29. Oktober 2013
"Liebe Dich selbst"-Fahrplan: Tag 1 - 4

"Liebe Dich selbst"-Fahrplan: Tag 1 - 4

Wir sind nett, nachsichtig, aufbauend, geduldig und meistens verständnisvoll. Wenn es um andere geht. Nur bei uns selbst kennen wir keine Gnade. Wie schafft man es, sich selbst samt Macken und Fehlern zu lieben – und wie sieht man endlich auch die eigenen Schokoseiten? Versuchen Sie es doch mal mit unserem 10-Tage-Plan …

Frau Spiegel
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Frau Spiegel

"Piep, piep, piep, ich hab mich ja so lieb!“ Keine Angst: Wir raten Ihnen jetzt nicht, Ihrem Spiegelbild morgens peinliche Sätze vorzutragen – oder zehnmal hintereinander in Schönschrift zu schreiben, wie sehr Sie sich mögen. Stattdessen haben wir mit Life Coach Martina Frisch aus Hamburg einen 10-Tage-Plan erstellt, der dabei hilft, sich kleine Schwächen zu verzeihen, etwas Druck aus dem täglichen Wahnsinn zu nehmen und das schlechte Gewissen zu vergessen. Weil es doch irgendwie verquer ist, dass wir über die Macken anderer hinwegsehen – und von uns selbst Perfektion erwarten. Dass wir die Pfunde der Freundin sexy finden – uns aber strikte Diäten verordnen. Dass Kollegen die Kritik des Chefs locker verkraften, während wir noch ewig dran knabbern. Eignen Sie sich mit unseren Tipps eine lässige Attitüde an – und sind künftig etwas netter, nachsichtiger und entspannter, wenn es um Sie selbst geht. All die aufmunternden Sätze, die Sie anderen gern sagen, dürfen Sie jetzt mal auf sich anwenden. Dann können Sie den Blick im Spiegel nämlich auf das richten, was man selbst gern vergisst: dass man eine liebenswerte und anziehende Person ist.

TAG 1: Gut siehst du aus!

Passt mein Po in diese Jeans?! Im Schummelspiegel der Umkleidekabine sah sie ja noch scharf aus – aber jetzt… Sitztest, Profilcheck und Schokoladenverteufelung. Irgendwie sind wir mit unserer Figur ja nie ganz zufrieden. Bizarr nur, dass wir zwanghaft den Bauch einziehen, während wir JLos Hintern bewundern und es bedauern, wenn Beyoncé abspeckt. "Statt ständig an dem herumzudoktern, was Sie an sich nicht so mögen, sollten Sie Schönes unterstreichen – und dafür Komplimente einheimsen", rät Life Coach Martina Frisch. Aufgabe für heute: Schmeißen Sie alles aus Ihrem Kleiderschrank, was Ihnen nicht mehr gefällt, noch nie wirklich stand oder worin Sie sich nicht wohlfühlen.

TAG 2: Mach dir nichts draus!

Okay, das Meeting gestern lief ziemlich mies. Und der Chef war richtig in Rage. Ist aber noch lange kein Grund, sich verrückt zu machen – oder gar an sich zu zweifeln. Erstens hatte er schlechte Laune. Zweitens kriegt er sich wieder ein. Und drittens: "Nehmen Sie Abstand von der Erwartungshaltung, dass sich immer alles mit ,sehr gut‘ absolvieren ließe", so Frisch. "Niemand ist jeden Tag imstande, gleich gute Leistungen abzuliefern." Zwar lohnt es, noch mal zu reflektieren, wie es beim nächsten Mal besser ginge. Aber dann darf man den Tag auch getrost abhaken – und zum Aufmunterungsprogramm übergehen: Ziehen Sie Ihren heißesten Fummel an, rufen Sie Ihre Mädels an – und wie hieß noch mal Ihr Lieblingsgetränk? Das wird als Erstes in der Bar bestellt. Und danach können Sie den Rumpelstilzchen-Auftritt Ihres Chefs getrost vergessen.

TAG 3: Ja, der meint mich!

Da versucht so ein gut aussehender Typ ganz offensichtlich mit Ihnen zu flirten – und Sie reden sich ein, dass er bestimmt eine andere meint. Schade! Dann gehören Sie bestimmt auch zu denjenigen, die Komplimente entkräften ("Ach, das Kleid ist doch schon alt") und eigene Leistungen relativieren ("Ach, das war doch halb so wild"). Martina Frisch rät: "Nehmen Sie heute jedes nette Wort ganz stolz und dankbar an." Sie können auch mal zwei Wochen Buch darüber führen. Dadurch steigt Ihr Bewusstsein dafür, wie gut Sie bei anderen eigentlich ankommen. Und was Sie in Sachen Charisma noch aus sich rausholen können, wenn Sie sich nicht verstecken.

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TAG 4: Du schaffst das schon!

Das Zweifel-Z auf Ihrer Stirn macht Harry Potters Narbe Konkurrenz. "Wie konnte ich mich bloß darauf einlassen?", Das ist doch drei Nummern zu groß für mich, denken Sie – und sehen sich im Geiste schon wahlweise als Hochstaplerin oder als Häufchen Elend. Warum eigentlich nicht als strahlende Siegerin? Jedem anderen würden Sie doch auch Mut zusprechen, wenn er eine Herausforderung annimmt oder schwierige Zeiten durchmacht. "Seien Sie ruhig mal ein wenig mutiger und begegnen Zweifel mit einem ,Ich mache es trotzdem!'", rät der Coach. Und damit Sie der Mut nicht verlässt: Kaufen Sie sich ein Einweckglas, in dem Sie positives Feedback, Fotos, Erfolgsmeldungen und Danksagungen sammeln. Bei Durchhängern in das Glas greifen und freuen.

