10. August 2010
Networking im Job

Networking im Job

Ob über die beste Freundin, Facebook oder Xing – ohne gute Beziehungen im Job läuft nicht viel. Tolle Sache oder fieser Klüngel? Hier sind zwei sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema Kontakte…

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PRO

»Werden Sie persönlich!«

Alexandra-Kahtarina Kütemeyer
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Alexandra-Kahtarina Kütemeyer

ALEXANDRA-KATHARINA KÜTEMEYER ist bei PETRA vor allem für Karriere-Themen zuständig. Mit Vitamin B kennt sie sich bestens aus – auch aus eigener Erfahrung. Und die hat sie gelehrt, dass es gewisser Intimität bedarf

Wissen Sie, warum viele Vitamin B verurteilen? Aufgrund schlechter Erfahrungen, falsch verstandener Moral oder übertriebener Erwartungen. So gesehen verhält es sich wie in einer Partnerschaft: einmal erlebt, für immer geprägt. Dabei gehört es längst zum professionellen Standard, Netzwerke beruflich zu nutzen – man muss nur einmal verstanden haben, wie es richtig läuft! Deshalb plädiere ich für einen Beziehungsratgeber. Und zwar für den Job. Das wäre nicht nur eine echte Innovation, sondern echt wichtig. Schließlich steht das große B für… genau! Ja, und Beziehungen sind nun mal zu pflegen. Viele jedoch verwechseln noch immer Quantität mit Qualität – und haben somit gar keine Chance dazu. Denn wenn wahllos Kontakte angehäuft werden, weiß letztlich keiner mehr, wer wer, wie und wo eigentlich ist. Dadurch aber verliert eine Verbindung den Großteil ihrer Bedeutung. Auch, weil eine professionelle Beziehung so wechselseitig ist wie die Liebe – was nicht heißt, dass jeder Tipp oder Gefallen vergolten wird. Vielmehr etabliert sich ein Trend zur Wertigkeit: Was kann ich meinen Kontakten bieten, jetzt oder später, Know-how oder Verbindungen, Referenzen oder schlicht Sympathie.

Dank dessen werden selbst schwache Kontakte persönlicher, was das Empfehlungssystem à la Xing & Co. erst so erfolgreich macht. Und natürlich erleichtern und forcieren unsere Online- Profile diese Entwicklung, da wir nun früher und selbstverständlicher – private wie professionelle –Details freigeben. Das spart Zeit und erhöht nebenbei die Vermittlungsquote, da Empfehlungen passgenauer ausgesprochen werden können! Knapp ein Drittel der Stellen werden so bereits besetzt. Ich selbst habe bisher fast alle Jobs über Bekannte, ehemalige Arbeitgeber und direkte Kontakte bekommen. Die übrigens ganz eigennützig gehandelt haben. Weil sie zeigen wollen, wie gut sie ausbilden. Weil sie durch die Vermittlung selbst aufsteigen. Oder eben schlicht als Referenz. Und damit gewinnt das große B eine neue Leichtigkeit: Das Gefühl, sich zu verpflichten, verschwindet. Denn die Person weiß genau, was sie an mir hat. Und umgekehrt. Im Übrigen gilt nach wie vor: Ausschlaggebend bleibt unsere Qualifikation!

CONTRA

»Gute Jobs nur für Schleimer?«

Wiebke Borcholte
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Wiebke Borcholte

Redakteurin WIEBKE BORCHOLTE betreut bei PETRA unter anderem die Reise. Zum Heft kam sie nicht über Beziehungen, wobei Vitamin B ihr schon öfter mal im Leben half. Allerdings hat sie damit meist ihre Probleme

Früher schlief man sich nach oben. Heute netzwerkt man sich nach oben. Wenn jemand einen Job bekommt, weil er mit jemandem aus der Chefetage befreundet ist, hege ich immer einen leisen Verdacht: „Der kann nichts. Der beherrscht nur Networking.“ Oft stimmt das nicht, aber etwas ist an dem Sprichwort „It ain’t matter what you know, but who you know – es ist egal, was du weißt, aber nicht, wen du kennst“ ja schließlich dran: Jemand, der ein Genie in seinem Fach ist, aber ein sozialer Totalausfall, hat in diesem System einfach Pech gehabt.

Was ich interessant finde: Vitamin B macht mitnichten reich. Nach einer Studie des spanischen Centro de Estudios Monetarios y Financieros von 2004 verdienen die, die bei der Jobwahl auf Familie und Freunde setzten, im Schnitt neun Prozent weniger als Normalbewerber. Das liegt wohl daran, dass man einen Job, den man durch Beziehungen zugeschanzt bekommt, ohne Murren und Feilschen nimmt. Könnte ja undankbar wirken. Und natürlich haben Frauen die schlechteren Karten beim Netzwerken: Die Kerle, die oben auf den Managerposten sitzen, gehen nach dem Feierabend zum Fussi und schieben sich in der Halbzeit untereinander die Jobs zu. Das beherrschen Männer gut, schließlich pflegen sie eine lange Tradition des Networkings – im Verein, in der Burschenschaft – oder im Segel-Klub. Hier verbinden sich Männer einfach durch ihr Studium oder ihre Interessen. Und was machen ihre Gattinnen? Die gründen Frauen-Netzwerke. Wie uncool.

Jetzt ist es im Übrigen nicht so, dass ich meine Jobs immer wegen vermeintlich toller Leistungen bekommen habe. Auch ich gehöre zu den 29 Prozent, die mal einen Job durch Kontakte ergatterten und es jederzeit wieder tun würden. Ich empfehle auch wahnsinnig gern gute Leute weiter. Aber ich finde es knifflig, Kontakte zu knüpfen. Wenn ich eine Frau kennenlerne, die meiner Karriere behilflich sein kann, bin ich befangen. Findet sie mich schleimig? Denkt sie, ich bin nur nett, weil sie mir eine Stelle beschaffen soll? Wie trenne ich Karrierehunger und Sympathie? Handelt es sich um einen Mann, ist es noch hakeliger. Schläft man sich noch hoch? Und wer schläft sich mit wem hoch? Ganz ehrlich, da trenne ich doch lieber Arbeit und Vergnügen – wenn es geht.

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