbeispaziert.“ Ein paar Antilopen trippeln nervös zum Wasser, denn hinter jedem Busch könnte ein Löwe lauern. Die Elefanten dagegen bespritzen sich lässig mit Wasser.

Bevor es nach Windhoek zurückgeht, möchte Oshosheni ihre Großmutter in einem Dorf zwei Stunden nördlich des Parks besuchen. „Der Norden ist total afrikanisch“, sagt Oshi, „hier leben fast nur Ovambos.“ Großmutter Lomboleni freut sich sehr über den Überraschungsbesuch. Sie lebt mit einer Tante zusammen. „Alle meine Cousinen und Geschwister sind in die Stadt gezogen“, erzählt Oshosheni. „Sie wollten weder auf dem Feld arbeiten noch Ziegen hüten.“ Etwas hat sich aber auch hier verändert: Statt in einer traditionellen Rundhütte wohnen die beiden Frauen in einem Wohnhaus mit Veranda und moderner Einrichtung, finanziert von Verwandten aus der Stadt. 

Wenn die Nacht anbricht, glitzern Millionen Sterne 

Der letzte Stopp steht an: Waterberg. Mächtig thront das feuerrote Felsplateau über der Ebene, es muss natürlich in den geplanten Film. Mit einem Glas Wein sitzen die beiden Großstädterinnen vor ihrer Lodge und genießen die Weite. „Dafür liebe ich Namibia“, seufzt Michaela. „Nach einem stressigen Dreh fahre ich 20 Minuten und stehe plötzlich in einer grandiosen Landschaft.“ Als die Nacht kommt, funkeln am Himmel Millionen Sterne, in der pechschwarzen Ebene leuchten vereinzelt Farmen. „Wir müssen das Location Scouting verlängern“, sagt Oshosheni plötzlich. „Wir waren noch nicht am Fish River Canyon und in der alten Diamantenstadt.“ Ohne zu überlegen sagt Michaela:„Und im Caprivi und an der Skelettküste.“ Die beiden schauen sich an und sind sich einig.

 

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