18. Juni 2013
Werden Sie eine Siegerin!

Werden Sie eine Siegerin!

Beeindruckend, stark, schlau und selbstbewusst: Mit unserem Fünf-Punkte-Plan für mehr Charisma bringen Sie Ihre Stärken noch besser zur Geltung und kommen schneller ans Ziel.

Mehr Charisma
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Sie lässt sich selten reinquatschen, scheut weder Risiken noch unbequeme Entscheidungen, ist klug, vertraut auf ihr Bauchgefühl und geht kreative Wege. Wenn sie etwas anpackt, dann aus Überzeugung und zur Not auf eigene Faust. Und wenn sie mal was vermasselt, genehmigt sie sich ein paar Drinks, schleppt einen Mann ab – und fängt am nächsten Tag von vorne an. Carrie Mathison ist nicht nur die Hauptperson in der neuen US-Erfolgsserie "Homeland", brillant verkörpert von Claire Danes, sondern auch die heimliche Heldin der meisten Zuschauerinnen – weil sie stark und unbeirrbar scheint, zugleich aber absolut menschlich ist: mit Marotten und Fehlern, Lastern und Launen – und einer Krankheit, von der sie sich nicht kleinkriegen lässt. Was die CIA-Agentin ausmacht, ist ihre Personality Power (PP): So nennen amerikanische Psychologen und Forscher die Kraft, mit der es einem gelingt, andere für sich einzunehmen, Dinge durchzusetzen und jederzeit vor sich selbst zu bestehen.

Aber kann man die sogenannte PP trainieren? Sich von Carrie Mathisons guten Seiten noch etwas abgucken? Oder ist so ein starker Charakter angeboren, eine Sache der Sozialisierung – oder schlichtweg altersbedingt? "Jeder Mensch kann seine Persönlichkeit ausbauen: überzeugender, selbstbewusster und mutiger werden", sagt die Psychologin und Autorin Caroline DeClair, ("Wie liebe ich – Die Macht der Gefühle", Wort + Ton, 19,85 Euro ). "Man sollte sich nur einige Siegerstrategien aneignen."

Was macht Sigertypen aus?

Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach hat ermittelt, was solche Sieger, also Menschen mit viel Charisma, ausmacht: Sie rechnen bei dem, was sie machen, zum Beispiel grundsätzlich mit einem erfolgreichen Ausgang. Sie übernehmen gern Verantwortung, sind selten unsicher und argumentieren leidenschaftlich. Oftmals sind sie anderen auch einen Schritt voraus, weil sie sich in einer bestimmten Sache besonders gut auskennen. Und werden deshalb nicht nur respektiert und bewundert, sondern gern nach ihrer Meinung befragt. Alter und soziale Schicht spielen in Sachen "PP" kaum eine Rolle, fanden die Psychologen heraus. Expertin Caroline DeClair: "Was zählt, ist die Bereitschaft, Farbe zu bekennen, Wünsche offen zu artikulieren und Niederlagen auszuhalten."

1. Die eigenen Stärken erkennen

"PP" setzt vor allem voraus, dass man um seine Vorzüge weiß. "Leider neigen viele Frauen dazu, zu selbstkritisch zu sein", sagt die Psychologin. Statt sich die Ziele vor Augen zu führen, die sie gern erreichen würden, beschäftigten sie sich mehr mit möglichen Gefahren, Risiken und Niederlagen. "Homeland"-Heldin Carrie Mathison schlägt sich mit derlei Zweifeln nicht herum: Durch ihr Studium ist sie Expertin für den Nahen Osten – und verfügt dank ihrer Auslandseinsätze über ein Netzwerk an Informanten. Sie weiß, was sie kann und wer ihr weiterhilft – und tritt dementsprechend selbstbewusst auf. DeClair: "Wem es schwerfällt, seine Stärken zu benennen, fragt enge Freunde und Kollegen, aber auch Bekannte ganz offen danach, was sie an einem schätzen." Einige Antworten werden überraschen: Vielleicht war uns zum Beispiel nicht bewusst, dass Menschen sich gern mit uns umgeben, weil wir Ruhe ausstrahlen, gut zuhören können und in Krisensituationen einen kühlen Kopf bewahren. Es könnte auch sein, dass man auf andere stark wirkt, weil man intuitiv und spontan entscheidet, anstatt stundenlang abzuwägen. Andere werden eventuell bestätigen, was wir selbst schon zaghaft notiert hatten: beispielsweise, dass wir den Dingen stets einen positiven Dreh verpassen – weil das unserer Lebensauffassung entspricht. Oder dass man sich auf uns verlassen kann, weil wir uns selbst Verbindlichkeit wünschen. DeClair: "Wer seine Talente einmal enttarnt hat, kann sie künftig noch mehr hervorheben." So werde man für andere greifbarer, präsenter, charismatischer.

