18. März 2010
Wege zum Glück

Wege zum Glück

Geld, Gold und monatliche Sofortrente – das klingt gut, macht aber selten froh. Neue Studien zeigen, dass etwas anderes zählt: fünf Schritte, die Ihnen ein großes Stück vom Glück sichern.

© Valery Bareta - fotolia.com

Manchmal riecht es nach Babypuder. Manchmal glitzert es wie die silberne Kreole am Ohr der Lieblings-Kollegin. Manchmal klingt das Glück auch nach Regenprasseln und Donnergrollen: Während man sich fluchend und pitschnass in den Hausflur rettet und mit triefendem Jackenärmel einen dicken Umschlag aus dem Briefkasten angelt – das erste Lebenszeichen der besten Freundin, seit sie nach Australien gezogen ist. Glück hat viele Formen. Nicht ohne Grund kommen uns die meisten vertraut vor: Lieb gewonnene Menschen machen besonders froh, ihr Glück wirkt sogar ansteckend! Die US-Forscher James Fowler und Nicholas Christakis fanden jetzt in einer Studie heraus: Wer glückliche Freunde hat, stuft sich selbst um 25 Prozent glücklicher ein als der Durchschnitt. Optimistische Geschwister machen um 14 Prozent glücklicher, der Partner um 8 und positiv gestimmte Nachbarn sogar um 34 Prozent.

Buch-Tipps

„Glück kommt selten allein“ von Eckart von Hirschhausen, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 384 Seiten, 18,90 €

„Mein Glückstrainings-Buch: Aktiv auf dem Weg zum Glück“ von Heide-Marie Smolka, Springer, 204 Seiten, 19,95 € 

Anders als materielle Dinge wie eine Gehaltserhöhung oder ein Designer-Kleid erzeugen Freunde ein idealistisches Glück. Das fühlt sich nicht nur intensiver an, sondern erneuert sich auch bei jedem Wiedersehen. Aber wir müssen schon selbst was dafür tun. Fünf Schritte sind nötig, damit sich das Glücksgefühl einstellt: erstens sich im Freundeskreis umschauen, zweitens das eigene Denken überprüfen und sich, drittens, an anderen ein Beispiel nehmen. Wer dann das eigene Glückweitergibt und sein Netzwerk vergrößert, hat auch Punkt vier und fünf dieser Glücksstrategie gemeistert.

Sofern eine Sache klar ist: Was man immer hat, wird irgendwann langweilig. Stellen Sie sich vor, Sie essen am liebsten Sushi – und das in jeder Mittagspause. Dann sehnen Sie sich bald nach Abwechslung, nach Salat oder einem saftigen Steak. Und hätten Sie nonstop Urlaub, wären Sie irgendwann sogar der Karibiksonne überdrüssig. Das bedeutet: Glück kann alles Mögliche sein – nur kein Dauerzustand. Es ist vielmehr das Sahnehäubchen unseres Lebens. Sehr lecker – aber wer zu oft davon kostet, verliert die Lust daran.

Ob Apfelstrudel oder Sonne: In kleinen Dingen steckt das Glück

Trotzdem sind fast alle Leute ständig auf der Suche nach dem ultimativen Glücksrezept – reisen nach Indien, wandern aus, lassen sich die Nase richten. Dass sechs Richtige mit Zusatzzahl der Schlüssel zum Glück sind, glaubt sogar jeder Zweite. Doch je angestrengter wir dem Glück hinterher rennen, desto eher entzieht es sich uns. „Die Erwartung, man müsste noch öfter glücklich sein, bewirkt das Gegenteil: Man wird unglücklich“, sagt die Hamburger Diplom- Psychologin Claudia Clasen-Holzberg. „Es gilt vielmehr, den Kopf frei zu kriegen und sich von der Annahme zu lösen, dass etwas Sensationelles passieren muss, damit man glücklich wird.“ Das Glück wohnt nicht in einem funkelnden Palast am Ende der Welt. Es läuft uns meist zufällig über den Weg und steckt in kleinen Dingen. Im Gezwitscher der Vögel. Im Lachen unseres Neffen. In einem Kompliment der Kollegin. Das heißt für uns: Bevor wir uns in den Flieger nach Bhutan setzen (wo angeblich die glücklichsten Menschen der Welt leben), sollten wir uns im Freundeskreis umschauen (Punkt eins der Glücksstrategie).

Autor Eckart von Hirschhausen („Glück kommt selten allein“) rät, das eigene Adressbuch zu durchforsten. Danach, bei wem man sich am wohlsten fühlt, wer einem gut tut. Vielleicht Sonja, weil sie sogar mit Schnupfnase strahlt, als sei sie zum Privatkonzert von Rihanna eingeladen. Oder Martha, die nicht ins Jammern über den unaufmerksamen Freund einstimmt, sondern einen daran erinnert, wie toll der Liebste sonst ist. Wer nach dem Blick ins Adressbuch noch in seinen Kalender guckt, stellt fest: Menschen wie Sonja und Martha trifft er viel zu selten. Weil ausgerechnet diese Freunde größtes Verständnis zeigen, wenn man ein Date absagt. Also weniger Zeit mit Pflichtterminen vergeuden, die machen sicher nicht glücklich, sondern mit der Freundin frühstücken – und sich von deren guter Laune mitreißen lassen.

