1. Mai 2012
Probezeit: Neu im Job

Probezeit: Neu im Job

Die ersten Wochen im neuen Job sind gar nicht so einfach. Nicht nur dass Sie den Chef von Ihren Qualitäten überzeugen müssen, auch die Kollegen haben Sie genau im Auge. So überstehen Sie die Reifeprüfung und sichern sich Ihren Platz im Kaffeetassenschrank.

Kollegen
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Mal Hand aufs Herz: Wer ist schon gerne die Neue? Also, ich nicht. Erste Arbeitstage und vor allem all die neuen Gesichter, auf die man dann trifft, machen mich furchtbar nervös. So nervös, dass ich zuerst rot anlaufe und dann ein verkrampftes Dauergrinsen aufsetze, um die Erdbeere, die einst mein Kopf war, irgendwie zu überspielen. Gerne garniere ich diese Mischung noch mit scheinbar nicht mehr enden wollenden Wortsalven, die ich nur ab und zu durch diese schrillen Lacher unterbreche, die einem noch Stunden später im Ohr nachhallen. Vor allem dann, wenn ich abends im Bett so einen ersten Arbeitstag noch einmal Revue passieren lasse. Hach, es ist eben nicht einfach!

Der Chef und somit auch die inhaltlichen Aufgaben, die einen bei so einem neuen Job erwarten, sind meistens nicht das Problem. Schließlich hat man sich schon vor und während des Vorstellungsgesprächs hinreichend über das Anforderungsprofil informiert. Aber das, was die Kollegen von einem erwarten, steht leider in keiner Jobbeschreibung. Dabei ist ein vertrauensvoller Umgang unter Mitarbeitern die beste Vorraussetzung für gute Arbeitsergebnisse. Nur dass alles, was in der Führungsetage vielleicht super ankommt, im direkten Büroumfeld zuerst einmal nach hinten losgehen kann. Man sagt zu allen Aufgaben Ja? Schleimer! Man meldet sich ab und zu mit Verbesserungsvorschlägen zu Wort? Klugscheißer!

ENGAGEMENT? GERNE. ABER BITTE NICHT ZU VIEL!

Es gibt viele Fettnäpfchen, in die man treten kann. Denn die Anforderungen, die die neuen Kollegen an einen stellen, können mitunter sehr komplex sein. Reicht es dem Chef, wenn Sie gut und zügig arbeiten, erwarten die anderen Mitarbeiter vielleicht auch noch, dass Sie dazu gesellig und witzig sind – ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen. Sie wollen, dass Sie mitdenken, aber bitte nicht zu viele gute Ratschläge absondern. Und, und, und …

„Immer mit der Ruhe“, rät deshalb Diplom- Psychologin und Supervisorin Katrin Thorun-Brennan. „Am Anfang fährt man am besten, wenn man sich zuerst einmal genau den Umgang unter den anderen Mitarbeitern ansieht. Bis man ein wenig mehr über Hierarchien und Rollenverteilungen weiß, ist es gut, sich ein wenig zurückzuhalten“, so die Autorin des Buchs „Das Chamäleon-Prinzip“. Auch wenn es etwas heuchlerisch klingt: Wer gemocht und akzeptiert werden will, tut immer gut daran, die Gepflogenheiten einer Gruppe zu übernehmen. Meistens muss man sich dafür noch nicht einmal verstellen. Sobald man einen Menschen nämlich mag, ahmt man unterbewusst dessen Körperhaltung nach. Und selbst wenn das nicht sofort klappt, haben Verhaltensforscher nachgewiesen, dass Vertrautheit allein schon dadurch entsteht, dass man sich einen Raum teilt. Man kann Sympathie also auch aussitzen.

DER ERSTE EINDRUCK MUSS NICHT DER LETZTE SEIN

Das bedeutet demnach aber auch, dass der erste Eindruck nicht unbedingt am eigenen Image haften bleiben muss wie ein altes Kaugummi an einem Schuh. Selbst wenn Sie sich in den ersten Tagen aus Unsicherheit oder Nervosität ganz seltsam benehmen, können Sie dieses Bild über ein paar Wochen oder Monate problemlos wieder glattbügeln. „Sie müssen nicht sofort alles richtig machen“, sagt auch Katrin Thorun-Brennan. „Wenn Sie allerdings auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie vor dem ersten Tag ein wenig zu Hause vor dem Spiegel üben.“ Eine offene Körperhaltung oder direkter Augenkontakt täuschen über so manche Unsicherheit hinweg. Und selbst wenn man trotzdem ein kleines Zittern oder Stottern bemerkt: Meine Kollegen haben mir irgendwann gesagt, dass sie meine leicht hyperaktive Art an den ersten Tagen ganz lustig fanden. Allzu viel Perfektion kann schließlich auch abschreckend wirken. Das will ich natürlich auf gar keinen Fall! Da gönne ich mir doch lieber das ein oder andere Fehlerchen.

SO ÜBERLEBEN SIE DIE PROBEZEIT MIT IHREN KOLLEGEN

1 Reden Aufrichtigkeit ausstrahlen, aber Belangloses bereden. Viel fragen, aufmerksam zuhören, viel nicken, lächeln und nur in kurzen Einschüben antworten. Small Talk ist der Flirt der Geschäftswelt und baut Vertrauen auf.

2 Essen Sich mit einer Kollegin gut zu verstehen ist prima. Aber wer wirklich gute Bande knüpfen will, sollte sich nicht direkt festlegen. Ruhig mit verschiedenen Kollegen in die Kantine gehen und versuchen, sich nicht von einem Lager vereinnahmen zu lassen.

3 Trinken Forscher raten eindeutig zum Feierabendbier. Zum einen stärkt die gemeinsam verbrachte Barzeit die Kollegialität, zum anderen beflügelt sie das Gehalt. Wer regelmäßig mit Kollegen was trinken geht, verdient im Schnitt 17 Prozent mehr als Stubenhocker.

4 Haltung bewahren Sie wollen seriös wirken? Dann überlegen Sie sich genau, was Sie sagen wollen, und sitzen Sie gerade. Wichtig: kurze Sätze formulieren. Das wirkt professionell und schlau, weil man leichter zuhören kann.

5 Schweigen Vertrautheit ist gut, zu viel Intimität weniger. Versuchen Sie nicht zu viel über Ihr Privatleben preiszugeben. Ihr Büronachbar hat wahrscheinlich mehr Respekt, wenn er nicht weiß, wie Ihr Freund im Bett ist.

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