Psychologie:

2. Seine Meinung äußern – und dazu stehen

Fettnäpfchen hin, Getuschel her: Nicht immer wird es einem gelingen, andere von seiner eigenen Sicht der Dinge zu überzeugen – jedenfalls nicht sofort. Trotzdem ist es elementar, seinen Standpunkt offen zu äußern und mögliche Kritik auszuhalten. Nur so kann das Umfeld erkennen, wofür man steht – und entscheiden, ob es dieser Ansicht folgen will. DeClair: "Stark ist, wer sich Gedanken gemacht hat, zu seinen Grundsätzen steht und innerlich fest ist." Also nicht gleich umkippt, nur weil die Mehrheit anders denkt – oder der eigene Ansatz nicht so populär ist. Carrie Mathison lässt sich beispielsweise nicht darin beirren, dass ein heimgekehrter Sergeant in Wirklichkeit ein "Schläfer" ist – obwohl sie mit ihrer Meinung allein dasteht und er als Kriegsheld gefeiert wird. Trotzdem ermittelt sie auf eigene Faust unter hohem Risiko weiter und fühlt sich doppelt angespornt, sich in die Sache reinzuhängen, um am Ende recht zu bekommen. In solch spannender Mission sind wir wahrscheinlich nicht unterwegs. Aber wir können uns für den Alltag abgucken, dass es sich lohnt, nicht nur mitzulaufen und alles abzunicken, sondern auch mal Kritik zu äußern und sich Gehör zu verschaffen. "Wenn sich nach einer echten Diskussion herausstellt, dass man mit seiner Meinung trotzdem falsch lag, zeugt es wiederum von Stärke, sie noch mal zu ändern", sagt die Expertin.

3. Wissen, worüber man redet

"Charisma strahlt aus, wer anderen noch etwas beibringen kann, wer gute Ratschläge parat hat und auf bestimmten Gebieten Experte ist", sagt Caroline DeClair. Und zwar nicht, weil sein Wissen im iPhone wohnt und er sich bei Wikipedia weiterbildet. Sondern weil man gelernt hat, wie sich die tägliche Informationsflut filtern lässt und wann es lohnt, in die Tiefe zu gehen. "Echtes Wissen verleiht Selbstvertrauen und erzeugt Aufmerksamkeit", sagt die Psychologin. Zum Glück hat fast jeder ein Fachgebiet, das er noch besser zur Schau stellen könnte. Den Wissensvorsprung machen sich nur die wenigsten wirklich bewusst: Weil man es vielleicht für selbstverständlich hält, dass man zweisprachig aufgewachsen ist, seine Steuererklärung im Schlaf machen kann oder die Regeln von Speedminton, einer Mischung aus Badminton, Squash und Tennis, kennt. Dass viele Menschen, die damit so gar nichts am Hut haben, an unseren Lippen kleben würden, wenn sie wüssten, was wir wissen – das müssen wir uns zunutze machen.