Glück kann ein Radio-Song sein

Unser größter Trugschluss ist allerdings, und da kommen wir zu Glücks-Punkt zwei („eigenes Denken überprüfen“), dass wir glauben, nur mehr von allem zu brauchen, um glücklich zu sein: mehr Geld, mehr Schönheit, mehr Sex. Wer sich umsieht, merkt jedoch schnell: „Mehr“ besitzen nicht mal die Zufriedensten unter uns. „Auch glückliche Menschen haben Krisen“, sagt Psychologin Clasen-Holzberg. „Sie versinken aber nicht im Unglück, sondern leben nach dem Grundsatz: Das Glück wird wieder zumir kommen.“ Während den Glücksforschern zufolge Erfolg, BesitzundGeld nurumzehn Prozent glücklicher machen, wiegt die eigene Perspektive auf die Dinge viermal so viel. „Das heißt nicht, dass man alles durch die rosarote Brille sehen soll“, erklärt Claudia Clasen-Holzberg, „sondern vielmehr den Blick auf die positiven Aspekte der Dinge lenken.“

Natürlich ist es ärgerlich, morgens den Bus zu verpassen. Aber vielleicht hat das auch sein Gutes: Weil man im nächsten Bus eine längst verschollen geglaubte Bekannte wieder trifft. „Positiv denken“ bedeutet nicht, einen verbrannten Kuchen lecker zu finden, sondern sich die unversehrten Rosinen herauszupicken – und darauf zu bauen, dass die nächste Torte gelingt. Wer seinen Blick für das Glück im Unglück schärft, wird zwangsläufig mehr Glücksmomente erleben. „Man muss sich etwas zutrauen, eine positive Vision von dem entwickeln, was einen erwartet“, so die Psychologin Clasen- Holzberg. „Wer meint, er habe sein Leben nicht unter Kontrolle, wird automatisch unglücklich.“

Ob Wirtschaftskrise oder Stress mit dem Freund – statt zu lamentieren oder zu hoffen, dass es sich von allein richtet, nehmen Sie die Sache in die Hand! Sprich: Schnappt Ihnen jemand die Traumwohnungvor derNaseweg, sagen Sie: „Ich finde etwas Besseres“ – und durchforsten am nächsten Abend die Immobilien-Anzeigen. Jeder kennt–und schätzt – Leute mit dieser Denke im Alltag: Haben im Büro alle Angst, dass die Firma dicht macht, gibt es oft einen, der nicht mitjammert, sondern stattdessen eine Idee präsentiert, wie man sogar in der Krise Aufträge an Land zieht.

Voilà, Punkt drei der Glücksstrategie: von anderen profitieren. Die optimistische Kollegin ist eine Art menschlicher Leuchtturm, an dem man sich orientieren kann – und sollte, um diese positive Grundhaltung irgendwann selbst hinzukriegen. „Es hilft, vor dem Zubettgehen kurz inne zu halten und den Tag Revue passieren zu lassen“, so Clasen-Holzberg. Fragen Sie sich: Was war heute richtig schön?Welche Menschen haben mir gut getan? Auch Kleinigkeiten zählen. Wer das regelmäßig tut, polt sein Gehirn nach und nach darauf, von allein mehr schöne Dinge wahrzunehmen. Und sich seltener über Unvermeidbares zu ärgern. Natürlich kann man die Freundin auch direkt nach ihrem persönlichen Glücksrezept fragen. Wie sie es schafft, sich überein Lied im Radio zu freuen, obwohl gerade ihre Waschmaschine ausgelaufen ist. Aber nicht vergessen: Der Lieblings-Film, das Lieblings-Getränk, der Lieblings-Platz anderer Menschen kann maximal eine Anregung sein.

Abgucken lässt sich nur der optimistische Blick. Was konkret glücklich macht, muss jeder für sich herausfinden. Versuchen können Sie es mit einer Glücks-Liste, auf der Sie „das Lachen meiner Nachbarin“ genauso notieren wie „der Nusskuchen vom Lieblings- Bäcker“ oder „nach Japan reisen“. Was Sie im Hinterkopf behalten sollten: „Glücklicher sind dieMenschen,die sich nicht zu sehr auf fern gesteckte Ziele konzentrieren, die nur mit viel Anstrengung zu erreichen sind“, so Claudia Clasen-Holzberg. Das Glück wird stärker empfunden, wennmanes schafft, auf demWeg dorthin das Hier und Jetzt zu genießen. Anders ausgedrückt: Sie müssen nicht gleich die ganze Wohnung renovieren; ein gutes Gefühl macht sich schon breit,wenn Sie endlich die vergilbteWand in der Küche streichen. Psychologin Clasen-Holzberg: „Glück empfindet man besonders stark über seine Sinne.“ Das Malen eines Bildes, Grillenzirpen an einem Sommerabend, eine Umarmung vomFreund, ja sogar Arbeit im Garten – das alles macht mitunter so glücklich wie das spontane Erfolgsgefühl bei der lang ersehnten Beförderung. Nur lassen sich diese Dinge viel öfter und unkomplizierter erleben.

