Reisen Deutsche Spuren ein Ladyboss

Sie produzieren internationale Filme. Für ihr neues Projekt suchten Michaela Bauer und Oshosheni Hiveluah mal wieder Locations – und zeigten PETRA-Mitarbeiterin Julia Schoon nebenbei das Land an Afrikas Westküste.

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Unverhofft liegt hinter der Wüste ein Nordseebadeort. Zumindest sieht Swakopmund mit seinem rot-weißen Leuchtturm so aus. Dazu kommen die Gründerzeitarchitektur und deutsche Namen: Hansa Hotel (erbaut 1905) oder Ankerplatz. Eine Zeitreise hundert Jahre zurück, als Nambia noch Deutsch-Südwestafrika hieß und die Kolonisten mit bloßen Händen in der Wüste die Rohdiamanten einsammeln konnten. Beim Essen – in Swakop isst man Fisch und Austern, statt wie überall sonst Berge von Antilopenfleisch – erklärt die 27- jährige Oshosheni, warum sie fließend Deutsch spricht: „Ich habe als Kind einige Jahre in der DDR gelebt. Meine Eltern waren in der Swapo, der namibischen Freiheitsbewegung, und haben für unsere Unabhängigkeit vom Apartheidregime gekämpft. Als ich 1990 zurückkam, ging ich in Windhoek auf die Deutsche Schule.“ Michaela ergänzt: „Kennengelernt haben wir uns 2005 bei einem Projekt des Wild Cinema Film Festival.“ Seitdem bilden die beiden ein Dreamteam: Michaela, straighte Geschäftsfrau und Organisationsprofi – und Oshosheni, die Kreative mit afrikanischer Gelassenheit und tausend Kontakten.

Augenzwinkernd nennen sie sich Ebony & Ivory. „In Namibia ist die Hautfarbe sehr wichtig, und woher man kommt. Das fand ich am Anfang schwierig“, sagt Michaela.„Vielleicht ergänzen Oshi und ich uns gerade deshalb perfekt.“ Und noch etwas macht ihre Firma ungewöhnlich: Media Logistics beschäftigt bevorzugt Frauen. „Ein Mitarbeiter hatte das erste Mal im Leben einen Lady- Boss“, erzählt Michaela schmunzelnd. „Das gibt es in Namibia noch nicht so häufig.“

Am nächsten Abend trinken die beiden ihren Sundowner in einer Strandbar – und treffen ihre Kollegin Yana, Namibiadeutsche aus Swakopmund.„ Nachher gehe ich auf eine lecker Party, kommt ihr mit?“ „Die Einwanderer der dritten, vierten Generation sprechen zwar noch fließend Deutsch, aber das hat sich im namibischen Sprachmix ein bisschen verändert“, erklärt Oshosheni, die selbst mühelos zwischen Englisch, Deutsch, Afrikaans und Ovambo, der Sprache ihres Stammes, wechselt. „Lecker heißt bei uns auch toll“, übersetzt die 21-jährige Yana. Nach den Drinks haben alle große Lust auszugehen. In Namibias deutschester Stadt (hier legten früher die Einwandererschiffe an) heißen sogar die Bars wie zu Kaiser Wilhelms Zeiten: „Brauhaus“, „Grüner Kranz“. Heute geht es aber ins „El Cubano“, eine gemütliche Bar. 

 

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