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TAG 5: Sie sind ein Glückspilz!

Die Bahn fährt uns vor der Nase weg, der Computer stürzt ab, der Kaffee kippt um – und abends im Club wird auch noch das Portemonnaie geklaut. Manchmal wirkt die Welt, als hätte sie sich gegen uns verschworen. Aber eigentlich nur, weil wir das Dummgelaufene fokussieren. "Achten Sie stattdessen mal einen ganzen Tag lang auf alles Positive", rät Martina Frisch. Angefangen beim guten Wetter und einem netten Small Talk im Hausflur über den reduzierten Kaschmirpulli und die freundliche Verkäuferin bis zu dem Mann, der Sie zum Trost massiert, weil das Portemonnaie gemopst wurde. Frisch: "Wer sein Gehirn neu programmiert, Kleinigkeiten wertschätzt und sich am Abend noch mal darauf besinnt, was alles gut gelaufen ist, kann sich auf einen grübelfreien Schlaf freuen."

TAG 6: Machen Sie sich locker!

Gehören Sie auch zu denjenigen, die nachts so laut mit den Zähnen knirschen, als ob Sie gerade einen Feldsalat mit mehr Sand als Grün essen? Wahrscheinlich weil Sie sich ständig stressen und nie so recht zur Ruhe kommen. "Tun Sie mal wieder mehr für sich selbst und besinnen sich auf das, was Ihnen guttut", rät der Life Coach. Auch wenn Sie nicht jeden Tag zwei Stunden abzwacken können, um in eine Ausstellung, zum Sport oder mit den Mädels auszugehen. 20 Minuten weniger vor dem Fernseher und mehr zum Spazieren reichen auch aus, um in sich hineinzuhorchen und zu erkennen, wonach Sie sich gerade am dringendsten sehnen und was Sie derzeit am meisten belastet. Ihre erste Übung: "Achten Sie zur Abwechslung mal nicht auf den Trubel um Sie herum, sondern nur auf das eigene Atmen und langsame, bewusste Bewegungen."

TAG 7: Tun Sie etwas verrücktes!

Wann waren Sie das letzte Mal komplett durchgeknallt? Haben sich ein Tattoo stechen lassen, den schönsten Mann der Stadt angesprochen oder eine Überraschungsparty geschmissen? Wir lassen uns viel zu oft von den Bedenken anderer einschüchtern, vom Wenn und Aber überzeugen, statt einfach mal zu machen. Wagen Sie etwas! Es muss ja nicht gleich ein Bungeesprung sein. Aber vielleicht ein Spontantrip ans Meer – oder jetzt doch die High Heels von Jimmy Choo. Auch wenn das die Kasse auf Monate sprengt. Coole Aktionen erweitern Ihren Horizont, bescheren Glücksgefühle – und hinterher kann sie Ihnen keiner mehr nehmen! Das Wichtigste laut Martina Frisch: "Tun Sie es jetzt – und nicht irgendwann mal!"

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TAG 8: Haben Sie Vertrauen in sich!

Ihr Kind, Ihr Kunde, Ihr Partner, Ihr Team: So viele Menschen vertrauen Ihnen, weil Sie oft bewiesen haben, dass man sich auf Sie verlassen kann. Wenn man Spaß haben will, wenn Not am Mann ist, wenn Trost gebraucht oder Know-how gefragt ist. Warum sollten also ausgerechnet Sie selbst nicht an sich glauben? Und daran, dass "alles gut wird"? "Was simpel klingt, ist das beste Mantra der Welt", sagt der Life Coach. "Wer darauf vertraut, dass sich alles irgendwie richtet und man sich auch mal durchwurschteln darf, geht mit einer größeren Leichtigkeit an die Dinge, die anstehen." Und fühlt sich doppelt beflügelt, wenn etwas glattläuft und man die Ruhe bewahren konnte. Ihr Tagestraining: "Belohnen Sie sich heute für jede Kleinigkeit, die gut läuft – und genießen Sie es!"

TAG 9: Schauen Sie nach vorn!

Hätte, wäre, könnte: Probieren Sie mal, den Konjunktiv aus Ihrem Wortschatz zu streichen. Man benutzt ihn eh nur dafür, um in der Vergangenheit herumzupfuschen und längst Gelaufenes durchzugrübeln. "Stattdessen konzentrieren Sie sich auf Pläne, Visionen und Träume", rät Martina Frisch. Was möchten Sie ändern, was noch erreichen? Und welchen Preis müssen Sie dafür zahlen? "Schmeißen Sie heute Ihr Kopfkino an.“ Umgeben Sie sich mit Menschen, die Sie in Ihrem Vorhaben unterstützen – und nicht mit den Zweiflern. Und schreiben Sie auf, was Sie umsetzen wollen. „Dann merken Sie, ob Ihnen der Plan Schubkraft verleiht."

TAG 10: Akzeptieren Sie sich selbst!

Schön, Sie haben diese Ticks: gehen immer auf der linken Seite, lachen zu laut und können nur mit Augenmaske einschlafen. Na und? Jeder ist anders. Und gerade deshalb liebenswert – solange er authentisch bleibt. "Je besser man sich kennt und je weniger man sich im Alltag verbiegt, desto wohler fühlt man sich", so Frisch. "Um ein besseres Gefühl für die eigene Außenwirkung zu kriegen, wagen Sie heute ein kleines Spiel", rät der Life Coach. "Setzen Sie sich mit einer Vertrauten zusammen und sagen sich gegenseitig ganz offen, was Sie an der anderen schätzen und was sie am besten kann." Garantiert treten Stärken zutage, die Sie bislang als selbstverständlich nahmen – und auf die Sie sich künftig mehr besinnen können.

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