Wer Glück teilt, vermehrt es

Vergessen Sie im Rausch des neu gewonnenen Glücks aber nicht Ihre Mitmenschen! Sie haben von denen profitiert, jetzt sollten sie (nach Punkt vier unserer Glücksstrategie) auch an Ihrem Glück teilhaben.Wer die Freundin mit Liebeskummer zu einem Wellness-Tag mitnimmt, hellt nicht nur ihre Stimmung auf, sondern investiert auch ins eigene Glücks-Netzwerk. Denn je mehr Menschen in Ihrem Umfeld positiv gestimmt sind, desto mehr Glück strahlt zu Ihnen zurück. Das braucht nicht viel: ein offenes Ohr für die Jobsorgen des Freundes oder einen Anruf bei der kränkelnden Tante. Nebenbei können Sie Ihren Freundeskreis gleich um ein paar nette Leute erweitern. Indem Sie die neue Kollegin zu sich einladen. Oder mit der strahlenden Brünetten aus dem Yoga-Kurs was trinken gehen. Und dabei merken, wie viele Facetten das Glück hat. Dass es mal wie Apfelstrudel schmeckt. Oder wie ein guter Rotwein. In jedem Fall: irgendwie vertraut.

Zehn Dinge, die sofort die Stimmung heben

1 Wunderwaffe Sex: Dabei werden Mengen von Hormonen produziert. Oxytocin beruhigt, Dopamin macht gute Laune und Endorphine lindern Schmerz. Ob Sie es glauben oder nicht: Laut einer Studie macht sogar Sperma glücklich – und wirkt im weiblichen Körper wie Doping.

2 Wuff! In einem Experiment der japanischen Azabu-Universität wurde bestätigt, dass beim Herumtollen mit dem Hund Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieser Botenstoff ist eigentlich für die Mutter-Kind-Bindung zuständig, bewirkt aber auch sonst Liebe und Vertrauen.

3 Ein saurer Hering hat den gleichen Effekt wie ein Schokoriegel. Glauben Sie nicht? Ist aber wahr. Denn beide enthalten das Wundermittel Serotonin.

4 Ob als Shake oder pur: Bananen bringen gute Laune, weil sie neben Serotonin auch Norepinephrin enthalten, ein Hormon, das fürs positive Denken mitverantwortlich ist.

5 Singen macht froh! Wer bei Robbie Williams und Co. mitträllert, stimuliert das vegetative Nervensystem. Das führt einerseits zu Aktivität und Stressbewältigung, andererseits zu Erholung.

6 Da geht die Sonne auf! Schon ein paar Sonnenstrahlen genügen, und der Körper produziert Serotonin, seine natürliche „Glücksdroge“. Die regt den Kreislauf an und wirkt sogar antidepressiv und motivationsfördernd.

7 Klar, dass Jogger am Ziel so gut drauf sind: Das monotone Laufen funktioniert wie Meditieren: Man lässt gedanklich los, atmet tief durch und baut Stress ab. Endorphine werden allerdings erst ab 30 Kilometern ausgeschüttet.

8 Sauer macht lustig, scharf macht froh: Capsaicin heißt der Stoff, der für die Schärfe im Chili verantwortlich ist. Im Körper bewirkt er, dass ein Schmerzsignal ans Gehirn geschickt wird und körpereigene Opiate ausgeschüttet werden.

9 Schenken statt shoppen: Eine amerikanische Studie hat gezeigt, dass es viel glücklicher macht, Geld für andere auszugeben als schnöde noch ein Paar Schuhe zu kaufen. Jeden zehnten Euro so zu investieren, reicht da voll und ganz.

10 Weg damit! Entrümpeln befreit von unnützem Ballast und sortiert uns auch innerlich. Außerdem verbrennt man beim Wirbeln durch die Wohnung direkt ein paar Kalorien – und fördert die Motivation (siehe Punkt 6).

Stimmungs-Killern keine Chance!

Sie jammern, nörgeln, mosern an allem herum – meist ohne wirklichen Grund. Und stehlen so allen anderen positive Energie. Gift im Umgang mit chronischen Miesepetern ist, auf jede kleine Meckerei einzugehen und Verständnis zu zeigen. Dadurch fühlen sich die Nörgler nur bestätigt – und meckern weiter. Ziehen Sie klare Grenzen: Fragen Sie konkret nach, was genau so schrecklich ist. Fällt dem Nörgler nichts Einleuchtendes ein, sagen Sie deutlich, dass Sie keine Lust mehr haben, sich weiter seine Litanei anzuhören. Offene Worte helfen: Hört der Nörgler mal in klaren Worten, was an ihm wirklich nervt (nämlich sein Gestöhne), wird er schnell verstummen. Bringt das nichts, nehmen Sie es spielerisch, und drehen Sie den Spieß um: indem Sie zurückjammern. Und dabei stark übertreiben, sogar absurd werden. Das bringt jeden noch so mies gelaunten Mitmenschen aus dem Konzept.

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