4. Wünsche und Ziele offen äußern

Selbst in einer stabilen Beziehung muss man mit dem Partner immer mal wieder verhandeln. Sonst fühlen wir uns schnell übersehen, übergangen oder sogar gedemütigt. "Charismatische Menschen stehen zu ihren Ansprüchen und rechtfertigen ihre Wünsche nicht." Das gilt für alle Lebensbereiche. Besonders im Job ist es wichtig, seine Vorstellungen offen anzusprechen – bevor andere über den eigenen Kopf hinweg entscheiden. "Sprechen Sie Ihre Ziele an und zwingen Sie Ihren Gesprächspartner so, Stellung zu beziehen", rät DeClair. "Entweder wird er Ihnen zustimmen – oder seine Ablehnung formulieren müssen, sodass eine Diskussionsgrundlage geschaffen ist." Um als Sieger-Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, sollte man auch üben, solche Gespräche sachlich zu führen. Emotionale Stärke ist einer Studie der Beratungsgesellschaft Perry zufolge nämlich wesentlicher Bestandteil von Personality Power. Eine zittrige Stimme, Tränen in den Augen, rote Birne und blanke Wut im Blick sind also nicht angesagt. All diese Reaktionen resultieren aus einer Anspannung – und die lässt sich am leichtesten durch eine Atemübung lösen: Kurz vor dem Gespräch legt man eine Handfläche zwei Zentimeter unterhalb des Nabels auf die Bauchdecke. Man atmet tief ein und stellt sich vor, wie der Atem langsam hinunter zur Hand fließt und die Hand hebt. Dann konzentriert man sich darauf, wie der Atem über den Brustraum zurück durch die Nase entweicht und die Hand nach unten sinkt. Im Übrigen gilt: Je gelassener man mit kleinen Schwächen wie dem Erröten umgeht, desto seltener treten sie zutage. Stark aufzutreten bedeutet Caroline DeClair zufolge übrigens nicht, unhöflich, zickig oder gnadenlos sein zu müssen. Im Gegenteil: Ein Erfolgsfaktor ist es, weiblichen Charme mit Geradlinigkeit zu kombinieren, sodass man diplomatisch rüberkommt, aber alles durchsetzt, was man erreichen wollte. "Das gelingt, indem wir hart in der Sache, aber freundlich im Ton sind." "Vielleicht" wird aus dem Wortschatz gestrichen, "kann ich nicht" auch. Außerdem müsse man üben, entscheidungsfreudiger zu werden: zum Beispiel, indem man das Für und Wider einmal gründlich überdenkt den Entschluss danach aber nicht mehr infrage stellt. Von sich selbst hellseherische Fähigkeiten zu verlangen, nützt nichts. Eine Entscheidung wird immer Vor- und Nachteile haben. Claire Danes bewies diesbezüglich übrigens noch mehr Personality Power als ihr Alter Ego in "Homeland": Weil sie fand, dass Hollywood kaum noch Charakterfilme produziere, in denen smarte Frauen die Geschichte vorantreiben, statt ihre Brüste zu entblößen, lehnte sie alle Angebote dankend ab und fuhr für eineinhalb Jahre in die Flitterwochen. Danach sagte sie für die Serie zu, weil man nur "im Fernsehen die Zeit bekommt, jede Nuance eines Charakters zu erforschen". Durch ihr stringentes Verhalten konnte sie sogar Barack Obama als Zuschauer gewinnen, obwohl die Serienmacher die Nahostpolitik der USA kritisieren – und ohne dass sie sich verbogen hätte.

Krone zurechtrücken und weitergehen – so könnte das Motto unserer "Homeland"-Agentin lauten. Denn statt sich unterkriegen zu lassen, als sie den vermeintlichen Schläfer heimlich abhört und alles aufs Spiel setzt, lässt sie sich von ihren Plänen nicht abbringen. Sie macht auf eigene Faust weiter – und kann am Ende triumphieren. Zwar kriegt auch Carrie mehr als einmal einen Heulkrampf oder Wutanfall – hält letztlich aber an ihren Überzeugungen fest und lässt sich nicht entmutigen. "Stärke basiert immer auf Erfahrungen", sagt die Psychologin. "Niemand gewinnt immer." Wichtig sei es nur, dass man nicht zu lange darüber grübelt, woran es denn lag, dass etwas schiefging. Und dass man sich danach möglichst schnell wieder aufrappelt: entweder, um den nächsten Versuch zu starten, oder aber, um sich noch mehr darauf zu konzentrieren, was man gut kann und was deshalb am Erfolg versprechendsten ist. Die Personality Power entwickelt sich dabei in jedem Fall weiter. Und wird mit jedem gelungenen Auftritt, jedem selbstbewussten Satz und jedem kleinen Triumph ein bisschen mehr von innen herausstrahlen.

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