Tauchurlaub auf den Malediven Sicher werde ich im seichten Wasser ertrinken

Augen zu und rein ins Wasser: PETRA-Redakteurin Wiebke Borcholte wollte schon immer Tauchen lernen. Dafür suchte sie sich ein echtes Traumziel aus: eine klitzekleine Insel im Süd-Male-Atoll der Malediven

Steg vor echtem Horizont Kulisse

Dass die Malediven ein richtiges Land sind, fällt hier schwer zu glauben. Aber in der Hauptstadt Malé stehen ganz normale Hochhäuser, am Flughafen habe ich verschleierte Frauen gesehen. Der Inselstaat ist muslimisch, nur für die Touristen werden die strikten Regeln – gerade was den Alkohol angeht – gedehnt. In erster Linie gelten die Malediven als Taucherparadies. Alle Inseln und Riffe bestehen aus Korallenkalk, das Wasser ist glasklar, die Unterwasserwelt vielfältig. Das habe ich zumindest in einem Reiseführer gelesen. Wobei dort auch stand, dass ich mich in einem gefährdeten Paradies befinde. Drei Inseln fielen dem Tsunami im Dezember 2004 zum Opfer, und wenn der Meeresspiegel steigt, werden die Malediven in den Fluten schutzlos versinken. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf blicke ich vom Steg aus auf einen Schwarm Trompetenfische, der an mir vorbeizieht. Schon vom Strand aus habe ich unglaublich viele Fische entdeckt, die geschäftig ihre Bahnen ziehen. Und sie haben so verrückte Formen und Farben, als hätte jemand ein bisschen zu viele Pilze geraucht. Besonders der Einhornfisch hat’s mir angetan, mit seiner langen Nase schnobert er seelenruhig unter meinem Stelzen-Bungalow herum.

Haie leben hier auch. Womit wir beim Thema Tauchen wären. Den Film „Der weiße Hai“ habe ich so oft gesehen, dass ich den Text mitsprechen kann, was aber nicht bedeutet, dass ich ein entspanntes Verhältnis zu großen Fischen habe. Tiere, die größer sind als ich, genieße ich am liebsten in Teilen auf meinem Teller oder in sicherer Entfernung. Gefühlte zwei Tage später ist es so weit, ich besuche einen Tauch-Schnupperkurs. Tauchlehrer Pascal mit den blaublauen Augen kommt aus Belgien und vermittelt eine ungeheure Ruhe. Das ist auch gut so, denn mir schlägt das Herz bis zum Hals. Erst wird uns – wir sind zu viert – ein langer Film über das Tauchen gezeigt, die Zeichen, die man braucht, um sich unter Wasser zu verständigen, die Technik, die Gefahren. Und: Als eine Gefahr wird „Ertrinken“ genannt. Danke für den Hinweis.

Spätestens als ich die Sauerstoffflaschen aufsetzen soll, werde ich panisch: Ganz sicher werde ich hintüberkippen, im seichten Wasser absaufen oder von einem Stachelrochen ins Jenseits gepikt werden. Aber ich habe es so gewollt, es gibt jetzt kein Zurück mehr.

Mit der kompletten Ausrüstung watscheln wir ins Meer und üben erst einmal Grundlagen. Atmen. Mein erster Atemzug unter Wasser! Ich klinge wie Darth Vader aus „Star Wars“! Ich bin eine Amphibie! Spätestens als wir im flachen Wasser um ein künstlich angelegtes Riff tauchen, habe ich mein Herz an das Tauchen verloren: Eine riesige gewellte Muschel klappt direkt vor mir zu, als ob sie schwer beleidigt sei, kleine blaue Fische schauen in meine Brille und wundern sich über das unelegante Wesen, das sie da anglotzt. Ab jetzt werde ich jedes Jahr tauchen fahren, ich will einen Tauchschein, Profi werden. Als mich Pascal fragt, ob ich die große Muräne gesehen hätte, muss ich passen. An mir zogen nur Wimpelfische, Doktorfische und Schmetterlingsfische vorbei. Ich stelle fest: Ich habe nur die Hälfte mitbekommen. Ist vielleicht besser so.

Autor: Wiebke Borcholte

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